Sonntag, 14. Dezember 2008

Studentenleben - International Students Festival

Also die letzten 14 Tage waren ganz schön stressig. Neben dem Lernen für das Studium haben wir hier mehrere für internationale Studenten organisierte Veranstaltungen besucht und ich bin dabei gewesen für mein Praktikum eine Wohnung zu suchen und die Reiseplanung für meine Eltern in Shanghai durchzuplanen.

Also bevor ich mich jetzt überschlage an neuen Informationen beginne ich einfach bei Freitag dem 4.12. der uns einen wirklich schönen Abend bescherte. Die ausländischen Studenten aller Fakultäten stellten ein Programm auf die Beine mit dm sie der Tongji Universität ihr Land vorstellten. So gab es ein buntes lautes Gemisch aus Tanz, Musik, Gesang und Schauspiel. Jeder Student gab sich Mühe und versuchte in traditioneller bunter Tracht gekleidet die tollsten Künste seines Landes zu repräsentieren. Wir sahen Fächertänze aus Thailand, Tänze aus Afrika, Lieder aus Frankreich und Italien, die inoffizielle europäische Hymne dirigiert von einem Japaner, ein sehr eigenes Schauspiel von – wie sollte es auch anders sein - von einem Deutschen, Duette aus Tausend und einer Nacht und chinesische Lieder gesungen von Studenten aller Nationen. Die Fotos schoss Ain, ich versuchte das letzte bisschen Strom aus meinen Akkus herauszuquetschen und einige Videos zu drehen.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Jazzbar House of Blues and Jazz 29.11.2008

Diesmal hatten wir gleich Erfolg bei der Suche nach dieser Bar. Diese Bar ist nämlich die gleiche, auf die wir es schon einmal abgesehen hatte, die allerdings nur noch aus einem leeren Gebäude mit abmontierten Lettern bestand. Gar nicht schwer zu finden, ist diese Bar heimlich umgezogen und befindet sich jetzt in der Nähe vom Bund. Etwas früh erschienen wir um21.30 Uhr dort. Noch standen nur die Instrumente der Band herum und überall sah man Menschen plaudern. Die Bar war im Gegensatz zu unseren letzten Ausflügen wesentlich gehobenen, was man auch an der schweren, alten Innenausstattung sehen konnte. Alles war europäisch gehalten im klassischen Kolonialstil, aber trotzdem sehr gemütlich. Wir wurden von den Kellnern begrüßt (die übrigens alle männlich und zwischen 20 un30 waren und bestimmt so gut aussahen um die Frauen in die Bar zu locken) und wollten uns an einen Tisch in einer Ecke setzen, aber sofort wurden wir zurückgepfiffen. Dieser war wohl schon reserviert und so begnügten wir uns mit den Hockern an dem Tresen mit super Sicht auf die Band. Irgendwann marschierten die vier auch ein und begannen Kontrabass, Schlagzeug, Klavier und Akustikgitarre zu spielen. Etwas zu leise meiner Ansicht nach, denn wir konnten den Sänger nicht von den hundert anderen Stimmen im Raum unterscheiden. So bestellten wir uns erst mal Getränke von der Karte und mussten schon wieder feststellen, dass es diesmal bestimmt nicht billig für uns werden würde. Da die zahl 8 Glück für Chinesen bedeutet, gab es so gut wie keine Speise ohne diese Zahl. Also waren die meisten Cocktails um die 88Yuan, was bei deren Größe, Geschmack, Zutaten und vor allem der Kellner aus Anhui vollkommen überteuert und für die Ladenbesitzerin die reinste Gelddruckmaschine war.
Nach einer Pause spielte die Band wieder auf, diesmal aber mit Bassgitarre, E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, allesamt an einem Verstärker angeschlossen und nun richtig laut. Von nun an konnte man relaxed der Musik lauschen, wären da nicht diese bösen und gemeinen Zigarren gewesen, die auf einmal rings um uns herum auftauchten. Von dem Gestank wurde uns erst mal schlecht, aber die guten Plätze wollten wir trotzdem nicht aufgeben. Nach einer weiteren Pause der Band hatten wir eine nette Begegnung mit 2 Spaniern und einem Deutschen, die den Kellnern beibrachten, dass man deutsches Bier aus großen Biergläsern trinkt und nicht aus kleinen. Der Kellner bewies auch gleich Geschick Er stülpte das Weißbierglas auf die Flasche, drehte alles um und ließ das Gebräu herauslaufen, am Ende rubbelte er die Flasche nochmals zwischen den Fingern und auch der letzte Tropfen Schaum fand seinen Weg ins Glas. Um diese Einschenk-Kunst noch zu toppen holte er später 2 Pastillen, die das Bier abermals zum schäumen brachten. Eine tolle Angeberei und sehr witzig. Mit den neuen Bekanntschaften verbrachten wir den Rest des Abends bei wahnsinnig toller Musik und versuchten nicht an das riesige Loch in unseren Geldbeuteln nachzudenken.

