Samstag, 31. Januar 2009

Morgen zieh ich um!!

30.12.2008

Das heißt im Studentenwohnheim treffe ich alle möglichen Vorkehrungen um die Kaution wieder zu bekommen. Dazu gehört auch einen Fernseher zu besorgen, den wir aus Platzgründen zwischenzeitlich entfernt hatten und in die Abstellkammer auf unseren Stock bringen ließen...Mach das mal einer Frau an der Rezeption klar!!!
Nach etlichen Diskussionen, ließ sie sich davon überzeugen, dass der Fernseher ursprünglich bei uns stand, forschte nach und fand heraus, dass er nun ganz woanders steht und wir allerhöchstens einen schwarz-weiß Fernseher zurücktauschen könnten...Wenn das mal keine Probleme beim Auszug gibt. Aber egal. Bevor ich meine Sachen packe, treffe ich mich noch mal mit meinen Eltern und Jens auf der Shoppingmeile schlechthin, auf der Nanjinglu. Dort wollten wir ursprünglich in ein vegetarisches Restaurant gehen. Dieses ist leider nur per Fahrstuhl zu erreichen, der ausgerechnet diesmal kaputt sein musste. Also gut, nehmen wir die Treppen, nur wohin? Quer durch eine riesige Apotheke hindurch gingen wir ins Treppenhaus, wurden schon dabei sehr belustigt beäugt und gar für verrückt gehalten, als wir nach dem Weg zum Restaurant fragten. „Meiyou“ 没有oder auf deutsch „gibbet nisch“! Das Restaurant renoviert grad. Ok, da hat mein Papa Schwein gehabt und ist um eine fleischlose Mahlzeit herumgekommen. So stellten wir unsere Geschmacksnerven in einem Sichuanrestaurant auf die Probe. Höllisch scharfe Pilze und Fleisch ließen unsere Lippen taub werde und unsere Köpfe rot anlaufen. Nach einem abkühlenden Stadtbummel beschlossen wir, zurück zum Hotel, bzw. ins Wohnheim zu gehen. Hier warteten 2 leere Koffer auf mich, die gefüllt werden wollten. Am Ende waren sie mehr als voll, dazu kamen noch mein Backpack-Rucksack, ein weiterer Rucksack, mehrere Beutel, die Laptoptasche und eine große Plastikbox vol mit Kleinzeug...erstaunlich, was sich so alles nach 3 Monaten ansammeln kann. Ich bin schon sehr gespannt auf den morgigen Umzug!!!

People’s Square und Zirkus

29.12.2008
Meine Eltern schickte ich heute ins Shanghai Museum. Zum Mittagessen wollten wir uns eigentlich in ein schönes kleines Baozi Restaurant setzen, allerdings kam mir mein fehlender Orientierungssinn und der Regen in die Quere. Stattdessen brauchte ich dringend ein paar neue Schuhe, denn meine Stifel waren durchgeweicht und pellten sich schon und wir fuhren später zu einem kantonesischen Restaurant. Am Späten Nachmittag besorgten wir uns noch Tickets für den Shnaghaier Zirkus und fuhren nach einer großen Tasse Kaffee zur Shanghaier Circus World, die so groß ist, dass sie über eine eigene U-Bahnstation verfügt. Für 80 Yuan kann man einen Platz an der Seite ergattern und bekommt eine atemberaubende Show zu sehen. Sie hat alles, was man sich unter dem chinesischen Zirkus so vorstellt zu bieten: Akrobaten, die durch Reifen Saltos springen, Schlangenmenschen, die sich verbiegen wie Brezeln, Jongleure, Stabakrobatik, Trapez- und Trampolin-Springer, Teller-Akrobatik, Feuerspucker, sogar Motorräder in einer Metallkugel gab es. Bestimmt hab ich bei meiner Auflistung vieles vergessen, aber die Eindrücke waren so viel und grell, das schon einiges in meiner Erinnerung verschwommen ist.
Auf jeden Fall ein bunter Zirkus, so wie es sich gehört, mit vielen „ui“ und „oh“ Effekten.

Suzhou die Zweite

Sonntag 28.12.

Mein Wecker klingelt... 6.30 Uhr... igittigitt sooooo früh aufstehen. 6.30 Uhr... Verdammter Mist...eigentlich sollte ich 6.30 Uhr bei meinen Eltern im Hotel sein, denn unser Zug nach Suzhou geht schließlich 8.25 Uhr. Hab das wohl gestern Abend mit dem Weckerstellen etwas verpeilt. Also schnell eine Katzen Wäsche hingelegt, Sachen geschnappt , losgesprintet ins Taxi gesprungen und 7.00 Uhr noch bis zum Hotel meiner Eltern geschafft. Beachtliche Leistung im Halbschlaf. Den Zug in die bereits erwähnte Kanalstadt Suzhou haben wir trotz meiner Verspätung noch geschafft, nachdem ich den Taxifahrer unser Ticket zeigte und „快一点儿, 快一点儿kuai yidianr, kuai yidianr!“ hervorstieß, was so viel heißt, ein bisschen schnell, wir haben es eilig. Nach einer wilden Schlängeltour durch Shanghais morgendlichen Stau Shanghais ließen wir uns in die Sitze des Weichen Zuges nieder und frühstückten während der 30 minütigen Zugfahrt. In Suzhou angekommen gingen fuhren wir schnurstrakts zur Nordtempel-Pagode, erklimmten die 9 Etagen und gewannen einen Überblick über die schwarze Dächerlandschaft Suzhous. Nach einem kurzen Spaziergang durch den anliegenden Tempel der Wohltätigkeit liefen wir weiter zum Suzhou Museum, in dem alte Kunstgegenstände ausgestellt waren, die allesamt rund um die Stadt ausgegraben wurden. Gleich neben an war der wohl weitläufigste chinesische Garten, den ich bis jetzt besichtigt habe. Er heißt Garten der Politik des einfachen Mannes Zhuozheng Yuan 拙政园, wie geschaffen also für meinen Papa ^^. Insgesamt misst er 50000m² und wurde ca. 1522-66 angelegt. Besonder schön fand ich die Gewässer, welche sich als kleine Seen und Flüsschen aneinander reihten und kleine Inselchen, die mit Brücken verbunden waren, in ihrer Mitte bargen. Sehr idyllisch und romantisch auch bei dem andauernden Regenwetter, das wir erwischten, und unbedingt einen Besuch wert.
Nach so viel frischer Luft gönnten wir uns ein kräftigendes Mahl in der Stadtmitte und besichtigten noch zwei kleinere Gärten den Garten des Meisters der Netze „Wangshi Yuan“ 网师园 und den Garten des Pavillion der Azurblauen Wellen “Canglang Ting“ 沧浪亭. Danach waren wir so durchgefroren, dass wir uns in einem Kaffeehaus brasilianischen und japanischen Kaffee sowie Eisbecher gönnten. Ja, ja der chinesische Tee ist wirklich gut, beim Kaffee fehlt noch einiges zur Perfektion.
Nun war es doch schon dunkel geworden und wir versuchten noch einen Blick auf die bunt beleuchtete „Pagode des Lichtes des Guten Omens“ zu erhaschen, sowie auf das Stadttor „Pan Men“ 盘门.
Nach einer etwas schwierigen Such nach einem Taxi, war ein langer, besichtigungsreicher Tag zu Ende.

Lang, lang ist's her!

Nach einer etwas längeren Unterbrechung, aufgrund von sich überstürzenden Ereignissen, kehre ich nun zurück an mein Schreibpult und kann wieder brühwarm aus dem Shanghaier Nähkästchen plaudern. Wo waren wir gleich noch mal stehen geblieben? Ach ja bei dem Besuch meiner Eltern und meines Onkels....

Freitag, 9. Januar 2009

Durch die französische Konzession....

