Samstag, 4. Oktober 2008

Mein erster Anzug!

Freitag 03.10.2008 Die Schneiderei

Da wir hier in Shanghai und bald auch in Peking auf eine turbulente Bewerbungszeit für unser Praktikum zusteuern, beschlossen wir, in den Stoffmarkt Shanghais zu fahren. Empfohlen von Freunden besuchten wir ein 4-stöckiges Schneiderhaus in der Longmenlu, einer Parallelstraße zum Bund. Nach einiger Nachforschung fanden wir auch einen Bus, der uns direkt dorthin kutschierte. Um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen, schlenderten wir durch die engen Gänge des Kaufhauses. Zu unserer Freude fanden wir im obersten Stockwerk einen Citibankautomaten. Der wird wohl auch guten Wissens um die Sucht der Westler nach maßgeschneiderten Kleidern aufgestellt worden sein. Böse Zungen behaupten sogar, man wird ab dem ersten Kleidungsstück abhängig davon. Auch für uns war die Verlockung sehr sehr groß, überall hingen wunderschöne Abendkleider, Mäntel, die man in Deutschland nicht bezahlen könnte und natürlich unser Ziel- Die Businesskleidung. Alin hat sich als erste von dem Zauber der Schneiderei einfangen lassen und bekommt nun einen af den Leib geschneiderten hellen Stoffmantel, der sehr elegant aussieht für 60 Euro. Der Winter kann kommen!
Ich persönlich habe mich danach erst getraut mir dort Kleidung machen zu lassen. In einem Geschäft wurden dann auch meine Maße genommen. Nun bekomme ich für lediglich 50 Euro einen maßgeschneiderten Blazer mit dazugehörigen Rock und Anzughose. Er sieht schwarz aus und ist durchzogen mit dunkelblauen Nadelstreifen. Die Formen konnte ich sowohl von den Ausstellungsstücken her auswählen, als auch aus mehreren Katalogen. Nach einer Anzahlung von 30 Euro und einer Quittung zu Abholung innerhalb der nächsten Woche, machten wir uns glücklich und zufrieden wieder auf den Weg nach draußen. Jetzt kann ich bestätigen, ja es macht süchtig und man läuft Gefahr sich gleich nach dem abholen ein weiteres Kleidungsstück anfertigen zu lassen! Es ist aber auch verdammt günstig...( gerade Für Leute mit komischen Körpermaßen, wie ich)

Gleich neben der Schneiderei beginnt die Altstadt Shanghais. Dort waren wir eigentlich schon mal, haben aber nur einen kleinen Teil gesehen. Diesmal erkundeten wir den Hauptteil der alten Stadt, die besonders durch die vielen kleinen Geschäfte und Essensstände sowie durch die turbulente Optik besticht. Die gesamte alte Stadt ist so groß wie ein eigener Stadtteil von Shanghai und Touristen werden von ihr auch magisch angezogen!
Da es nun schon Mittag war beschlossen wir in der Altstadt in einem uigurischen Restaurant Nudeln zu essen, die wieder mal lecker waren. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Suppen sehr heiß und teils auch sehr scharf sind. Also lief meine Nase. Und das wiederum ist ein absolutes Tabu in China. Was also tun, damit es keinem auffällt? Alin war das letzte Mal aus der Imbissbude rausgegangen um sich zu schnäuzen. Ich wählte die Variante heimlich die Serviette zu benutzen, wurde allerdings in genau diesem Moment von einem chinesischen Touristen fotografiert, für den wir wahrscheinlich das exotischste in der Altstadt waren.

Shanghai Museum 上海博物馆

Donnerstag 02.10.2008

Heute können wir von uns behaupten, dass wir wissen, was es heißt in China an einem Feiertag in Shanghai an einer der beliebtesten Touristenattraktionen Schlange zu stehen!

