Samstag, 4. Oktober 2008

Französische Konzession

Mittwoch 01.10.2008, Die Französische Konzession.

Am späten Vormittag zogen Alin und ich aus, die Spuren vergangener Kolonialzeiten in Shanghai zu erkunden. Neben den Amerikanern, Engländern und Deutschen, erhoben auch die Franzosen Anspruch auf Teile von China. So kann man heute noch in Shanghai die Überbleibsel Französischer Kolonialbauten sehen. Mit der U-Bahn ist das ganz leicht zu erreichen. Man wird am Anfang der Huaihai Straße rausgedrängt, einer modernen Straße mit vielen teuren Kleiderläden, Juwelieren und Uhren. Durch die Heerschar von Touristen und der unzähligen Geschäfte ist Alin und mir zunächst gar nicht aufgefallen, dass wir uns bereits in der französischen Konzession befinden. Überwältigt von den wunderschönen Brautmodengeschäften, die sich aneinander reihen und mit Ballkleidern werben, hätten wir doch fast nicht bemerkt, dass es außer Konsum in dieser Straße auch noch europäische Architektur gibt. Zwischen den unzähligen Konsummeilen schlängelte sich ein kleines Baozi und Jiaozi-Restaurant entlang. Natürlich konnten Alin und ich da nicht widerstehen und bestellten eine Art Blätterteigtasche mit Gemüsefüllung ein Baozi mit gebratener Reisfüllung, was so ähnlich wie Rissotto geschmeckt hat.

Gut gestärkt begutachteten wir die Baukunst des Viertels. Doch auch hier ist der Baustil komplett anders, als ich mir es vorgestellt habe. Von riesigen Villen mit hübschen Vorgärten ist wenig zu sehen. Biegt man in die Seitengassen, bemerkt man, dass die Villen zwar hübsch sind, doch eher an Arbeiterwohnungen erinnern. Zudem kommt, dass die meisten Gebäude gerade überholt werden. Auf dem Weg durch die französische Konzession besichtigten wir die Residenz von Sun Yatsen, der sowohl in der VR China, als auch auf Taiwan, als Gründer der Republik gefeiert wird. Zum Herrenhaus ist eigentlich nur zu sagen, dass es typisch europäisch protzig gebaut und ausgestattet wurde. Dunkle Möbel, dunkler Boden, schwere Stoffe und jede Menge Bücher. Das Museum war sehr interessant, aber etwas klein.

Nach so viel Kultur gönnten wir uns einen Ausflug in den benachbarten Fuxingpark, indem Trommler und Geiger spielten, die Männer ihre selbstgebastelten Drachen segeln lassen und sogar das Betreten vom Rasen erlaubt ist. Ein Familienparadies schlechthin, allerdings, sollte man sich etwas mehr Geld in die Tasche stecken, denn im Park haben die Kinder die Möglichkeit Autoscooter und Karussell zufahren. Gleich daneben spielen die alten Shanghaier chinesisches Schach, Majong oder Karten. Der Park ist zwar klein, aber dafür sehr gemütlich.

Auf dem Rückweg kamen wir sogar an einem richtigen kleinen Markt für Trockenobst, Tee und Getränke vorbei. Gleich mischten wir uns in das Getümmel und mussten feststellen, dass Chinesen bei Kostproben genauso beherzt zugreifen wie die Deutschen! Nach dem wir dann doch mehr Ellenbogenhiebe und Fußtritte abbekamen, gaben wir den Versuch auf etwas zu kaufen und machten uns auf den Heimweg.

Freitag, 3. Oktober 2008

Alin hat Geburtstag!!

Dienstag, ein Tag voller Überraschungen!

Heute hat Alin Geburtstag!!! Gleich am Morgen gab’s ein Ständchen von der Zwickauer Gemeinschaft im Wohnheim: 祝你生日快乐,祝你生日快乐,祝你生日快乐,祝你生日快乐。Was soviel heißt wie: Zum Geburtstag viel Glück! Danach wollte ich mit Alin den Vormittag mit ein wenig Shopping verbringen. Kaum 5 Minuten im Bus, klingelt mein Handy. Monika, die chinesische Sprachpartnerin, lädt Alin und mich ein, ihre Familie kennen zu lernen und zwar um 9.40 Uhr. Nur gut, dass es schon 9.00 Uhr war. Schnell suchten wir in der Shoppingmall noch ein geeignetes Geschenk aus und Alin bekam nach 4 wöchiger Brotentziehung endlich einmal ein Körnerbrötchen spendiert. Ihr glaub gar nicht wie gut es tut, nach so langer Zeit in ungesüßten Sauerteig zu beißen!!! In aller Eile begaben wir uns nun zurück und machten uns auf den Weg zu Monika.