Samstag 27.12.2008

Am späten Vormittag werteten wir erst mal die Tibetreise meiner Eltern und meine neu gewonnenen Erfahrung aus. Als unsere Mägen, dann zu grummeln begannen fuhren wir zur Huaihai Rd., um dort mal den Shanghaier Hot Pot zu testen. Da wir uns beim Auswählen der Zutaten sehr bescheiden anstellten, durften wir sogar einen Blick in die Küche wagen. Hier war es zu meiner Überraschung auch sehr sauber, aufgeräumt und ordentlich. Wieder mal schlugen wir uns die Bäuche voll und zahlten dafür nur 60 Yuan. Den Rest des Tages spazierten wir durch die Französische Konzession, vorbei an der KPCh Gründungsstätte, durch den Fuxing Park, in engen Gassen, in denen Schweinehälften vom Fenster hingen bis wir wieder zur belebten Huaihai Rd. kamen. Unterweg ergatterte ich in einem Irish Pub noch einen Apfelstrudel bevor wir den Streifzug durch die Vergangenheit fortsetzten. Zum Abendbrot gab es scharfes Thailändisch in einem Restaurant gleich neben der Cotton Bar, in der wir den Rest des Abends verbrachten. Bis die Band spielte war es allerdings schon 22.30 Uhr und so hörten wir nur noch einige wenige Stücke, bevor wir uns auf den Nachhauseweg machten.

Chongqing Huoguo重庆火锅

Freitag 26.12.2008

Schon wieder heißt es früh aufstehen. Unser Zug nach Chongqing ging um 8.00 Uhr. Dort angekommen fuhren wir nochmals in die Innenstadt um den berühmten Chongqing Huoguo重庆火锅, den Feuertopf zu verköstigen. In einem preiswerten und guten Restaurant, empfohlen von unserem Taxifahrer bestellten wir einen mittelscharfen Hot Pot. Nun ja, Die Würze bestand nur aus Chili, Chinesischem Blütenpfeffer und allen anderen Sorten scharf machender Gewürze. In diese Brühe ließen wir nun ein Gemüse nach dem anderen versinken, Fleisch, Tofu, nach und nach wanderte alles in den Topf, der mitten auf dem Tisch unter Gasflamme erhitzt wurde. Bei unserer Essensschlacht erheiterten wir das Personal gewaltig. Diese Nudeln sind aber auch verflixt glibberig. Und so ein Brocken Tofu spritzt auch mal weit, wenn er aus ca 30 cm Höhe in großem Bogen wieder in den Topf kracht!
Ich glaube das Restaurant musste nach uns erst mal wieder Großreinigung machen....
Aber egal, Der Feuertopf war so scharf, dass uns die Tränen in die Augen stiegen, die Münder brannten und die Lippen taub wurden. Trotzdem wahnsinnig lecker.
Eine Freundin hat einmal gesagt, wenn du dich erst mal an scharfes Essen gewöhnt hast, kommen dir alle anderen Gericht ziemlich lasch vor. Mittlerweile kann ich das bestätigen. Dem Shanghaier Essen fehlt es gehörig an Würze und Chili esse ich mittlerweile pur.

Nun ging es entgültig zurück und der Flieger brachte uns am Abend zurück nach Shanghai.

Pandas - knuffig & niedlich

Donnerstag 25.12.2008

Heute Morgen ging es ganz früh los mit dem Kleinbus und Privatführer auf zur Pandabär-Zuchtstation in Chengdu. Dort spazierten wir den ganzen Vormittag umher und schauten den drollige schwarzweißen Gesellen beim Fressen, Spielen und Schlafen zu. Auch die ganz kleinen durften wir sehen. Versteckt hinter Glas und in Kinderbettchen platziert tollten sie herum, jede Möglichkeit wurde genutzt, um aus dem Gehege auszubüchsen und die Pflegerinnen hatten einiges zu tun, um die kleinen in Schach zu halten.
Pandabären sind bekanntlich vom Aussterben bedroht. In der freien Wildbahn gibt es noch ca 1000 Stück. Zum einen hat das Schrumpfen dieser Spezies seinen Ursprung in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume der Pandas, der Bambuswälder, durch den Menschen. Zum anderen trägt die Ernährung des Pandas dem Schwund bei. Von ca. 60 Bambusarten isst der Große nur ca. 20 Arten und dabei kann er diese sehr schlecht verdauen. So kommt nur sehr wenig Energie in seinen Körper und er wird träge, zu faul zum Spielen, zum Laufen und schließlich auch zu faul um sich zu reproduzieren, denn er ist den größten Teil des Tages damit beschäftigt Nahrung aufzunehmen oder zu schlafen. Die Aufgabe der Zuchtstation in Chengdu ist, den Pandabären zu vor dem Aussterben zu schützen, möglichst vielen Tieren das Überleben in der freien Wildbahn zu ermöglichen und den Menschen über die Notlage der bedrohten Tierart aufzuklären.

Nach diesem erquickenden Start in 浣花溪公园zu fahren. Dort gibt es neben Erholung im Grünen auch ein nachgebautes Dorf, in dem ein berühmter Dichter gelebt hat, eine wieder aufgebaute Pagode einschließlich Museum und eine Ausgrabungsstätte mit Tonkrügen und anderen Utensilien aus der Songdynastie.

Da wir immer noch nicht genug von den Parks hatten, besuchten wir auch noch den Bambuswald – Park im Süden Chengdus. Direkt an einem Fluss gelegen kann man hier durch riesige Bambuswälder streifen und sich alle möglichen Kunstgegenstände aus Bambus ansehen. Auch das Lebenswerk einer bedeutenden Dichterin ist hier festgehalten. Doch am schönsten ist es wieder mal den Chinesen beim Kartenspielen oder Diabolospielen zuzusehen und ein wenig frischere Luft zu inhalieren.

Unser Abendprogramm bestand im Wesentlich darin uns eine Art Sichuanoper anzusehen. In einer riesigen Halle wurden verschieden Theaterstücke aufgeführt. Vom Feuerspucken über Kostümwechsel bis hin zum Schattenspiel und Maskentanz war alles dabei. So fand unser Urlaub noch einen wunderschönen Ausklang, relaxed unter einem Wärmepilz beim Bestaunen der Artisten, die allesamt beweglich wie Brezeln waren.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Gezuckerte Weihnachten