Pünktlich zu Eröffnung des Museums fuhren wir mit dem Bus vor und sahen schon eine mächtige Schlange um das Shanghai Museum stehen. Also stiegen wir schleunigst aus dem Bus aus und bewegten uns in Richtung Museum. Wie immer gab es zwei Eingänge, einen für die Touristengruppen mit Führung und einen für Normalsterbliche. Das war der erste Zeitpunkt, an dem ich mir wünschte, einer Touristengruppe zuzugehören, denn diese Schlange war wesentlich kürzer und wurde natürlich bevorzugt hereingelassen. Alin und ich zögerten, sollten wir wirklich 2 Stunden lang warten, ehe wir in das Museum kommen? Ist es uns das wirklich Wert? Noch war keine Entscheidung getroffen, also versuchten Alin und ich das Ende der Schlange zu finden. Die Menschen schlängelten sich die Gesamte Vorderseite entlang. Alin und ich bogen um die Ecke und die Menschenmassen standen weiter an. Insgesamt würde ich sagen, dass die Warteschlange ungefähr 500m lang war. Natürlich standen die Menschen nicht in Reih und Glied, sondern bis zu fünft nebeneinander.
Nach kurzem Hadern siegten Alins und meine Neugier auf das Museum dann doch und so reihten wir uns in den Touristenstrom mit ein.

Mit einer guten Portion schwarzen Humors und viel Geduld hielten wir es dann auch 1,5 Stunden lang aus, bis sich die goldenen Pforten auch für uns öffneten. Am meisten freuten wir uns darüber, dass die Schlange hinter uns immer länger wurde und, außerdem waren wir nicht die einzigen Westler, die so weit hinten standen. Ein hämisches Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, wenn entgeisterte weiße Gesichter versuchten das Ende der Schlange zu erkunden! Interessant zu beobachten war dabei die chinesische Anstelltechnik. Ein Mitglied der Familie wurde auserkoren, die ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen, bei glühender Sonne einen Platz in der Schlange für die anderen freizuhalten. Diese besorgten in der Zeit für den Wartenden kühle Getränke und Knabberreihen oder aber ließen ihn einfach im Stich und spielten mit den Kindern im Schatten der Grünanlage des Renminguangzhang 人民广场, dem Volksplatz.

Der Volksplatz ist eine große Grünanlage und ähnlich wie in Berlin die Museumsinsel aufgebaut. Die Gebäude sehen alle recht europäisch aus, sind neu und innen mit allem nötigen Hightechschnickschnack ausgestattet. Der Renminguangzhang liegt in Mitten von Wolkenkratzern und ist umgeben von 4-spurigen Straßen von hier aus kann man bequem zur Nanjinglu laufen. Eine Überraschung erlebt man allerdings, wenn man versucht die Straße zu überqueren, denn oberhalb der Erde funktioniert dies nicht. Also geht man durch eine Unterführung. Diese wiederum grenzt an eine riesige Shoppingmall, die sich unter dem Volksplatz verbirgt. In dieser findet man Läden für Disneyhandtaschen, Hello Kitty, Pucca, Astroboy und allen möglichen anderen Kitsch. Es gibt auch Läden, die Prinzessinnenkleider verkaufen und jede Menge Schmuck, Mützen und Schuhe.

Soweit zu den Shoppingmöglichkeiten. Das Shanghai Museum ist ein „kleines“ Museum über die chinesische Kultur. Es besitzt 4 Etagen mit jeweils 4 Ausstellungsräumen, was für deutsche Verhältnisse doch schon recht ansehnlich ist. Ausgestellt wurden Kunststücke wie Kalligrafien, Porzellan und Töpfereikunst, chinesische Gemälde aus Tusche, Münzen, Stempel und Siegel, Stoffe, Seide und Jade, altes Mobiliar von Küchen über Betten und Sofas bis hin zu kaiserlichen Thronen, die Trachten der Minderheiten und Statuen zumeist von Buddha. Am Anfang versuchte ich noch, Fotos zu schießen, aber irgendwann gab ich es auf, weil wir sonnst nicht mehr am gleichen Abend nach hause gekommen wären. Das Museum besitzt seinen ganz eigenen Charm zwischen Moderne und Geschichte und ist auf jeden Fall die Warterei Wert gewesen!

Französische Konzession

Mittwoch 01.10.2008, Die Französische Konzession.