Montag, 1. Dezember 2008

南京Nanjing 21-23.11.1008

Freitag um 18.18 Uhr bestiegen wir unseren Schnellzug nach Nanjing, der uns innerhalb von 2 Stunden in die ehemalige südliche 南 “nan“ Hauptstadt 京 „jing“ Chinas bringen sollte. Kaum eingestiegen waren wir auch schon da. Zuerst kauften wir eine überteuerte Stadtkarte und danach organisierten wir uns unter mehr als dubiosen Umständen ein Hotel für 2 Nächte, was pro Person ca. 60 Yuan kostete und dessen Badezimmer aus einer gläsernen Kabine mitten im Zimmer bestand. Aber egal, wir bleiben dort ja eh nur zum Schlafen. Unseren ersten Abend kosteten wir dann noch voll aus, denn Nanjing hat wirklich ein buntes Nachtleben zu bieten. Wir zog aus in die Kneipenstraße 1912, in der sich eine schicke Kneipe an die andere reiht gepaart von vielen Diskotheken und alles mächtig auf Luxus getrimmt. Wir ließen uns wiedereinmal von der Musik leiten und setzen uns in eine Bar, die wohlbemerkt Kronleuchter als beleuchtung vorzuweisen hatte. Was gleich auffiehl war, dass wir die einzigen Westler sind. Ansonsten gab es nur noch Chinesen, die ich mal grob zur oberen Schicht zähle. Allerdings ging es hier keineswegs hochgeschlossen und steif zu, nein über all an den mächtigen Tischen saßen die Leute in weich gepolsterten Sofas und spielten ein, für uns komplett undurchschaubares, Würfelspiel. Das einzige, was wir davon herausbekamen ist, dass der Verlierer Trinken muss. Wir bestellten uns Getränke und einen kunstvoll garnierten Obstteller und genossen für den rest des Abends die chinesische Popmusik, dargeboten von einer Liveband.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen und fertig machen. Am Tag davor hatten wir nämlic noch eine Gruppenreise mit Chinesen gebucht und der Bus sollte gleich kommen. Wir also aufgesprungen, uns fertig gemacht, schnell och ein bisschen Frühstück und Getränke eingekauft und losgehetzt. In einem Kleinbus nahmen wir auch Platz und von da an ging es eigentlich nur noch kreuz und quer durch die Stadt. Zunächst sammelten wir die restlichen Touristen ein, wobei wir feststellten, dass unsere Kaschemme im Gegensatz zu den Behausungen der anderen Gäste noch wesentlich besser abschnitt.
Unser erster Ausflugspunkt hieß Yangzi. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einem speziellen Eierkuchenstand an, dessen Besitzer Wahrscheinlich mit dem Busfahrer verwandt ist, um typische Nanjinger Eierkuchen zu essen, die billiger und besser gewürzt sind als die Shanghaier. Am Fuße der einzigen Brücke, die die beiden Stadtteile von Nanjing miteinander verbindet stiegen wir aus und erklimmten die Brückenpfeiler mit....einem Fahrstuhl. Die Brücke ist eine Doppeldeckerbrücke, so konstruiert, dass unten die Bahn fährt und sich oben der Straßenverkehr abspielt. Wie wir feststellten war die Sicht nicht allzu gut, was an dem bekannten Nanjinger Nebel lag gemischt mit reichlich Smog. Trotzdem war der Ausblick überwältigend. So beeindruckt versuchten wir wenigstens die Mitte der Brücke zu erreichen, allerdings unterschätzen wir die Weite und mussten vorzeitig umkehren. Trotzdem die geballten Wassermassen bleiben mir in Erinnerung, genauso wie die alte Frau mit gebunden Füßen, die stolz ihre Hosenbeine lüftete, damit wir sie besser fotografieren konnten!
Unser nächster Anlaufpunkt war am anderen Ende der Stadt, sodass wir ungefähr 2 Stunden im Stau steckten und dann nur noch schnell durch das Konfuziusmuseum huschten. Trotz allem, zwang uns die Reiseleitung an einer Verkaufssession teilzunehmen...Wir sollte Gurkenschäler und scharfe Messer kaufen, die es wohl nur an diesem Ort gibt und die an die Formen zu Konfuzius’ Zeiten angelehnt sind. Glücklicher Weise entkamen wir der Verkaufattacke und erhaschten noch einen kurzen Blick auf eine konfuzianische Zeremonie. Hier stieß ich auch das erste Mal mit Wachleuten zusammen, als ich nur mal einen Blick in die Halle dahinter werfen wollte. Sofort schrillte ein Pfiff und ich musste zurückgehen.