24.12.2008 Emeishan 峨眉山

Halb sechs pellten wir uns aus der eisigen Bettdecke heraus, um pünktlich zum Frühstück um 6 anzutreten – wir waren die ersten...Grummel... Egal nach ein paar Mantou und scharfen Sojabohnensprossen fuhren wir zur Tickethalle für die Fahrt zum Emeishan unserer nächsten Station. Hier in der Mitte Chinas geht die Sonne erst etwas später auf, da in ganz China die gleiche Uhrzeit herrscht, festgelegt von Beijing. So fuhren wir nach mehrmaligem Buswechsel ins dunkle Ungewisse der Nacht. Als die ersten Sonnenstrahlen meine Nase kitzelten befanden wir uns bereits mitten in den Bergen des Gebirgszuges Emeishan. Auf schmalen Serpentinen schraubte sich unser zum Glück beheizter Bus die Straße immer weiter hinauf. Auf halber Strecke stoppten wir an einem Verkaufsstand und ich dachte schon unsere perfekt gestylte Chinesin, tauscht ihre 7cm hohen Pfennigabsatzschuhe gegen richtige Wanderschuhe ein....nein falsch gedacht, sie kaufte für sich und ihren Mann erst mal ein paar Handschuhe. Munter ging es weiter, je höher wir stiegen, desto verzauberter sah die Landschaft um uns herum aus. Die Bäume bekamen erst weiße Spitzen, dann weiße Zweige bis sie zum Schluss ganz in ein weißes Kleid aus Reif und Schnee gekleidet waren. Aus diesem Grund legten wir auch eine Pause ein, um Schneeketten aufzuziehen. Weiter ging es in dieser Traumwelt. Als wir dann entgültig den Reisebus verließen wehte uns ein eisiger Wind um die Nase. Bevor wir uns an den Aufstieg zum Gipfel wagten bestürmten uns eine Horde Verkäufer, denen wir schließlich Eispickel für unsere Turnschuhe abkauften. Später stellte sich heraus, dass der gefährliche Aufstieg aus betonierten Treppen mit Geländer bestand und lediglich die Stufen vereist waren.
Fasziniert von der Eiswelt um uns herum vergaßen wir die Müdigkeit und tauchten ein in eine Welt aus Ruhe und Besinnlichkeit. Beschwingt stiegen wir die Stufen zur, wie sollte es auch anders sein, Seilabahnstation hinauf. Zwischen einigen Einschneidungen in den Baumkronen konnten wir Blicke auf ein Wolkenmeer unter uns erhaschen, welches gelegentlich von anderen Bergspitzen unterbrochen wurde. Es ist schwer zu beschreiben welche Glücksgefühle eine solch wunderbare Landschaft auslösen kann, aber ich kann euch versichern wir hatten ein einmaliges weißes Weihnachten auf dem heiligen Berg und ich möchte diese Erfahrung gegen nichts auf der Welt eintauschen. Auf der Bergstation angekommen wandelten wir durch eine weiße Welt direkt auf einen weißen und goldenen Tempel zu. Gegenüber stand eine mächtige vierköpfige ebenfalls goldenen Statue umringt von weißen Elefanten. Diese Goldene Spitze heißt jinding 金顶.Was soll ich sagen. Kein wunder, dass dieser Berg zu den heiligen zählt. Es ist wirklich atemberaubend bei strahlend blauem Himmel, weißem Schnee auf 3077 m Höhe diese riesigen goldschimmernden Bauwerke zu betrachten. Mindestens genauso schön war der Ausblick von hier. Auf mehreren Plattformen sahen wir einen Teil der Bergwelt Sichuans. Teilweise waberten die Wolken zwischen den Bäumen hinauf, teils wurden sie von Bergspitzen durchbrochen. Dieser Ort ist einfach mystisch und wahrscheinlich war es eine sehr gute Idee von uns ihn im Winter zu besuchen, denn der Touristenansturm hielt sich erstaunlicher Weise in Grenzen.

Auf unserem Abstieg kamen wir an einer Horde Affen vorbei. Niedlich wie sie sind kamen wir natürlich nicht so schnell an ihnen vorbei. Die kleinen putzigen Biester sind aber ziemlich gewitzt und binnen einer Minute entwendeten sie einer Chinesin die Sojamilch aus der Jackentasche, bissen ein Loch in den Flaschenboden und ließen es sich schmecken. Der Emeishan ist bekannt für seine Affen und so stehen am Rand immer Buden mit Nüssen und getrocknetem Obst um sie zu füttern. Unser weiterer Weg führte durch die grünen Wälder des Emeishan, welche zahlreiche Klöster, Schreine, Tempel und Imbissbuden beherbergten. Selbst hier im heiligen Gebirge werden Tempel beim restaurieren einfach abgerissen und mit Beton aufgetaut, was meiner Ansicht nach den Wert um einiges mindert. Wie kann man ein Kloster als 1000 jährig bezeichnen, wenn kein einziger Stein oder auch nur ein Splitter Holz aus der Vergangenheit stammen? Ich finde das richtig schade, Kultur sollte nicht einfach abgerissen, sondern geschützt werden.
Mein aufgekommener Groll legte sich allerdings schnell wieder, denn die Umgebung war einfach zu schön, um sich aufzuregen. An einer Station für Tee und chinesische Medizin legten wir eine kurze Rastpause ein und verschmausten zahlreiche Köstlichkeiten, die unsere chinesischen Freunde mitgebracht hatten. Dazu gab es hervorragenden Tee und wer wollte, konnte den hauseigenen Schnaps verkosten. Am Nachmittag neigte sich unsere Wanderung dem Ende zu. Wir warfen noch einen letzten Blick auf die Nebelschwaden, die das Tal hinaufzogen, das kleine Flüsschen, was uns die ganze Zeit murmelnd begleitete und die grünen Berge. Am liebsten wären wir noch ein paar Tage hier geblieben, um der grauen Betonwelt Shanghais zu entfliehen, aber der Tourleiter beförderte uns sanft drängend wieder in den Bus zur Heimreise.

In Chengdu kamen wir um 20 Uhr schon wieder an, verabschiedeten uns von den neu gewonnen Freunden und machten uns auf den Weg zum Bahnhof um unsere Rückfahrtickets zu kaufen. Im Hostel angekommen stieg bereits die groß angekündigte Weihnachtsparty, von überallher strömten die Backpacker herein und wir feierten gemeinsam mit den Hausschweinen und Jim, dem Besitzer des Hostels Weihnachten.

Leshan乐山 und der Riesenbuddha dafo大佛

Dienstag 23.12. 2008

Zu der unchristlichen Zeit 6.15 mussten wir angezogen an der Rezeption auf unseren Fahrer warten. Total verpennt und kaputt kletterten wir in einen Kleinbus, der der Zubringer zu einem größeren Reisebus sein sollte. Wir haben nämlich eine Zweitages-Tour zu zwei der 4 heiligen buddhistischen Berge Chinas gebucht. Mitten in der Nacht sammelte unser Minibus noch einen sehr munteren Taiwaner und ein Ehepaar aus Kunming auf. Weil es noch soooo früh war, hatte noch keiner Frühstück zu sich genommen und so hielten wir vor einem kleinen Nudelrestaurant. Diese öffnete eben erst die Türen und so musste die Frau aus Kunming hart mit dem Küchenchef verhandeln, um für alle eine Nudelsuppe mit Rindfleisch zu organisieren. Gestärkt warteten wir in der eisigen Kälte mit einer Strumpfhose und 3 Paar Socken auf den Reisebus. Kaum eingestiegen erzählte auch schon die Reiseleiterin los. Sie war bis zu unserer Ankunft an der ersten Raststätte nicht zu stoppen. Bei einer Mahlzeit in einem Sichuanrestaurant lernten wir dann auch ein paar jüngere Chinesen kennen. Ein Pärchen, das dadurch auffiel, dass der Mann eine Pandabärkuschelmütze auf hatte, ein Mädchen aus Guangdong, ein Pärchen aus Shanghai, zwei Mädchen aus Xi’an und den Rest der Reisegruppe, der aus 3 weiteren Männer, 3 weiteren Frauen und einem weiteren Ehepärchen bestanden, deren Herkunftsorte und Verwandtschaftsbeziehungen ich aber nicht mehr in Erinnerung habe, die sich aber alle rührend um uns kümmerten, spätestens dann, als sie mitbekamen, dass wir ein bisschen Chinesisch verstanden, aber noch zu wenig konnten, um die Ausführungen des Reiseleiters zu folgen. Unsere schlechten Chinesischkenntnisse führten im Bus ebenfalls zu Verwirrungen. Die Reiseleiterin, wollte, dass wir für irgendetwas 120 Yuan zahlten und fuchtelte dabei wie wild vor ihrem Gesicht herum, dann sagte sie, dass alle das bezahlen und wollte auch, dass wir an irgendeinem Programmpunkt teilnehmen. Geraten haben wir, dass es sich um eine Art Sichuanoper handelte, wie im Hostel zur Wahl stand und so schrieben wir uns dafür ein.
Unsere lustige Reisetruppe wurde bald auch zu Freunden und so scherzten wir die ganze Zeit beim Aufmarsch zum Riesenbuddha, welcher mitten in den Leshan hineingehauen wurde. Neben verschiedenen Tempeln auf der Spitze und einer alles überragenden Pagode beeindrucke mich das Grün in der Umgebung und auch das fast blaue Wasser der Gegend. Im Tempel selbst wurden die Städter wieder religiös und setzten eine Tradition fort, die ihre Eltern und Ahnen begingen, wie mir der Shanghaier erklärte. Man konnte im Tempel für 180 Yuan mindesten 1 m lange, 5 cm dicke Räucherstäbchen an diesem höchst heiligen Ort abbrennen und beten. Der Shanghaier selbst und auch die Männer zeigten sich von dieser Art der Ehrerbietung nicht begeistert und so sah man eher die Frauen zündeln. Noch ein paar Treppen höher und es war geschafft. Vor uns tat sich ein Ausblick auf den Zusammenfluss dreier Flüsse (Dadu, Minjiang und Qingyi) auf. Der Legende nach sollen hier an den Steilen Abhängen sehr viele Schiffe verunglückt und Menschen ums Leben gekommen sein. So begann der Mönch Haitong mit dem Bau der großen Buddhastatue dafo 大佛, verbunden mit der Hoffnung, dass diese Desaster ein Ende nehmen. 90 Jahre später wurde die Konstruktion abgeschlossen und tatsächlich beruhigten sich die wilden Ströme. Der Grund dafür waren, die herausgebrochenen Steine, die beim Bau ins Wasser fielen und das Flussbett flacher werden ließen.
Links und rechts von Grün umgeben bemerkten wir erst spät, dass sich zu unserer Linken der riesige Buddha befand. Jetzt gab es ein riesiges Blitzlichtgewitter, in das Alin und ich uns munter einreihten. Auf unserem Weg die durchaus steilen Betontreppen hinunter hielten wir unzählige Male an, um den Steinbuddha zu bestaunen. Vielleicht mal ein Vergleich: ich mit bin so groß wie sein Ohrläppchen bzw. wie sein Zeh. Insgesamt misst die Statue 71 m, kein Wunder, dass ich mir ziemlich mickrig am Fuß des Buddhas vorkam. Sein Kopf misst 15 m, wovon 6 m schon allein die Nase einnimmt. Seine Finger sind 8 m lang. Auf keinem einzigen meiner Fotos ist es mir gelungen diese Dimensionen einzufangen. Irgendein Körperteil fehlt immer. Um ein Komplettbild zu schießen, kann man sich in einem Schlauchboot bis vor den Buddha fahren lassen und es vom Fluss aus versuchen.