Dort angekommen, eilten uns schon ihre Eltern entgegen. Auf dem ersten Blick, wusste ich, dass die beiden genauso liebe Menschen sind, wie Monika. Sehr aufmerksam, lustig und intelligent, beide um die 50 Jahre. Monika kommt aus der Provinz Anhui. Das ist eine der ärmeren Provinzen Chinas, nordwestlich von Shanghai. Von dort kommen angeblich die ganzen Kindermädchen in Shanghai. Nun dachten wir, gut bereiten wir zusammen das Mittagessen vor. Falsch gedacht. Die ganze Gruppe begab sich nun auf den Weg nach Pudong, um zu Monikas Tante zu fahren. Mit Bus und U-Bahn und ein wenig laufen, standen wir dann vor einem neuen Hochhauskomplex in einem der nobelsten Wohnviertel Shanghais.

Das die Leute dort Geld haben spürt man schon, wenn man an den gestriegelten Pförtnern vorbeischleicht, die einen gleich anhalten und ausfragen, wohin man wolle. Gleich am Eingang trafen Monikas anderen Onkel und seine junge Freundin, die gerade auf dem Weg sind, die Reservierung im Restaurant vor zu nehmen. Nachdem wir das richtige Gebäude gefunden hatten, fuhren wir mit einem Fahrstuhl in den 6. Stock um schon freudig von der gesamten Familie empfangen zu werden. Mit ganzer Familie meine ich Oma und Omas Bruder, drei Onkels und Tanten sowie ein Baby und ein Cousin. Sehr interessant war auch die Wohnung der Tante, an dieser Stelle sollte ich vielleicht auch das Wort „reich“ fallen lassen. Alles hypermodern eingerichtet und bis in kleinste Detail durchgeplant, sehr hell und freundlich, aber auch einwenig steril, so sauber wie es ist. Ok, vielleicht habe ich bereits andere Sauberkeitsvorstellung übernommen, seit ich unser Wohnheim kenne. Nachdem wir das Baby bespaßt hatten und uns vorstellten, brachen wir auch schon wieder auf zum Restaurant.

Der Onkel, wie sollte es auch anders sein, fuhr natürlich eine riesige schwarze Limousine der in China beliebten Marke Audi. Zum Glück bat Audi große Autos, denn wir quetschten uns zu 4 hinten auf die Rückbank und stürzten in den Verkehr der Großstadt. Unser Ziel, das Restaurant stellte sich auch bald als Luxusdelikatessenrestaurant heraus. Den ersten Schock bekamen wir schon beim hineingehen. Wir ließen uns, in der extra für uns reservierte VIP – Lounge, nieder, einem abgetrennten Raum vom Rest des Restaurants mit riesigem runden Tisch. Im Nachhinein, war es wahrscheinlich gut, dass wir so abgeschottet vom Rest der Welt dasaßen (unsere Stäbchenkünste lassen nämlich noch zu wünschen übrig). Wenn man die schweren Samtvorhänge vor dem extra abgedunkelten Fenster hochhob, sah man direkt den Huangpu-Fluss. Alles war sehr klassisch chinesisch gehalten mit schweren Möbeln und Dunklen Farben. Auf dem Tisch erspähten wir goldene Löffelchen und verschiedenste Schüsselchen, Stäbchen und alles perfekt protzig, wie es das chinesische Statusverständnis vorschreibt.

Für uns Kulturstudenten war vor allem interessant zu sehen, wie die Platzverteilung einherging. Denn in China spielen Rang, Alter und Position der Personen bei der Platzwahl eine wesentlich höhere Bedeutung als in Deutschland. Das Familienoberhaupt, also die Oma, und der Gastgeber, die Tante, saßen am runden Tisch gegenüber des Einganges, damit sie immer beobachten konnten, wer wann wo wie hinausgeht. Die Kinder setzten sich dem Alter entsprechend zur Rechten und Linken der beiden. Wir Gäste saßen auch links. Den unbeliebtesten Platz, der der am wenigsten bedeutenden Persönlichkeit, erhielt die Freundin des jüngsten Onkels. Sie saß mit dem Rücken zum Eingang. Bis alles zur Zufriedenheit arrangiert war, setzten sich alle bestimmt 3 mal um.