Am späten Vormittag zogen Alin und ich aus, die Spuren vergangener Kolonialzeiten in Shanghai zu erkunden. Neben den Amerikanern, Engländern und Deutschen, erhoben auch die Franzosen Anspruch auf Teile von China. So kann man heute noch in Shanghai die Überbleibsel Französischer Kolonialbauten sehen. Mit der U-Bahn ist das ganz leicht zu erreichen. Man wird am Anfang der Huaihai Straße rausgedrängt, einer modernen Straße mit vielen teuren Kleiderläden, Juwelieren und Uhren. Durch die Heerschar von Touristen und der unzähligen Geschäfte ist Alin und mir zunächst gar nicht aufgefallen, dass wir uns bereits in der französischen Konzession befinden. Überwältigt von den wunderschönen Brautmodengeschäften, die sich aneinander reihen und mit Ballkleidern werben, hätten wir doch fast nicht bemerkt, dass es außer Konsum in dieser Straße auch noch europäische Architektur gibt. Zwischen den unzähligen Konsummeilen schlängelte sich ein kleines Baozi und Jiaozi-Restaurant entlang. Natürlich konnten Alin und ich da nicht widerstehen und bestellten eine Art Blätterteigtasche mit Gemüsefüllung ein Baozi mit gebratener Reisfüllung, was so ähnlich wie Rissotto geschmeckt hat.

Gut gestärkt begutachteten wir die Baukunst des Viertels. Doch auch hier ist der Baustil komplett anders, als ich mir es vorgestellt habe. Von riesigen Villen mit hübschen Vorgärten ist wenig zu sehen. Biegt man in die Seitengassen, bemerkt man, dass die Villen zwar hübsch sind, doch eher an Arbeiterwohnungen erinnern. Zudem kommt, dass die meisten Gebäude gerade überholt werden. Auf dem Weg durch die französische Konzession besichtigten wir die Residenz von Sun Yatsen, der sowohl in der VR China, als auch auf Taiwan, als Gründer der Republik gefeiert wird. Zum Herrenhaus ist eigentlich nur zu sagen, dass es typisch europäisch protzig gebaut und ausgestattet wurde. Dunkle Möbel, dunkler Boden, schwere Stoffe und jede Menge Bücher. Das Museum war sehr interessant, aber etwas klein.

Nach so viel Kultur gönnten wir uns einen Ausflug in den benachbarten Fuxingpark, indem Trommler und Geiger spielten, die Männer ihre selbstgebastelten Drachen segeln lassen und sogar das Betreten vom Rasen erlaubt ist. Ein Familienparadies schlechthin, allerdings, sollte man sich etwas mehr Geld in die Tasche stecken, denn im Park haben die Kinder die Möglichkeit Autoscooter und Karussell zufahren. Gleich daneben spielen die alten Shanghaier chinesisches Schach, Majong oder Karten. Der Park ist zwar klein, aber dafür sehr gemütlich.

Auf dem Rückweg kamen wir sogar an einem richtigen kleinen Markt für Trockenobst, Tee und Getränke vorbei. Gleich mischten wir uns in das Getümmel und mussten feststellen, dass Chinesen bei Kostproben genauso beherzt zugreifen wie die Deutschen! Nach dem wir dann doch mehr Ellenbogenhiebe und Fußtritte abbekamen, gaben wir den Versuch auf etwas zu kaufen und machten uns auf den Heimweg.

Freitag, 3. Oktober 2008

Alin hat Geburtstag!!

Dienstag, ein Tag voller Überraschungen!

Heute hat Alin Geburtstag!!! Gleich am Morgen gab’s ein Ständchen von der Zwickauer Gemeinschaft im Wohnheim: 祝你生日快乐,祝你生日快乐,祝你生日快乐,祝你生日快乐。Was soviel heißt wie: Zum Geburtstag viel Glück! Danach wollte ich mit Alin den Vormittag mit ein wenig Shopping verbringen. Kaum 5 Minuten im Bus, klingelt mein Handy. Monika, die chinesische Sprachpartnerin, lädt Alin und mich ein, ihre Familie kennen zu lernen und zwar um 9.40 Uhr. Nur gut, dass es schon 9.00 Uhr war. Schnell suchten wir in der Shoppingmall noch ein geeignetes Geschenk aus und Alin bekam nach 4 wöchiger Brotentziehung endlich einmal ein Körnerbrötchen spendiert. Ihr glaub gar nicht wie gut es tut, nach so langer Zeit in ungesüßten Sauerteig zu beißen!!! In aller Eile begaben wir uns nun zurück und machten uns auf den Weg zu Monika.