Unser weiterer Spaziergang führte uns zu einer kleinen Grotte, durch die man geht und zu Staunen beginnt. In jeder einzelnen Höhle befinden sich Reliefs, Halbreliefs und Statuen aus dem Buddhismus, die allesamt sehr detailliert sind. Tritt man wieder ins Licht so entdeckt man einen kleinen Schrein zu Beten und eine Stange, an die lauter Schnappschlösser angebracht sind. Mit lauter meine ich nicht nur 20 oder 30, nein dort hängen Hunderte. Diese Tradition gibt es schon lange und ist bei Liebespärchen sehr beliebt. Wenn man als Pärchen so ein Schloss an diesem buddhistischen Ort festschnallt und den Schlüssel gemeinsam ganz weit weg wirft wird die Liebe beschützt und ewig andauern. Ein wunderschöner Brauch meiner Meinung nach, den ich auch unbedingt mal ausprobieren will ^^

Steile Treppen stiegen wir nun hinab um uns direkt vor einer Lotusblüte ablichten zulassen, umgeben von in den Fels hineingehauenen Hallen, die allesamt einen Buddha beherbergten. Zum Abschluss erhaschten wir noch einen Blick auf einen friedlichen Buddha, der schlafend in einen Berg eingemeißelt war, wenn ich mich recht erinnere war er 176 m lang und umfasste fast den gesamten Berg. Von diesen architektonischen Eindrücken übermannt verfielen wir auf dem weiteren Weg mit dem Bus in einen leichten Schlummer.

Plötzlich wurden wir abermals geweckt. Die Reiseleiterin peitschte uns förmlich aus dem Bus. Wir müssen uns beeilen. Was war denn nur so wichtig? Wir kehrten in einem Teemuseum ein. Vor uns tat sich eine Bühne auf. Dort führte gerade ein sportlicher Kellner vor, wie man aus Kannen mit ca. 2 m langem Hals, der nur 1 cm dick war, kunstvoll Tee in winzige Schälchen eingießt, neben bei noch waghalsige Turnübungen vorführt, die Kanne um sich herumwirbelt und nicht einen Tropfen dabei vergießt. Das ganze Spektakel dauerte leider nur 5 min, denn wir waren zu spät gekommen. Schade, aber nun konnten wir wenigstens noch das Museum erkunden und stellten so einige Späßchen mit den Chinesen an.

Einen weiteren Stopp legten wir etwas später in einem kombinierten Museum ein. Hier konnten wir Holzskulpturen beobachten, die feiner und detaillierter nicht mehr sein können. Aus dem Hochwertigen Holz, von Urwaldbäumen, die im Flussbett der näheren Flüsse geborgen wurden entstanden einmalige Figuren. Dieses Holz wurde vor Millionen von Jahren im Fluss eingeschlossen und ausgewaschen, gehärtet und ist nun sehr, sehr dunkel, schwer, hart und vor allem teuer. Beliebt ist es um Möbel zu produzieren, deren Wert wahrscheinlich unsere Vorstellungen sprengen würden. So standen allein 3 ca. 5 mal 5 m große Holzschnitzereien im Museum, die je mehr als 80 Millionen US Dollar kosten. Beeindruckt von der filigranen Arbeit gingen wir zum zweiten Teil des Museums, der uns ebenfalls verblüffte. Aus tausenden kleiner Mao Buttons (Propaganda-Knöpfen) entstanden proletarische Bilder. So gab es Bilder von Mao selbst als Portrait, berühmte chinesische Landschaften, wie z.B. die Mauer oder eine Landkarte von China. Jedes einzelne trug eine Widmung in der unteren Ecke, die meistens an das chinesische Volk gerichtet war. Der Taiwaner zeigte sich nicht sonderlich begeistert, wir wussten auch nicht so recht was wir davon halten sollten, aber als die jungen Chinesen anfingen ulkige Posen unter Maos schützender Hand zu machen, gesellten wir uns in die Reihe der Fotografen.

Nach einer weiteren Strecke mit dem Bus hielten wir vor unserem Hotel an. Hier war es so kalt, dass wir alle erst mal etwas Warmes zum Abendessen brauchten. Danach hatten wir noch etwas Zeit bevor es zur Sichuanoper ging... Moment mal hieß es dann. Wir dachten, wir hätten für die Oper bezahlt. Doch eigentlich waren die 120 Yuan für die Teezeremonie während unserer Fahrt gewesen, die wir unglücklicher Weise verpassten. Nun ja, so spazierten wir eben durch die Stadt, besorgten für Alins schwaches Stimmchen chinesische Medizin, die sich als Pfefferminzbonbons herausstellte, und schauten den Chinesinnen bei ihrer abendlichen Gymnastik zu. Zurück im Hotel versuchten wir irgendwie wieder warm zu werden. Was sich als vergebliches Unterfangen bewies, denn am nächsten Morgen, waren meine Zehen und Finger blau und ich bin der festen Überzeugung, dass meine Haare gefroren waren.

Chengdu ...Teehäuser, Bambus und Hausschweine...

Montag 22.12.