Dann ging es aber ans schlemmen, und wie wir schlemmten!!! Es gab Rindfleisch, Garnelen, verschiedene Sojagerichte, verschiedenes Gemüse, von dem selbst die Gastgeber nicht wussten was es war, Fischsuppe, Nudelsuppe, Scharfes, Süßes, Saures und als i-Tüpfelchen, probierte ich das erste mal in meinem Leben Froschschenkel. Jetzt kann ich sagen, sie schmecken sehr lecker, wie ein Mischung aus fisch und Fleisch und sehr zart.

Da ich mit einem kleinen Wink mit dem ZaunsPfahl Monika daraufhingewiesen habe, dass Alin Geburtstag hatte, bekam Alin zum Nachtische eine riesige Schokoladentorte als Geschenk von Monikas Eltern. Diese war so groß, dass die gesamte Familie daran mithalf, sie zu verputzen, aber trotzdem viel übrig blieb. Die Tort hatte sogar Alins deutschen und chinesischen Namen eingraviert. Nach dem auspusten der Kerzen sangen alle noch mal gemeinsam für Alin Happy Birthday to you. So ging das Fest mit einer Überraschung für das Geburtstagskind zu Ende.

Am Abend ging es auch gleich weiter mit dem feiern. Mit Karolin und Romana ging es dann zum Bund. Dort bewunderten wir die Skyline von Pudong in einem kleinen Restaurant, dass mehrere Stöcke und eine Terrasse besaß. Der einzige Haken an dem Restaurant- es hatte westliche Preise, so zahlten wir für 2 Getränke und einen kleinen Snack im Durchschnitt 14 Euro pro Person. Für euch mag dass jetzt vielleicht billig erscheinen, aber für Essen ist das in China schon fast unverschämt teuer. Aber egal, den schönen Tag ließen wir mit einem schönen Weiberabend ausklingen und schmiedeten schon Pläne für die nächste Woche.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Longhuasi - Tempel

Longhuasi - Montag

Unser erster Ferientag hat begonnen und wir starteten auch gleich unsere Shanghaibesichtigungstour. Mit der Bahn fuhren wir ungefähr 1,5 Stunden in den Süden Shanghais in den Stadtteil Longhua. Auf dem Weg zu unserem Ziel kamen wir an einem Markt vorüber in mitten einer alten chinesischen Shoppingmeile. Dort beäugten wir einen Stand mit Trockenobst und Süßigkeiten etwas genauer. Eine Art hellbraunes Blättchen erweckte unsere Aufmerksamkeit. Nachdem der Händler unsere Stielaugen bemerkte, bot er uns eine Kostprobe an. Gefasst getrocknetes Fleisch zu schmecken, entfaltete sich auf unserer Zunge die Süße von Karamell, Krokant und Erdnussbutter. Mmmmhhh lecker. Alin kaufte dann auch gleich eine ganze Packung, durch die wir uns an diesem Vormittag durchfutterten.