Dort angekommen, eilten uns schon ihre Eltern entgegen. Auf dem ersten Blick, wusste ich, dass die beiden genauso liebe Menschen sind, wie Monika. Sehr aufmerksam, lustig und intelligent, beide um die 50 Jahre. Monika kommt aus der Provinz Anhui. Das ist eine der ärmeren Provinzen Chinas, nordwestlich von Shanghai. Von dort kommen angeblich die ganzen Kindermädchen in Shanghai. Nun dachten wir, gut bereiten wir zusammen das Mittagessen vor. Falsch gedacht. Die ganze Gruppe begab sich nun auf den Weg nach Pudong, um zu Monikas Tante zu fahren. Mit Bus und U-Bahn und ein wenig laufen, standen wir dann vor einem neuen Hochhauskomplex in einem der nobelsten Wohnviertel Shanghais.

Das die Leute dort Geld haben spürt man schon, wenn man an den gestriegelten Pförtnern vorbeischleicht, die einen gleich anhalten und ausfragen, wohin man wolle. Gleich am Eingang trafen Monikas anderen Onkel und seine junge Freundin, die gerade auf dem Weg sind, die Reservierung im Restaurant vor zu nehmen. Nachdem wir das richtige Gebäude gefunden hatten, fuhren wir mit einem Fahrstuhl in den 6. Stock um schon freudig von der gesamten Familie empfangen zu werden. Mit ganzer Familie meine ich Oma und Omas Bruder, drei Onkels und Tanten sowie ein Baby und ein Cousin. Sehr interessant war auch die Wohnung der Tante, an dieser Stelle sollte ich vielleicht auch das Wort „reich“ fallen lassen. Alles hypermodern eingerichtet und bis in kleinste Detail durchgeplant, sehr hell und freundlich, aber auch einwenig steril, so sauber wie es ist. Ok, vielleicht habe ich bereits andere Sauberkeitsvorstellung übernommen, seit ich unser Wohnheim kenne. Nachdem wir das Baby bespaßt hatten und uns vorstellten, brachen wir auch schon wieder auf zum Restaurant.

Der Onkel, wie sollte es auch anders sein, fuhr natürlich eine riesige schwarze Limousine der in China beliebten Marke Audi. Zum Glück bat Audi große Autos, denn wir quetschten uns zu 4 hinten auf die Rückbank und stürzten in den Verkehr der Großstadt. Unser Ziel, das Restaurant stellte sich auch bald als Luxusdelikatessenrestaurant heraus. Den ersten Schock bekamen wir schon beim hineingehen. Wir ließen uns, in der extra für uns reservierte VIP – Lounge, nieder, einem abgetrennten Raum vom Rest des Restaurants mit riesigem runden Tisch. Im Nachhinein, war es wahrscheinlich gut, dass wir so abgeschottet vom Rest der Welt dasaßen (unsere Stäbchenkünste lassen nämlich noch zu wünschen übrig). Wenn man die schweren Samtvorhänge vor dem extra abgedunkelten Fenster hochhob, sah man direkt den Huangpu-Fluss. Alles war sehr klassisch chinesisch gehalten mit schweren Möbeln und Dunklen Farben. Auf dem Tisch erspähten wir goldene Löffelchen und verschiedenste Schüsselchen, Stäbchen und alles perfekt protzig, wie es das chinesische Statusverständnis vorschreibt.