Am Montag morgen brachen wir früh auf, um unseren Zug nach Chengdu, der Stadt der Teehäuser und Chili und Hauptstadt der Provinz Sichuan, zu erwischen. Chengdu hat eine über 2500 Jahre alte Geschichte und Papiergeld soll hier zum erstenmal während der Songdynastie verwendet worden sein. Von seiner langen traditionellen Geschichte konnte ich leider nur sehr wendig entdecken. Wie viele Städte in China befindet sich auch Chengdu im Wandel der Modernisierung, weswegen viele alte sehenswerte Dinge neunen Betonbauten weichen müssen. Über die 3 stündige Zugfahrt hinweg unterhielt ich mich mit einem Jungen Soldaten, der eigentlich lieber arbeiten, als seinen Wehrdienst ableisten wollte und wurde so schon einmal auf den zischelnden Sichuandialekt in Chengdu vorbereitet.
Dort angekommen warben gleich 3 verschieden Jugendherbergen um unsere Gunst und wir entschieden uns für die jenige, die angeblich die größten Betten Chinas besitzt. Davon konnten wir uns auch selbst überzeugen. Versteckt in einem kleinen Hintereingang befindet sich Jim’s Cozy Garden Hostel und hat neben 2 Kaninchen, 2 Katzen auch noch zwei braunhaarige kleine Hausschweine zu bieten. Sichuan war die Provinz, in der vergangenen Frühling das Erdbeben so gewütet hat und auch in unserem Hostel war eine Notiz neben dem Fahrstuhl angebracht, dass ein Statik Experte die Sicherheit des Hauses überprüft hatte. Trotzdem waren 2 Etagen komplett wegen Umbauarbeiten gesperrt.
Kaum eingezogen erkundeten wir auch gleich mal die „Altstadt“ von Chengdu. Diese wird nämlich gerade erst gebaut. Mittendrin erhebt sich ein Buddhistischer Tempel mit anschließender Klosterschule, in dem man wunderbar spazieren gehen kann. Gleich um die Ecke befindet sich ein bekanntes kleines Restaurant, in dem wir eine ebenfalls berühmte aber kalte Nudelspeise verkosteten. Wahrscheinlich weil wir so erfroren wirkten, holte uns ein Gast vom Nebentisch aus der Küche eine Schüssel voll mit heißem Nudelwasser, was hier zum Aufwärmen getrunken wird. Nach dieser kräftigenden Brühe ging es uns auch gleich viel besser und wir wärmten unsere Füße bei einem strammen Marsch zurück zu unserem Hostel auf. Nach dem wir unsere weitere Wochenplanung organisiert hatten, fuhren wir mit dem Bus ins Stadtinnere. Hier gibt es ebenfalls einen Renminguangchang, d.h. einen Volksplatz. Mitten im Zentrum steht noch eine gewaltige Maostatue, um dem ganzen Platz noch die politische Note zu verleihen. Dieser sieht allerdings sehr sehr künstlich aus, als ob in der Mitte 2 Ufos gelandet wären. Bevor uns die Hände einfroren kehrten wir in einem Teehaus ein. Chengdu ist nämlich bekannt für seine guten Teehäuser und so verbrachten wir ein paar gemütliche Stündchen mit leckerem Tee (empfohlen von der Kellnerin und zufällig auch der teuerste auf der Karte, aber sehr gut) und Jiaozi, chinesische Maultaschen, in dem kleinen Teehäuschen. Nebenbei schauten wir den Chinesen beim Kartenspiel zu und wurden natürlich ausgequetscht woher wir kommen. Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Abstecher in ein Irish Pub „Shamrock Irish Bar & Restaurant“ um einen letzten Absacker zu trinken und fuhren total kaputt zurück um in unseren riesigen Betten etwas Schlaf zu finden.

Freitag, 26. Dezember 2008

21.12. Dazu Shike大足石刻 Dazu Rocks

Nach einem leckeren Frühstück mit Toast, Rührei und Schinken bestiegen wir einen Reisebus, der nachdem er alle anderen Passagiere eingesammelt hatte, uns zu dem heutigen Ziel, den Dazu Rocks bringen sollte im Gebiet des Baoding Berges. Nach mehrstündiger Fahrt stiegen wir aus dem Bus aus in eine Gegend in der rötliche Erde und hügelige Landschaft dominierte und aßen erst mal Mittag. Dort lernten wir eine junge Beijingerin kennen, die auch gleich für uns übersetzte, was die chinesische Reiseleiterin erzählte. Nach einer kurzen serpentinenreichen Fahrt kamen wir an.
Wohlgemerkt fuhren wir durch mehr als ländliche Gegend, doch alles zählt immer noch zu der Metropole Chongqing, deshalb ist sie wohl auch flächenmäßig am größten. Die Dazu Rocks entstanden in der Tang und Song Dynastie und ihr Stil ist unbeeinflusst von außen, typisch chinesisch. In mehren Grotten gehen riesige meterhohe Statuen über in ganze Darstellungen von Himmel und Hölle, dem Lebensrad und viele tausende kleiner Figuren. Spürbar besser ist in dieser Landschaft auch die Luft. Umgeben vom Grün schmiegt sich eine riesige Buddhastatue liegend und schlafend in die Felswand. Sie soll den Buddha kurz vor der Erleuchtung darstellen, kurz vor dem Eintritt ins Nirvana. Sie ist 31 m lang und 5 m hoch. Besonders ansehnlich ist die Bemalung der Felsen. So haben die Figuren alle kennzeichnende Farben, die früher wahrscheinlich noch viel leuchtender waren, als heute 100 Jahre später. Neben dem Buddha steht ein Tempelgebäude in dessen inneren gerade die Statue der 1007-armigen Avalokitesvara steht, die in jeder Hand ein Auge hat, was im Buddhismus Weisheit symbolisiert. Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der dargestellten Szenen. Von Buddha über andere buddhistische Symbole bis hin zu chinesischen Helden und dem alltäglichen Leben in der Familie oder auf dem Land ist hier alles in Stein gemeißelt und fügt sich harmonisch in die extra dafür ausgewählte Bergwelt ein. Die Baoding Mountain Skulpturen wurden von 1179 bis 1249 hergestellt.

Wie sollte es auch anders sein wurden wir auf dem Rückweg wieder in eine Messervorführung geschleift. Chinesische Reisegruppen müssen so etwas ständig erdulden, denn die Reiseleiter werden oft nur auf Provision bezahlt und das Unternehmen hat bestimmte Verträge mit den verschiedensten Souvenirshops und Restaurants. Je nachdem wie viel die Touristen kaufen, erhöht sich das Gehalt des Reiseleiters. Kaufen die Touristen wenig, werden sie in noch mehr Shops geschleift, denn wenn sie gar nichts kaufen, kann es passieren, dass der Tourleiter einen Teil seiner Provision an das Reisunternehmen zurück geben muss. Die Chinesen selbst sind darüber gar nicht erfreut und es gibt regelmäßig Streitereien mit dem Leiter. Doch diesmal schien die Strategie der Messervorführer aufzugehen. Fast alle chinesischen Frauen überzeugten ihre Männer davon solche hochwertigen Messer zu kaufen und so konnten wir ohne einen weiteren Shop zu besuchen unseren Heimweg antreten.

Direkt vor dem Hostel wurden wir wieder ausgespuckt und machten uns auf die Suche nach einer sehr bekannten Fressmeile, die aussehen sollte wie ein Piratenschiff. Nachdem wir nasse Füße hatten und uns mehrmals verliefen, setzten wir uns in ein Taxi und wurden prompt an der besagten Fressmeile herausgelassen. 4 Etagen waren vollgestopft mit Restaurants und kleinen Imbissbuden, wir hatten allerdings das Pech ekelige Stärkebällchen mit irgendeiner widerlichen schwarzen Füllung zu erwischen und so suchten wir etwas später unser erstes Hot Pot Restaurant auf um den Hunger zu stillen. Die Fressmeile sieht aus, wie aus einem Zeichentrickfilm. Mit vielen Türmchen und spitzen Zacken, schillernd beleuchtet und mit Nebelschwaden und Wasserfall kann man hier seine Zeit totschlagen.