Gegenüber des Marktes befindet sich eine Pagode und dahinter unser Ziel der Longhuasi –auf deutsch- der Drachenblumen-Tempel. Wenn man ihn mit den bisherigen Tempeln vergleicht, ist er mittelgroß, dadurch, dass wir aber an einem Ferientag dort waren doppelt so voll und quirlig wie die anderen. Außerdem entspricht er dem Bild der geschäftigen Shanghaier mehr als der Jingantempel. Selbst hier rennen nämlich die Mönche mit Handys herum. Die schicken Shanghaier Damen knien sich sogar mit ihren weißen Hosen zum Beten nieder. Mit Der beliebteste Sport im Tempel ist, das Münzenwerfen in den Brunnen und das um-die-Wette-Räucherstäbchen-abbrennen. Diese kann man sowohl außerhalb als auch im Tempel an sich kaufen. Man brennt allerdings nicht nur ein einziges Räucherstäbchen ab, nein, mindestens ein Bünde von 50 Stück wird entzündet. Die Luft im Tempelgelände war also nicht stickig vom Smog der Autos, sondern vom Räucherwerk der vielen Chinesen, was sich bald an den überfüllten Aschenkübeln bemerkbar machte. Neben den Handelsüblichen Räucherstäbchen gibt es auch riesige goldene Kugeln, die aussehen wie Tannenzapfen. Die gibt es in unterschiedlichen Größen, die gewaltigste maß ungefähr eine Wassermelone! Die wird dann munter flockig mit den Räucherstäbchen zusammen abgebrannt. In den Tempelhallen an sich, darf natürlich nichts Brennendes gelangen. Um dennoch für das eigene Glück zu beten, füttern die Chinesen die Buddhastatuen mit Essen. So fanden wir dort neben den Obstkörben auch Mettwürste, gefälschte Orio-Kekse und jede Menge Kunstblumen. (Beim Hinausgehen entdeckten wir dann auch den Schredder für die Papierblumen) Im Tempel konnte man auch rote Bänder erwerben, auf die man seine Wünsche, Gebete und ähnliches schreiben kann und dann an die dafür vorgesehenen Stellen im Tempel knotet. Sieht sehr hübsch aus, wenn sie im Wind wehen. Interessant zu sehen war, dass die Menschen im Tempel alt und jung, reich und arm, gleichermaßen ihren Glauben ausübten. Ob nun die alte Omi oder der tüchtig Geschäftsmann, kleine Rocker oder feine Damen, Familien oder Singles, alle ließen es sich nicht nehmen für ihr Wohl, dass Wohl ihrer Familie und Ahnen zu beten.

Dienstag, 30. September 2008

Beijing...lieber doch nicht!

Unser Wochenende,
hat eigentlich gar nicht existiert. Da am 1.10. der chinesische Nationalfeiertag zur Gründung der Volksrepublik China gefeiert wird, haben wir theoretisch 3 Tage lang frei. Für die Chinesen sind diese Feiertage sehr wichtig, sowohl aus Nationalstolz als auch durch die Möglichkeit zu reisen. Im Laufe des Unterrichts, hat dann auch unser Kurs davon erfahren, dass wir die komplette Woche frei haben, dafür aber Samstag und Sonntag in die Uni gehen müssen. Gesagt getan. Zu unchristlichen Zeiten quälten wir uns dann Samstag und Sonntag aus dem Bett, um den Stoff für Montag und Dienstag eingetrichtert zu bekommen. Was tun, mit so einem angebrochenem Tag? Natürlich die Reiseplanung für die nächste Woche schmieden. Wohin soll es gehen? Mit Dominique und Vermie nach Beijing, wohin denn sonst, schließlich ist eine Woche lang, man kann viel besichtigen und unsere Kommilitonen in Beijing besuchen. So bekamen wir dann auch günstige Tickets für 12,60 Euro für Beijing. Nur hatten wir nicht wie gewollt welche für Sonntagnacht im Schlafwagen bekommen, sondern Hartsitze für Dienstag, wobei wir nicht wussten wie lange unsere Reise dauern sollte. Rücktickets konnten wir gleich gar nicht erwerben. Nun nachdem ich dann meine kundigen Sprachpartner befragt habe, wurde uns klar, dass wir über 24 Stunden ab früh um 4 Uhr in einem Zug mit tausenden anderen Chinesen sitzen würden, auf einer Fahrt hin zur Hauptstadt des Landes, die in diesen tTgen drei mal mehr Besucher zählen wird, wie gewöhnlich. War das so schlau?

Nach längerem Hin und Her, grausamen Berichten über Reisen in der „goldenen Woche“ und Versuchen die Tickets umzutauschen auf einen schnelleren Zug (Hier ließ sich nur das Datum ändern) bzw. einem Schwarzhändler zu verkaufen (was am Hauptbahnhof unmöglich war, da es vor Polizei nur so gewimmelt hat), gaben wir uns zunächst geschlagen. Doch mit unserer charmanten Art gelang es uns zurück im Wohnheim, die Tickets an zwei mutigere deutsche Kommilitonen zu verhökern, die das Abenteuer auf sich nehmen wollten. Stattdessen beschlossen wir gar nicht zu verreisen, sondern Shanghais Sehenswürdigkeiten auszukosten.
Eine weitere Idee, die wir in die Tat umsetzten, war das Vorhaben Visitenkarten drucken zu lassen. Mit diesen wollen wir dann zu Jobmessen und anderen Veranstaltungen auftreten und uns prinzipiellen Praktikumsfirmen vorstellen. Für 120 Stück, habe ich 4 Euro bezahlt für zusätzliche 2 Euro bin ich nun auch im Besitz einer Visitenkartenaufbewahrungsbox, einer Visitenkartenpräsentierbox und eines Visitenkartensammelheftes. Es fühlt sich irgendwie seltsam an seine eigenen Namenskärtchen designen zu lassen und dann mit sich rumzutragen. Hoffentlich bringt es was.