Für uns Kulturstudenten war vor allem interessant zu sehen, wie die Platzverteilung einherging. Denn in China spielen Rang, Alter und Position der Personen bei der Platzwahl eine wesentlich höhere Bedeutung als in Deutschland. Das Familienoberhaupt, also die Oma, und der Gastgeber, die Tante, saßen am runden Tisch gegenüber des Einganges, damit sie immer beobachten konnten, wer wann wo wie hinausgeht. Die Kinder setzten sich dem Alter entsprechend zur Rechten und Linken der beiden. Wir Gäste saßen auch links. Den unbeliebtesten Platz, der der am wenigsten bedeutenden Persönlichkeit, erhielt die Freundin des jüngsten Onkels. Sie saß mit dem Rücken zum Eingang. Bis alles zur Zufriedenheit arrangiert war, setzten sich alle bestimmt 3 mal um.

Dann ging es aber ans schlemmen, und wie wir schlemmten!!! Es gab Rindfleisch, Garnelen, verschiedene Sojagerichte, verschiedenes Gemüse, von dem selbst die Gastgeber nicht wussten was es war, Fischsuppe, Nudelsuppe, Scharfes, Süßes, Saures und als i-Tüpfelchen, probierte ich das erste mal in meinem Leben Froschschenkel. Jetzt kann ich sagen, sie schmecken sehr lecker, wie ein Mischung aus fisch und Fleisch und sehr zart.

Da ich mit einem kleinen Wink mit dem ZaunsPfahl Monika daraufhingewiesen habe, dass Alin Geburtstag hatte, bekam Alin zum Nachtische eine riesige Schokoladentorte als Geschenk von Monikas Eltern. Diese war so groß, dass die gesamte Familie daran mithalf, sie zu verputzen, aber trotzdem viel übrig blieb. Die Tort hatte sogar Alins deutschen und chinesischen Namen eingraviert. Nach dem auspusten der Kerzen sangen alle noch mal gemeinsam für Alin Happy Birthday to you. So ging das Fest mit einer Überraschung für das Geburtstagskind zu Ende.

Am Abend ging es auch gleich weiter mit dem feiern. Mit Karolin und Romana ging es dann zum Bund. Dort bewunderten wir die Skyline von Pudong in einem kleinen Restaurant, dass mehrere Stöcke und eine Terrasse besaß. Der einzige Haken an dem Restaurant- es hatte westliche Preise, so zahlten wir für 2 Getränke und einen kleinen Snack im Durchschnitt 14 Euro pro Person. Für euch mag dass jetzt vielleicht billig erscheinen, aber für Essen ist das in China schon fast unverschämt teuer. Aber egal, den schönen Tag ließen wir mit einem schönen Weiberabend ausklingen und schmiedeten schon Pläne für die nächste Woche.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Longhuasi - Tempel

Longhuasi - Montag

Unser erster Ferientag hat begonnen und wir starteten auch gleich unsere Shanghaibesichtigungstour. Mit der Bahn fuhren wir ungefähr 1,5 Stunden in den Süden Shanghais in den Stadtteil Longhua. Auf dem Weg zu unserem Ziel kamen wir an einem Markt vorüber in mitten einer alten chinesischen Shoppingmeile. Dort beäugten wir einen Stand mit Trockenobst und Süßigkeiten etwas genauer. Eine Art hellbraunes Blättchen erweckte unsere Aufmerksamkeit. Nachdem der Händler unsere Stielaugen bemerkte, bot er uns eine Kostprobe an. Gefasst getrocknetes Fleisch zu schmecken, entfaltete sich auf unserer Zunge die Süße von Karamell, Krokant und Erdnussbutter. Mmmmhhh lecker. Alin kaufte dann auch gleich eine ganze Packung, durch die wir uns an diesem Vormittag durchfutterten.