Danach ging es ab in den Mouchou Gongyuan, einem weitläufigen Park mit kleinen Pavillons und großem See, der wie gegossen in das Stadtbild von Nanjing passt. Dort hielten wir uns auch ganze 30 min auf, erholten uns von den Busstrapazen (mittlerweile waren so viele Leute im Bus, dass der Kampf um die guten Plätze losging. Ich saß am Ende auf einem Platz, den man eigentlich mehr als Radkasten bezeichnen kann, zum Schluss eroberten wir dann aber doch noch mal bequemere Positionen!). Zum Mouchou See gibt es auch noch eine traurige Geschichte. Und zwar soll es einst ein Mädchen namens Mouchou gegeben haben, die auf den Wunsch ihres Vaters einen reichen Mann in Nanjing heiratete. Mit diesem neuem Leben war sie so unglücklich, dass sie keinen anderen Ausweg sah, als sich mit einem Sprung in den See das Leben zu nehmen.
Weiter ging es zum Yuhuatai Märtyrer Gedenkpark. Von der Gedenkstätte sahen wir allerdings nur den Eingang, denn wir hatten ja nicht so viel Zeit. Der Park besteht aus dichtem Wald, Pavillons, kleinen Gehwegen, den Grabstätten zum Gedenken der Märtyrer und allem was sich Chinesen so zur Erholung wünschen. Trotz unseres Zeitproblems fuhren wir aber zu einem Jadeverkauf auf dem Gelände. Die Ausstellungsstück waren auch wirklich graziös gemeißelt und wunderbar gefertigt, doch Alin und ich besaßen leider keine 160000 Yuan um einen riesigen Brunnen aus Jade zu kaufen.
Danach ging es ab in eine Siegelausstellung, die sich wiederum als perfekt angelegter Garten herausstellte und eigentlich bekannt ist für eine berühmte Kalligraphie. Viel bekamen wir von der Führung allerdings nicht mit, das diese wiederum in einem rasanten Chinesisch abgehalten wurde wie der Rest der Führung auch. Dann wurden wir von unserem quälenden Hunger erlöst und aßen in einem etwas überteuerten Restaurant zu Mittag. Frisch gestärkt unternahmen wir einen Ausflug zu einem buddhistischen Tempel inmitten eines Parks, der lustiger Weise lauter Miniaturbauten von berühmten Gebäuden in China beinhaltet. Im Tempel hielten wir uns ziemlich lange auf, was uns darin bestätigte, dass es in China im allgemeinen mehr Buddhisten gibt. Sogleich wohnten wir einer kleinen Zeremonie bei und konnten unsere Touristengruppe beim Beten zuschauen. Sehr interessant, aber man sollte sich davor hüten hier zu fotografieren...
Nun war es schon später Nachmittag und wir machten uns noch auf den Weg zum Purple Mountain, einem Berg, der zum Nationalpark erklärt wurde und mehrere Sehenswürdigkeiten besitzt, wie z.B. das Sun Yat-sen Mausoleum, den buddhistischen Linggu Tempel und kleine Ming Tombs, in denen Tierskulpturen zu finden sind. Von alldem sahen wir wieder nur den Eingang, was uns entgültig zu dem Entschluss brachte, dass wir von nun an wieder als Individualtouristen unterwegs sein werden.
Am Abend trudelten wir in unserem Gasthaus ein und verabredeten uns mit Dirk einem Kommilitonen aus Zwickau, der in Nanjing studiert. Mit ihm testeten wir Nanjings Cuisin, die eine spezielle salzige Ente als Spezialität zu bieten hatte. Nach einem kräftigen Mahl, setzten wir uns in ein Cafe und plauderten über die Erlebnisse in China. Dort hatten wir eine ganz eigene Erfahrung, denn Alin machte uns auf eine Ratte aufmerksam, die soeben die Wand senkrecht nach oben gelaufen war und deren nackter Schwanz nun aus dem Gitterost in der Decke heraus hing. Auch so etwas kann in einem etwas nobleren Cafe geschehen... das ist nun mal China so wie wir es kennen.