20.12.Chongqing 重庆

Der Hinweg

Als besonders ereignisreich gestaltete sich schon unser Hinweg zum Flughafen, denn wie nicht anders zu erwarten, hatten Alin und ich das Glück auf einen schon etwas betagten Taxifahrer zu treffen. Zur Sicherheit der Gäste war im Taxi nämlich ein Tempomat eingebaut, der immer laut piepte, wenn er über 80 km/h fuhr. Nicht nur, dass er alt war, nein auch seine Sehkraft war stark beschränkt. Da er wahrscheinlich nicht so oft zum Flughafen fährt musste er sich dauernd nach den Schildern umsehen. Selbst mit seiner 1 cm dicken Brille gelang es ihm nicht die Schilder zu lesen. So fuhren wir in einem Schneckentempo die leere Autobahn entlang, er gab Gas, es piepte nach 2 min, er sah ein Schild, bremste ab, blieb fast stehen und ca. 2 m vor dem Schild konnte er es dann lesen und gab wieder Gas. Auf diese Weise zuckelten wir 5 Uhr früh über die Autobahn in Richtung Flughafen und wurden dabei nicht nur von anderen Autos überholt, nein, selbst wirklich langsame Schwerlasttransporte rasten buchstäblich an uns vorbei. Nach einer guten Stunden kamen wir aber trotzdem an und hetzten zu unserem Flugzeug. Bei der Sicherheitskontrolle gelang es mir übrigens meine Ansammlung an Duschgel und Shampoo sowie ein Nagelscherenset mit in die Passagierkabine zu schmuggeln. Während Alin ihren kleinen Rucksack mit dem selben Inhalt aufgeben musste und sich halb nackelig machte, als sie bei der zweiten Sicherheitskontrolle zu piepen begann. Pünktlich schafften wir es zum Flugzeug, einer kleinen Maschine von Shanghai Airlines und lehnten uns in den Sitzen zurück. Kaum starteten wir, erlebten wir die erste Überraschung. Beim Ausblick aus dem Fenster konnten wir eine scharf abgeschnittene, weiße Dunstglocke über Shanghai feststellen. Dies war umso überraschender, als das wir die ganzen Tage glaubten blauen Himmel zu sehen. Diese riesige Smogwolke befindet sich höchstwahrscheinlich die ganze Zeit über Shanghai, man sagt ja auch, ein Jahr in Shanghai leben ist wie ein Jahrlang Kettenraucher zu sein. Trotzdem ist die Smogwolke nichts im Vergleich zu der Smogwolke des Molochs Chongqing, wohin es uns verschlagen sollte. Der Shanghaier Smog ist weiß, der Chongqinger Smog hat eine eher gelblich gräuliche Farbe und brennt spürbar in den Lungen. Als eine der dreckigsten Städte weltweit hat Chongqing auch schon einige Maßnahmen dagegen ergriffen. Beispielsweise fahren die Taxis und Busse alle mit Gas. So ein Taxi brachte uns dann auch wohlbehalten zu unserem Hostel, wo wir das Gepäck abstellten und unseren Trip durch die Stadt begannen.

Chongqing, die größte Stadt der Welt

Auf unserer Erkundungstour durch die flächenmäßig größte Stadt der Welt bestätigte sich ein chinesisches Sprichwort: Chongqing ist eine Stadt, in der keine Straße gerade ist, entweder geht es bergauf oder abwärts. Gelegen am Zusammenfluss des Yangzi mit dem Jialing besteht der Mittelpunkt der Stadt aus einer Tropfenförmigen Insel, deren Berge bis in den kleinsten Winkel bebaut wurden. Zunächst verschlug es uns in die ehemalige Alte Stadt Ciqikou 磁器口 in der sich Souvenirshop an Souvenirshop reihten und sich Häuser im typischen Baustil befanden. Dort begaben wir uns auf die Spuren der Treidler und stiegen die steilen Treppen hinab zum Fluss und an anderer Stelle wieder herauf. Es ist fast unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass die Männer und Frauen hier riesige Lasten Schultern und hier Schiffe umgeschlagen wurden nur mit Hilfe körperlicher Arbeit. Zum Mittagessen waren wir so kühn und bestellten ein scharfes Essen. Die Provinz Sichuan ist sowieso bekannt für ihre gute Küche und Chongqing für seine Speisen die mala 麻辣sind ma麻 steht für betäubend, was durch den chinesischen Blütenpfeffer hervorgerufen wird und la 辣 steht für scharf. Was wir als scharfes Hühnchen bestellt hatten, kam als riesige Pfanne mit roten und grünen Chilischoten zurück in der man das Fleisch suchen musste. Neben allen möglichen scharfmachenden Gewürzen kamen auch Hühnerfüßchen zum Vorschein und im Nachhinein stellten wir fest, das auf der Karte sogar Hund angeboten wurde. Tapfer aßen wir unsere Mahlzeit und waren über jeden Bissen Reis glücklich, der das Brennen in unserem Mund löschte. Mit roten Gesichtern stiegen wir in den nächsten Bus.
Bus fahren ist übrigens auch sehr sehr lustig. Man stellt sich einfach an den Straßenrand und wenn dann die Linie vorbeifährt, die man braucht, winkt man einfach dem Busfahrer und erfährt an den Rand. Dann steigt man ein und zahlt bei einer Frau das Busticket. Nach ca. 2 stündiger Fahrt durch alle möglichen Gassen Chongqings kamen wir im Zentrum an, das ein bisschen an die Nanjinglu erinnerte, denn alles war auf Hochglanz poliert, beleuchtet und riesige Kaufhäuser wechselten sich mit Restaurants ab. Im Mittelpunkt befand sich ein interessantes Türmchen, was glaube ich namengebend für die Einkaufsmeile Jiefangbei 解放碑war. Zu Fuß ging es zum Zusammentreffen der beiden Flüsse an die Spitze der Insel Chaotianmen 朝天门. Bunt beleuchtet waren hier die Gebäude und Schiffe. Ein Pause gönnten wir uns hier und schauten den Damen beim Tanzen zu und spazierten später die Promenade zurück zum Hotel.
Insgesamt versprüht Chongqing einen Charme, den ich einfach nicht wiederstehen kann. Mit seinen winzigen Straßen, Brücken und Bergen, den steil an die Felswand gebauten Häusern und den temperamentvollen Menschen hat mich Chongqing in seinen Bann gezogen. Bestätigen könne wir nun auch, das Chongqing die schönsten Frauen Chinas vorzuzeigen hat und außerdem seinem Ruf als Metropole getreu wird.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

shengdanjie kuaile 圣诞节快乐, Merry Christmas, Froehliche Weihnachten!

Wir sind in Chengdu angekommen und ich kann euch allen froehliche Weihnachten wuenschen aus dem Land der Mitte, der Provinz Sichuan und aus der Stadt Chengdu. Einen Grossteil des angekuendigten Programms haeben wir schon geschafft. So erlebten wir bespielsweise weisse Weihnachten auf dem Emeishan. Ich hoffe, ihr habt alle ein wunderschoenes Weihnachtsfest und verbringt die Zeit mit euren Liebsten!

Wenn wir wieder in Shanghai sind, gibt es ausfuehrlichere Berichte!
Bis bald

Sabrina

Freitag, 19. Dezember 2008

Chongqing

Ein kurzes Lebenszeichen. Alin und ich sind heil in Chongqing angekommen, haben ein Dach ueber dem Kopf und machen uns nun auf zur ersten Sightseein-Tour.

Flamenco

Heute Abend war ich das erste mal bei einer Flamenco Tanz Aufführung. Mit 2 Franzosen und einem Deutschen ging es in ein Theater mitten im Jingan-District in der Westnanjing Rd. Dort konnten wir einer sowohl atemberaubenden als auch lustigen Aufführung spanischer Flamenco Tänzer zusehen. Eine Frau und ein Mann tanzten wie wild zu dem Geklatsche von einem anderen Mann, dem Spiel zweier Gitarristen und dem Gesange eines vollbrüstigen älteren Herren. Die Tänzer ließen sich nicht lumpen und brachten das Theater zum glühen mit ihren flinken Schritten über dem Parkett.

Sehr beeindrucken und interessant, aber der Tanz ist eindeutig dazu da um sich selbst darzustellen, was den Herren auch sehr gut gelang!