Gegenüber des Marktes befindet sich eine Pagode und dahinter unser Ziel der Longhuasi –auf deutsch- der Drachenblumen-Tempel. Wenn man ihn mit den bisherigen Tempeln vergleicht, ist er mittelgroß, dadurch, dass wir aber an einem Ferientag dort waren doppelt so voll und quirlig wie die anderen. Außerdem entspricht er dem Bild der geschäftigen Shanghaier mehr als der Jingantempel. Selbst hier rennen nämlich die Mönche mit Handys herum. Die schicken Shanghaier Damen knien sich sogar mit ihren weißen Hosen zum Beten nieder. Mit Der beliebteste Sport im Tempel ist, das Münzenwerfen in den Brunnen und das um-die-Wette-Räucherstäbchen-abbrennen. Diese kann man sowohl außerhalb als auch im Tempel an sich kaufen. Man brennt allerdings nicht nur ein einziges Räucherstäbchen ab, nein, mindestens ein Bünde von 50 Stück wird entzündet. Die Luft im Tempelgelände war also nicht stickig vom Smog der Autos, sondern vom Räucherwerk der vielen Chinesen, was sich bald an den überfüllten Aschenkübeln bemerkbar machte. Neben den Handelsüblichen Räucherstäbchen gibt es auch riesige goldene Kugeln, die aussehen wie Tannenzapfen. Die gibt es in unterschiedlichen Größen, die gewaltigste maß ungefähr eine Wassermelone! Die wird dann munter flockig mit den Räucherstäbchen zusammen abgebrannt. In den Tempelhallen an sich, darf natürlich nichts Brennendes gelangen. Um dennoch für das eigene Glück zu beten, füttern die Chinesen die Buddhastatuen mit Essen. So fanden wir dort neben den Obstkörben auch Mettwürste, gefälschte Orio-Kekse und jede Menge Kunstblumen. (Beim Hinausgehen entdeckten wir dann auch den Schredder für die Papierblumen) Im Tempel konnte man auch rote Bänder erwerben, auf die man seine Wünsche, Gebete und ähnliches schreiben kann und dann an die dafür vorgesehenen Stellen im Tempel knotet. Sieht sehr hübsch aus, wenn sie im Wind wehen. Interessant zu sehen war, dass die Menschen im Tempel alt und jung, reich und arm, gleichermaßen ihren Glauben ausübten. Ob nun die alte Omi oder der tüchtig Geschäftsmann, kleine Rocker oder feine Damen, Familien oder Singles, alle ließen es sich nicht nehmen für ihr Wohl, dass Wohl ihrer Familie und Ahnen zu beten.

Dienstag, 30. September 2008

Beijing...lieber doch nicht!

Unser Wochenende,
hat eigentlich gar nicht existiert. Da am 1.10. der chinesische Nationalfeiertag zur Gründung der Volksrepublik China gefeiert wird, haben wir theoretisch 3 Tage lang frei. Für die Chinesen sind diese Feiertage sehr wichtig, sowohl aus Nationalstolz als auch durch die Möglichkeit zu reisen. Im Laufe des Unterrichts, hat dann auch unser Kurs davon erfahren, dass wir die komplette Woche frei haben, dafür aber Samstag und Sonntag in die Uni gehen müssen. Gesagt getan. Zu unchristlichen Zeiten quälten wir uns dann Samstag und Sonntag aus dem Bett, um den Stoff für Montag und Dienstag eingetrichtert zu bekommen. Was tun, mit so einem angebrochenem Tag? Natürlich die Reiseplanung für die nächste Woche schmieden. Wohin soll es gehen? Mit Dominique und Vermie nach Beijing, wohin denn sonst, schließlich ist eine Woche lang, man kann viel besichtigen und unsere Kommilitonen in Beijing besuchen. So bekamen wir dann auch günstige Tickets für 12,60 Euro für Beijing. Nur hatten wir nicht wie gewollt welche für Sonntagnacht im Schlafwagen bekommen, sondern Hartsitze für Dienstag, wobei wir nicht wussten wie lange unsere Reise dauern sollte. Rücktickets konnten wir gleich gar nicht erwerben. Nun nachdem ich dann meine kundigen Sprachpartner befragt habe, wurde uns klar, dass wir über 24 Stunden ab früh um 4 Uhr in einem Zug mit tausenden anderen Chinesen sitzen würden, auf einer Fahrt hin zur Hauptstadt des Landes, die in diesen tTgen drei mal mehr Besucher zählen wird, wie gewöhnlich. War das so schlau?