Meine Universität

Die Tongji Universität hat mehrere Campi. Der mit Deutschen und Ausländern wohl am höchsten frequentierte ist allerdings der Sipinglu Campus, auf dem ich wohne und studiere. Im Moment befindet sich dieser Campus in Renovierung. Überall wird gebaut und geackert, die Gebäude sehen von außen alt aus, sind innen aber schon sehr neu. Zudem fällt auch auf, wofür die Hochschule Geld ausgibt. Beispielsweise sind die Gebäude für Architektur und Design komplett neu renoviert, wohingegen das Sprachinstitut nicht sonderlich in der Gunst der Geldgeber liegt, was sich am Gebäude deutlich widerspiegelt.

Hier zu sehen ist unser hypermodernes Wohnheim. Hinter dem verspiegelten Glas verbirgt sich die Ausländermensa, die im gegensatz zur großen Mensa eher fade schmeckt und kulinarisch nicht gerade glänzt. Darüber befindet sich ein Restaurant, was vor allem von den Professoren genutzt wird. Das etwas gräulich verputzte Gebäude ist das Ausländerwohnheim. Das unterhalb der Fensterbänke sind die Lüftungen für die Klimaanlage. Erinnert ein wenig an Zwickau Eckersbach, verfügt aber über 12 Stockwerke und einen Fahrstuhl. Unser Zimmer ist ganz obendas 2. von rechts, wenn man ab dem hervorstehenden Teil zählt. Und ja, es ist aucheines der wärmsten Zimmer. Alle, selbst die Chinesen, die uns besuchen kommen beginnen binnen Minuten zu schwitzen. Aber Sauna soll ja gesund sein!

Richtig toll ist das Herz der Uni, nämlich die Bibliothek mit 9 Stöcken, uns sehr vielen Lesesäen, einem Technikzentrum und tausenden von Büchern für jede Fachrichtung. Trotz der Größe finden nicht alle Studenten der Tongji einen Platz zum streben, aber mit guten Kontakten wird einem schon ein Sitz freigehalten. Sonst muss man eben einfach ein bisschen länger suchen. Im Gegensatz zu den deutschen Unis wird die Bibliothek nicht nur besucht, sondern auch mal benutzt und das von tausenden Studenten gleichzeitig. Denn in China ist man ohne hohen Bildungsabschluss nichts. Und so lernen tagtäglich die Tongji-Studenten fleißig ihren Stoff, wie kleine Bienen. Ich hoffe, der Funke springt auch auf mich irgendwann einmal über!

Was mir persönlich sehr gut an der Tongji gefällt, sind die zahlreichen Gartenanlagen und Erholungsnischen. Es gibt so manch einen Pavillon, der versteckt hinter dichten Bambushainen zum ausruhen vom Lernstress geeignet ist. Doch schaut euch am besten selbst ein paar Fotos an. Zu sehen ist zwar nicht alles, aber so gutes Wetter hatten wir lange nicht mehr. Fortsetzung folgt.

Mein Tagesablauf!

Huhu, eine ganz dicke Entschuldigung dafür, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Man mag es kaum glauben, aber ich habe jetzt die Phase in meinem Studium erreicht, in der ich nicht nur Sightseeing betreibe, sondern in der ich sogar richtig pauke!