Morgen früh um 4.30 steh ich auf um nach Chongqing, der flächenmäßig größten Stadt der Welt, aufzubrechen. Dort werden Alin und ich uns zu über die Weihnachtsferien hinweg aufhalten und die Gegend um den Yangzi, die Dazu Rocks und den Leshan und Emeishan erkunden. Deshalb wünsch ich schon mal allen ein fröhliches Fest, falls ich keinen Internetzugang finde!!

Liebe Grüße an alle!!

Mittwoch der chaotischste Tag bis jetzt

Nach der Universität bin ich mit meinen Eltern zum Abschied Mittagessen gegangen beim Japaner. Es gab Nudelsuppe und Spieße, Reis und alles gut gewürzt. Nach einer recht kurzen Verabschiedung, fuhr ich dann meinen Schlüssel für die neue Wohnung abholen und meine Eltern brachen auf zu ihrer Reise von Xi'an nach Tibet.
Auf dem Weg zu der Wohnung hatte ich, wie sollte es auch anders sein in der größten Zeitnot, meinen ersten Taxiunfall hier in China. 1 Meter hat gefehlt und wir hätten gestanden, doch so stupste die Nase des Taxis leicht den Jeep und ich musste das Taxi wechseln. Es ist nichts passiert, außer das mal wieder alle um uns herum gestarrt haben. Mit meinem nächsten Taxi hatte ich dann etwas mehr Glück und kam noch halbwegs pünktlich zur Schlüsselübergabe an.
Da ich nun den Wohnort wechsle muss ich mich polizeilich ummelden. Und hierbei habe ich erstmals wissentlich korrumpiert in China. Der Amerikaner, mit dem ich den Mietvertrag geschlossen habe, kennt nämlich eine Frau in der nächstgelegenen Polizeistation und so marschierten wir an der Schlang vorbei in ein Hinterzimmerchen und innerhalb von 5 min hatte ich meine neue Aufenthaltsgenehmigung, ohne auch nur etwas anderes zeigen zu müssen, als den Reisepass. Überrascht hat mich dies, erstens weil ein Ausländer Zugang zu den internen Beziehungen der Polizei hat und zweitens hatte ich mich schon auf einen großen Papierkrieg eingestellt und war doch etwas enttäuscht aber auch erleichtert, dass mir der Vorgeschmack auf chinesische Bürokratie erspart blieb.

Zurück in der Tongji Universität begannen die Vorbereitungen für eine kleine Weihnachtsfeier für unsere Sprachpartner. Das gute Weihnachtsgebäck von Alins und meiner Mutti kam zum Einsatz, genauso wie der ebenfalls von Alin importierte Plastikweihnachtsbaum mit echten Kerzen und kleinen Kugeln! Insgesamt gab es eine Fressorgie (anders kann man es einfach nicht beschreiben) bei der wir Stollen, Plätzchen, Pfefferkuchen, deutsche Schokolade, Spekulatius und Zimtsterne verspeisten. Das ganze dauerte mindestens 3 Stunden und hinterher waren alle mindestens so kugelrunde, wie der Bauch des Weihnachtsmanns.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Xujiahui und Südshanghai徐汇区

Heute hab ich meine Eltern und Jens zu dem von mir schon begutachteten Longhua – Tempel龙华寺und zum Märtyrerdenkmal龙华烈士陵园nach Südshanghai geschickt. Dort bin ich dann am frühen Nachmittag zu ihnen gestoßen und die Besichtigungstour ging weiter. Wir haben uns auf den Weg ins Technologiezentrum von Shanghai gemacht, allerdings besichtigten wir dann eine alte katholische Kathedrale, die nach einem chinesischen Missionar benannt wurde. Ja auch in China versuchten die Christen ihren Glauben zu bleiben und haben es sogar bis zum damaligen Kaiserhof geschafft. Jedoch nur im Bereich der Astrologie, in denen die Europäer den Chinesen um eine Nasenlänge voraus waren. So übernahm man das Astronomische System, aber das Christentum wurde niemals zum Staatglauben erhoben.
Danach kreisten wir ungefähr 4 mal um den selben Fleck herum ohne die alte und berühmte Bibliotheca Zi-Ka-Wei徐家汇藏书楼zu sehen. Kein Wunder....Ein falsches Foto, ein Stadtplan ohne Straße und riesige neue Wolkenkratzer, die die kleine Bibliothek verschlucken. In einer Nische zwischen beiden Hochhäusern fanden wir dann ein dreistöckiges Gebäude, was die hoch gepriesene Bibliothek darstellen sollte. Leider konnten wir nur eine Gemäldeausstellung besichtigen und einen kurzen Blick auf einen der alten Lesesäle erhaschen, bevor wir vom Personal erwischt wurden und sanft wieder herausgedrängt wurden, da wir nicht im Besitz eines Mitgliedsausweises waren.
Nach diesem etwas ärgerlichen Ereignis ging es ab zum Stoffmarkt, bei dem sich unsere Wege trennten. Meine Mutti und ich streiften durch die rieseigen Stoffballen und für meine Mutti sprang dabei ein hübscher kleiner Kurzmantel heraus, den wir in der übernächsten Woche abholen, wenn wir ale wieder von unseren Reisen zurück sind. Papa und Jens sind derweilen durch die Gassen der, sich neben dem Stoffmarkt befindenden, alten Stadt gelaufen und haben Federvieh und andere Dinge beobachtet. Danach ging es ab zum Abendbrot bei einem richtig guten vietnamesischen Restaurant: Aniseed (Sternanis da hui xiang 大茴香)! Dort haben wir gespeist wie die Götter in Frankreich und auch der kleine Stau im Voraus ist dadurch wieder wettgemacht. So zartes Fleisch habe ich wirklich noch nie in meinem Leben gegessen!
Am Abend schlenderten wir nochmals durch die riesige Shoppingmall Wujiaochang in der Nähe des Hotels und ich zeigte meinen Eltern und Jens die Welt des chinesischen Konsums, in dem kleine Kinder komplett in Pinke Barbiekleider gehüllt werden können und von einem Spielzeugladen in den nächsten stürzen.

Montag, 15. Dezember 2008

Stadtteil Hongkou 虹口

Heute hab ich meine Eltern in diesen Teil Shanghais geschickt, das ist der Abschnitt in der der unten beschriebene Luxun – Park鲁迅公园liegt. In der Literatenstraße bin ich pünktlich zum Mittagessen zu ihnen gestoßen und hab ihnen mal die kulinarischen Spezialitäten Koreas näher gebracht. Nach viel Gelächter und kaum einen Bissen von den leckeren Gerichten hab ich dann doch noch Besteck nachbeordert und dann ging das große Festessen los. Vor uns wurde live gegrillt und wir hatten einen Tisch voller scharfer saurer Speisen, dass die Beine fast barsten! Jens hat sich auch mal an das Qingdao Pijiu gewagt, das Bier, was in Qingdao nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Besonders beeindruckt waren die beiden Männer von der Größe der 0,6 Liter Falschen. Gut gestärkt ging es dann auf zu dem ehemaligen jüdischen Ghetto Shanghais mit einer bekannten Synagoge, die heute als Museum dient und nicht mehr zur Ausübung des Glaubens genutzt wird. Doch bevor wir an der Ohel Moishe Synagoge摩西会堂ankamen war es ein etwas längerer Weg... Mein Papa hatte in einem Anflug von Kühnheit dem Taxifahrer gesagt an welcher Straße er halten soll... Nun ja einige Parallelstraßen weiter befand sich unser Ziel dann auch. Bis dorthin schlenderten wir durch das in Backsteinen erbaute Viertel. In dem Museum selbst waren wir die einzigen Gäste und bekamen eine Privatführung auf einem chinesisch-englisch Mix, den ich dann versuchte halbwegs korrekt zu übersetzen. Danach erkundeten wir den Stadtteil weiter und gingen vorbei an kleinen Läden, Werkstätten, Gässchen und einem Park. Besonders begeistert hatte uns ein Markt. Typisch chinesisch war hier alles sehr frisch und lebendig, krabbelte, zappelte, wabbelte und sah ungewöhnlich anders aus. Neben den verschiedensten Gewürzen in allen Farben standen riesige Gemüsestände mit x-Arten von Zucchini und Gurke. Fleischstand reihte sich an Fleischstand und meinem Vater lief schon wieder das Wasser im mund zusammen. Auch der Anblick von Entenköpfen und lebenden Krabben und Hühnerfüßen konnten den Mund nicht trockenen. So beschlossen wir nach einem geruchsintensiven Abstecher in die Fischabteilung ein anderes Restaurant aufzusuchen.
Das Taxi spuckte uns dann in einer komplett neuen Welt aus. Am Wujiaochang, einem riesigen Platz mit 5 Shoppingmalls, an dem sich 5 Straßen treffen. Hier aßen wir in einem Restaurant typische Chinesische Küche und danach spazierten wir zurück zum Hotel.