Nach längerem Hin und Her, grausamen Berichten über Reisen in der „goldenen Woche“ und Versuchen die Tickets umzutauschen auf einen schnelleren Zug (Hier ließ sich nur das Datum ändern) bzw. einem Schwarzhändler zu verkaufen (was am Hauptbahnhof unmöglich war, da es vor Polizei nur so gewimmelt hat), gaben wir uns zunächst geschlagen. Doch mit unserer charmanten Art gelang es uns zurück im Wohnheim, die Tickets an zwei mutigere deutsche Kommilitonen zu verhökern, die das Abenteuer auf sich nehmen wollten. Stattdessen beschlossen wir gar nicht zu verreisen, sondern Shanghais Sehenswürdigkeiten auszukosten.
Eine weitere Idee, die wir in die Tat umsetzten, war das Vorhaben Visitenkarten drucken zu lassen. Mit diesen wollen wir dann zu Jobmessen und anderen Veranstaltungen auftreten und uns prinzipiellen Praktikumsfirmen vorstellen. Für 120 Stück, habe ich 4 Euro bezahlt für zusätzliche 2 Euro bin ich nun auch im Besitz einer Visitenkartenaufbewahrungsbox, einer Visitenkartenpräsentierbox und eines Visitenkartensammelheftes. Es fühlt sich irgendwie seltsam an seine eigenen Namenskärtchen designen zu lassen und dann mit sich rumzutragen. Hoffentlich bringt es was.

Meine Universität

Die Tongji Universität hat mehrere Campi. Der mit Deutschen und Ausländern wohl am höchsten frequentierte ist allerdings der Sipinglu Campus, auf dem ich wohne und studiere. Im Moment befindet sich dieser Campus in Renovierung. Überall wird gebaut und geackert, die Gebäude sehen von außen alt aus, sind innen aber schon sehr neu. Zudem fällt auch auf, wofür die Hochschule Geld ausgibt. Beispielsweise sind die Gebäude für Architektur und Design komplett neu renoviert, wohingegen das Sprachinstitut nicht sonderlich in der Gunst der Geldgeber liegt, was sich am Gebäude deutlich widerspiegelt.

Hier zu sehen ist unser hypermodernes Wohnheim. Hinter dem verspiegelten Glas verbirgt sich die Ausländermensa, die im gegensatz zur großen Mensa eher fade schmeckt und kulinarisch nicht gerade glänzt. Darüber befindet sich ein Restaurant, was vor allem von den Professoren genutzt wird. Das etwas gräulich verputzte Gebäude ist das Ausländerwohnheim. Das unterhalb der Fensterbänke sind die Lüftungen für die Klimaanlage. Erinnert ein wenig an Zwickau Eckersbach, verfügt aber über 12 Stockwerke und einen Fahrstuhl. Unser Zimmer ist ganz obendas 2. von rechts, wenn man ab dem hervorstehenden Teil zählt. Und ja, es ist aucheines der wärmsten Zimmer. Alle, selbst die Chinesen, die uns besuchen kommen beginnen binnen Minuten zu schwitzen. Aber Sauna soll ja gesund sein!

Richtig toll ist das Herz der Uni, nämlich die Bibliothek mit 9 Stöcken, uns sehr vielen Lesesäen, einem Technikzentrum und tausenden von Büchern für jede Fachrichtung. Trotz der Größe finden nicht alle Studenten der Tongji einen Platz zum streben, aber mit guten Kontakten wird einem schon ein Sitz freigehalten. Sonst muss man eben einfach ein bisschen länger suchen. Im Gegensatz zu den deutschen Unis wird die Bibliothek nicht nur besucht, sondern auch mal benutzt und das von tausenden Studenten gleichzeitig. Denn in China ist man ohne hohen Bildungsabschluss nichts. Und so lernen tagtäglich die Tongji-Studenten fleißig ihren Stoff, wie kleine Bienen. Ich hoffe, der Funke springt auch auf mich irgendwann einmal über!

Was mir persönlich sehr gut an der Tongji gefällt, sind die zahlreichen Gartenanlagen und Erholungsnischen. Es gibt so manch einen Pavillon, der versteckt hinter dichten Bambushainen zum ausruhen vom Lernstress geeignet ist. Doch schaut euch am besten selbst ein paar Fotos an. Zu sehen ist zwar nicht alles, aber so gutes Wetter hatten wir lange nicht mehr. Fortsetzung folgt.