Am Sonntag sprangen Alin und ich ins Taxi und fuhren nochmals zum Purple Mountain. Wir konnten es uns einfach nicht nehmen lassen diesen Nationalpark zu besichtigen, dessen Eintrittpreise sich allerdings auch sehen lassen können für 80 Yuan marschierten wir straff an riesigen lauten chinesischen Touristengruppen vorbei mitten in eine Gedenkhalle für die beim Nanjing Massaker gestorbenen Soldaten. Wir legten noch einen Zahn zu, denn wir wollten nicht schon wieder als Fotoopfer missbraucht werden und noch ein bisschen von der morgendlichen Ruhe des Waldes genießen. So besichtigten wir den Lingu Tempel kurzer Hand uns wanderten dann ein bisschen durch das Gelände des in wunderschönen Herbsttönen getünchten Waldes. Unseren nächsten Stopp machten wir an einer Pagode, die ich auch gleich erklimmte um die Aussicht über dieses Schutzgebiet zu genießen. Ach es tat mal wieder richtig gut aus dem städtischen Muff herauszukommen und „Berge“ zu sehen. Nach diesem Streifzug stiegen wir in eine winzige Tschu-Tschu-Bahn ein, die uns auf einer schmalen Straße zum Sun Yat-sen Mausoleum kutschierte. Dort waren wir erst mal ziemlich beeindruckt von der Höhe es Mausoleums, denn 397 Treppen führten zu seiner Grabstätte. Gleich erklimmten wir auch diesen Hügel und gesellten uns prustend und schnaubend zu den anderen tausenden chinesischen und ausländischen Touristen. Das Mausoleum wurde eigens für den Begründer der Republik angelegt und soll im Ganzen die Form einer Glocke haben, die wiederum mit der Aura des Staatsmannes harmonisiert! Egal, wie diese Form auch ist, der Ausblick vom Berg war fantastisch und so verweilten wir hier noch ein bisschen. Eigentlich wollten wir uns nun noch die Ming Tombs anschauen, dafür hätten wir aber nochmals extra Geld bezahlen müssen und so beschlossen wir mit dem Taxi zurück zufahren und gemütlich eine Runde um den städtischen See dem Schwarzer-Drachen-See Xuánwǔhú 玄武湖zu spazieren. Auch hier bestiegen wir fauler Weise ein kleines Auto, was uns einmal am nebeligen Ufer entlang fuhr. Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein superleckeres Essen in einer japanischen Nudelrestaurant und machten uns auf dem Heimweg.

Dienstag, 18. November 2008

Mein Wochendende vom 15./16.11.2008

Die Odyssee geht weiter!

Nachdem unser erster Versuch eine Jazzbar zu finden, gescheitert war, wollten wir es jetzt ganz genau wissen und versuchten unser Glück am Freitagabend. Die Bar, genannt Cotton Club, soll eine der gemütlichsten und angesagtesten unter den Jazzbars Shanghais sein. Natürlich liegt auch diese Bar im Ausgehviertel Huahuai Road. Nach unseren schlechten Erfahrungen mit den im Internet hoch angepriesenen und in Wirklichkeit gar nicht existierenden Bars, waren wir umso vorsichtiger und nahmen dieses Mal sogar den Stadtplan mit, ein Utensil, dass wir eigentlich nur noch für touristische Zwecke nutzen. Doch auch der half nichts. Suchend irrten wir ca. 1 Stunde durch die Gegend bis wir uns entschlossen einfach den anderen großen Westlern hinterherzulaufen. Nach einer weiteren Stunde war es dann geschafft und wir ließen uns von dem Menschenstrom in die Bar mitreißen. Eine Hausband spielte auf und mit ein paar Cocktails ließen wir es uns gut gehen. Zum Schluss hin mischte noch einmal eine Sängerin den Saal auf, die eine richtig voluminöse Stimme hatte und dann war es auch schon wieder zeit diesen wunderbare Ort gegen das Bettchen einzutauschen. Der Cotton Club ist auf jeden Falle den langen Fußweg wert gewesen und besitzt seinen Ruf zu Recht.