Heute war ein Tag der vielen Eindrücke, denn neben den alten Bauten und verfallenen Häusern haben wir die überall gegenwärtige Konsumwelt Shanghais kennen gelernt. Heute haben sich Arm und Reich, Dreck und Sauberkeit, Kultur und Konsum die Klinke in die Hand gegeben und ein für Shanghai wirklich typisches Bild gezeichnet.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Meine Eltern und Jens - auf nach Shanghai

Juchu, meine Eltern und Jens kommen zu Besuch!!!!!
Ganz früh bin ich heute aufgestanden um noch den letzten feinschliff für den Besuch meiner Eltern vorzunehmen, also noch mal putzen, aufräumen, die Pläne ausdrucken, die auf stolze 60 Seiten kommen und mich mental auf ein Wiedersehen einstellen. Ganz ehrlich konnte ich den Tag davor kaum still halten und bin nur sehr schlecht eingeschlafen. Zum einen war ich sehr aufgekratzt vor Freude meine Lieben wieder zu sehen, zum anderen mache ich mir doch auch ein wenig Sorgen um sie in so einer riesigen, fremden Metropole ohne auch nur den hauch von Chinesischkenntnissen und nur gebrochenem Englisch!
Aber egal. Um 11.20 klingelte mein Handy und mein Papa war dran. Alle sind wohlbehalten nach einem Flug mit wenig Schlaf im Hotel angekommen und warten darauf, dass ich sie abhole! Also schnappte ich mir mein Zeug und meinen neuen (ich muss mal angeben) Backpack-Rucksack zum Bus gezogen und zum Hotel gefahren, das ca. 10 Fahrminuten entfernt liegt. Dort bog ich in die Lobby ein und sah gleich meinen Onkel auf dem Sofa sitzend und bin erst mal auf ihn zugestürmt um ihm noch sein Geburtstagsgeschenk zu geben...ein kleines Stück chinesisch Buttercreme-Torte aus einer chinesischen Konditoreikette. Dann kamen auch schon meine Eltern aus dem Fahrstuhl gestürmt und nach einer dicken Umarmung durfte ich die mitgebrachten Schätze auf dem Hotelzimmer begutachten! Darunter befinden sich z.B. selbstgebackene Plätzchen aus Schokolade von meiner Mutti, viel Weihnachtsschokolade (der Weihnachtsmann war leider etwas mitgenommen vom Flug), Lebkuchen, einen echten Dresdner Christstollen, Geschenke für die Sprachpartner, Bücher und typische Dinge, die ein Mädchen zum überleben braucht! Nicht zu vergessen das Weihnachtsgeschenk von Oma, was aber noch bis zum Festtag verschlossen bleibt – versprochen! Mit samt den ganzen Sachen ging es dann mein Studentenzimmer begutachten und abladen. Danach kam die erste Härteprüfung für meine Verwandtschaft.
Der Besuch beim Uiguren – meinem Lieblingsnudelrestaurant – entpuppte sich als sehr heimtückisch. Zum Glück saßen wir im Hinterzimmer, denn schon allein dort schafften wir es genügend Chinesen zu unterhalten. Es war das erste Mal das meine Eltern und Jens Stäbchen benutzten. Um so lustiger war es, dass sie sich extra für diesen Fall Besteck mitgenommen hatten, was nun aber alleingelassen im Hotelzimmer lag und noch auf seinen Einsatz wartet.
So versuchte ich mein Bestes mit meinen auch nicht perfekten Fähigkeiten ihnen beizubringen, wie man die Stäbchen hält, ohne einen Krampf im ganzen Arm zu bekommen. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen wie schwer es ist überhaupt erst mal zwei Stäbchen parallel in der hand zu halten und die Spitzen aufeinander zu führen.
Das Ende des Liedes war: Mein Papa, wie sollte es auch anders sein, kam ganz gut klar, wie immer wenn es ums Essen geht, Onkel Jens hat einen starken Willen besessen und es bis zur letzten Nudel versucht. Auch Mutti hat gekämpft, aber irgendwann, nachdem wir schon fast fertig waren, hat sie dann zum Suppenlöffel gegriffen um auch noch satt zu werden.
Gut genährt machten wir noch einen kurzen Spaziergang über den Campus und wurden noch mehr angestarrt als sonst, sieht ja auch lustig aus so eine deutsche Familie. Danach ging es ab zum Bund wo wir den Abend ausklingen ließen bei einem Bummel über die Promenade und einem Tee, Bier und Kaffee im Restaurant mit Blick auf Pudong.
Jetzt liegen alle friedlich in ihrem Bettchen und schnarchen hoffentlich nicht zu laut vor sich hin. Und ich.... bin total glücklich meine Eltern nach so langer Zeit wieder ärgern zu können!

Wohnungssuche

Die darauf folgende Woche verbrachte ich damit Reiseführer zu durchforsten und den Plan für meine Eltern und Onkel Jens zusammenzustellen (der eigentlich ein Überraschungsgast sein sollte, aber meine Eltern haben sich bereits vorher verplappert und so wusste ich auch, dass er mit von der Partie ist ^^). Nebenbei bin ich auf Wohnungssuche für mein Praktikum und war gestern am Samstag den 13. 12. endlich auch mal erfolgreich. Nachdem die ersten beiden Wohnungen im Zimmer nicht mal die einfachen 3 Dinge wie Kleiderschrank, Bett und Schreibtisch bieten konnten, weit weg von meiner Praktikumsfirma waren und zu dem nicht gerade billig, habe ich im Internet einen wahren Schatz gefunden.
In der besagten Wohnung wohnen auch noch Amerikaner, Inder und Deutsche(alles Männer, aber zu Beginn nächsten Jahres ziehen die Deutschen aus). Bei der Fahrt zur Besichtigung erblickte ich voller Erstaunen das Gebäude, in dem die Firma sitzt bei der im Februar zu arbeiten beginne. Keine 5 min später biegt das Taxi in einen Komplex, der mir auch bekannt vorkommt – irgendwie. Es war der Komplex, in dem die Tante meiner Sprachpartnerin wohnt. Am Eingang wurde ich dann von David, einem Amerikaner abgeholt und sofort in die Wohnung geführt. Alles sehr sauber, Parkett Boden, Wohnzimmer, Esszimmer, 2 Badezimmer, Balkon mit Grill, mehrere Schlafzimmer, Küche und das alles auf 2 Etagen. Das alles bekomme ich ab Januar ab 2300 Yuan plus 250 Yuan Nebenkosten mitten in Pudong und nur 10 Gehminuten von meinem Praktikumsbetrieb. Ein besseres Angebot habe ich bis jetzt nicht gehabt. Also machte ich gleich Nägel mit Köpfen und wickelte die Männer um den Finger, sodass ich jetzt eine Wohnung für das kommende Praxissemester sicher habe!

Zwar wird der Dezember jetzt ganz schön stressig mit Ummelden und einziehen und Besuch aber aufregender geht es wohl glaube ich auch nicht!