Nun will ich euch aber nicht jeden Tag schreiben wie mein Unterricht aussieht. Dazu sei nur soviel gesagt, dass ich um 6 Uhr aufstehe, mich hübsch mache, frühstücke, Zeichen wiederhole und um 8 Uhr zur Schule aufbreche. 12 Uhr gibt es dann Mittag in der Mensa, dass ich zumeist mit einen meiner Sprachpartner, aber am häufigsten mit Monika verbringe. Danach üben wir meistens miteinander oder erledigen Dinge des alltäglichen Bedarfs, bis ich dann ca. um 18 Uhr zu unserem Supermarkt auf dem Campus gehe und mich bei meinem Lieblingsobsthändler mit leckeren Miniwassermelonen und anderen Leckereien eindecke. Die Kekse in China sind ja sooooo lecker! Aber es gibt keine Schokolade, die kann man nur teuer im Carrefour oder Metro erwerben. Langsam bekomme ich auch den Kaffeeentzug hier zu spüren. Da ich nicht beim Starbucks für einen winzigkleinen Esspresso 4 Euro hinblättern will und mir die kalten Milchkaffeeflaschen aus dem Supermarkt nicht schmecken, bin ich kronisch koffeeinlos. Dafür besitze ich mittlerweile eine eigene Teekanne und Grünen Tee. Aber zum Thema Essen und trinken gibt es später nochmals genauere berichte.

20 Uhr bin ich dann entweder mit Frank oder Alin zum Joggen auf dem Sportplatz verabredet. Unser Sportplatz besteht aus mereren Basketballfeldern und einem großen fußballplatz sowie einer Reihe von trungeräten als da wären: Ringe, Kletterstange, Sprossenwand, Reck, und Barren. Unsere abendliche rund führt uns um den stark beanspruchten Kunstrasenplatz herum. Was ich sehr lustig finde, ist, dass die Chinesen alle sehr sehr langsam joggen und man fast im gehen schneller ist, aber sie verbrennen dadurch wahrscheinlich mehr Fett. Auf jeden Fall sind wir ein lustiges Grüppchen. Frank ist nämlich mindestens so groß wie Kai und stakts neben mir her wie ein Storch im Salat, weil ich zu langsam bin. Dagegen keuche ich mit hochrotem Kopfe bis die 30 min zu Ende sind neben ihm her. Jedenfalls motiviert es, sich anzustrengen. Nach der obligatorischen Stunde Sport versuche ich entweder im Wohnheim oder in unserer Bibliothek einen Platz zu finden und lerne Chinesisch. Am späten Abend bin ich dann für Telefonate aus der Heimat immer gern zu haben und gehe meist 24 Uhr ins Bett.

So das hört sich jetzt für euch bestimmt total strukturiert an. Fakt ist, dass das mein Wunsch-Tagesablauf ist, bis jetzt hat es so allerdings noch nie funktioniert. Immer kommt irgendetwas dazwischen und diese Woche waren es meine Sprachpartner, die mich auf Trab hielten. Das ist aber nicht schlimm, da sie sich alle sehr lieb um mich bemühen. Leider war ich abends dann zu müde, um noch irgendetwas zu schreiben, deshalb kommt hier eine gestückelte Zusammenfassung von meiner Woche.

Dienstag, 23. September 2008

Juchu, auf in die Schwimmhalle!!!

Ich war ja so was von aufgeregt endlich mal wieder ins kühle Nass springen zu können. Doch noch aufgeregter war ich, wie das chinesische Hallenbad von innen aussehen würde. Eins vornweg. Mädchen und Jungs haben getrennt von einander Duschen und Umkleideräume. Und es ist genauso wie in Deutschland, vor dem Baden geht man duschen und nach dem Baden auch. Natürlich wird man als ausländische Studentin auch mal genauer gemustert, aber im Großen und Ganzen sehen alle Frauen ja gleich aus. Eh ich mich jetzt um Kopf und Kragen rede, beschreibe ich lieber die chinesische Art schwimmen zu gehen.

Das Schwimmbecken ist 50 Meter lang und 2 Bahnen sind für den Schwimmverein reserviert. Die restlichen Chinesen schwimmen allerdings nicht etwa auch die Bahnen vom einen bis zum anderen Ende, nein, die haben gar keine Richtung. Kreuz und quer wird da durch das Wasser gepflügt, wobei die wenigsten wirklich ernsthaft schwimmen und die meisten doch eher planschen. Abgesehen davon gibt es zwar an jeder Seite Startblöcke, doch die sind verboten zu benutzen. Alles in allem ist eine Stunde schwimmen sehr kurz, aber für 10 Yuan gerade so noch für Studenten geeignet.

Für alle, die kein chinesisch können noch die Übersetzung von „Waiguoren“ 外国人 Es bedeutet Ausländer.