Nach dem Frühstück begab ich mich auf einen richtig ausgedehnten Spaziergang in den ca 40 Gehminuten entfernten Luxunpark. Luxun war ein sehr bekannter Literat um die Wende des 20. Jahrhunderts und prägte einen neuen Schreibstil sowie die kommunistische Literatur in China. Er verwandte bei seinen Veröffentlichungen nicht mehr die Literatensprache sondern die Allgemeine Sprache, sodass auch die einfachen Bürger seine Texte verstehen konnten. Der Park beinhaltete sogar ein ganzes Museum zu seiner Person, das wieder mal mit sehr viel Hightech ausgestattet war aber trotzdem für alle kostenlos zur Verfügung stand. Doch das Interessanteste an dem Park war nicht der Literat, sondern die Stimmung. Das Gelände besteht zum größten Teil aus kleinen Seen, auf denen man mit einem gedrosselten Motorboot schippern kann. Aber es ist wirklich schwierig ein ruhiges Plätzchen zu finden, denn überall wo man geht und wo man steht sind Chinesen. Vor allem die älteren Leute finden sich hier ein um zu plauschen, Karten zu zocken oder zu musizieren. Beispielsweise wurde Mundharmonika, Trompete, Erhu (ein Saiteninstrument) und Querflöte gespielt. Es gab sogar richtige Gruppen, in denen jemand eine Instrument spielte und das Mikrofon reihum gereicht wurde, damit jeder seine Gesangskünste präsentieren konnte. Neben den Musikern gab es aber auch Maler und Kalligrafen. Viele Sportler tummelten sich auch dort und zwar gibt es in Parks oft Spielplätze für erwachsene, die der körperlichen Ertüchtigung dienen. In diesem Park steht der bislang größte, den ich gesehen habe. Auch eine Vergnügungsecke für Kinder fehlt nicht. So ist der Park vor allem etwas für Kinder, Pärchen und Rentner.

Mich als Student zog es nach ausgiebigen Mittagessen weiter in Richtung Duolunlu多伦路, welche ein 500 m langes Straßenstück südlich des Parks ist, dessen Häuser restauriert wurden. Dieser Abschnitt ist auch unter dem Namen „Literatenstraße“ bekannt, da in diesem Gebiet zahlreiche bedeutende chinesische Schriftsteller lebten. Neben vielen kleinen interessanten Lädchen findet man zwischen den Bauten Skulpturen von den berühmten Persönlichkeiten.

Der Park und auch die Straße gehören zu einem Stadtteil, der Honkou heißt und früher auch „Little Tokyo“ genannt wurde, da es das Zentrum für bis zu 20000 Japaner in Shanghai bildete. Ein Überbleibsel habe ich auch erkannt, ein riesiges japanisches Restaurant! Als Naherholungsgebiet für die Stadtbewohner ist das Viertel mit dem bekannten Honkou Footballstadium sehr gut geeignet.

Freitag, 14. November 2008

Klassenfahrt!!!

Brühwarm kann ich euch heute von unserer Klassenfahrt berichten. Am Donnerstagmorgen kamen Romana und ich noch richtig in Schwulitäten, da wir bis zur letzten Minute im Bett geblieben waren, wir aber pünktlich um 8.00 Uhr an den Bussen sein sollten. Also wurde es früh dann richtig hektisch und wir liefen im Eilschritt zum Abfahrtort. Dort stellten wir fest, dass alles gehetzte für umsonst war, denn wir waren einige der wenigen ersten, die überhaupt eingetrudelt waren. 8.30 füllte sich so langsam der Bus. Unsere Professorin wurde langsam unruhig, denn immer noch fehlten viele aus unserem Kurs. Da wurde auch schon das Telefon gezückt und die letzten Langschläfer aus den betten geholt! Um 9.00 Uhr ging es dann „pünktlich“ los mit insgesamt 6 Bussen auf nach Hangzhou.

Das ist der Ort, von dem ich euch schon berichtet habe. Da wir mit viel Verspätung dort ankamen stürmten wir gleich in das extra für uns reservierte Restaurant, was wohlgemerkt sehr teuer aussah und direkt am Xihu See gelegen ist. Tollerweise haben alle durchmischt Kärtchen bekommen, um den kulturellen Austausch mit den anderen Studenten zu fördern. So saßen Alin und ich mit mehreren Mongolen und Koreanern und einem Japaner aus unsere Kurs zusammen am Tisch. Das ganze leckere Essen wurde bereits aufgetischt, darunter befanden sich knusprige Eierrollen, Fisch, Fischsuppe, Schweinefleisch süß-sauer (was mir am besten geschmeckt hat, obwohl es wieder mal die fiesen Knochen enthielt), süßes Kraut, Chinakohl, Paprika und natürlich Reis. So dampfte alles und duftete vor sich hin und keiner wollte den Anfang machen. Es ist unglaublich für Studenten, deren Magen in den Kniekehlen hängt, dass sich wirklich nicht einer der männlichen Studenten gewagt hat anzufangen. Also habe ich das dann mal in die Hand genommen! Nein, ich habe mich nicht selbst bedient, sondern erst mal Alin gefragt, ob sie mir nicht etwas Reis in die Schüssel geben kann, danach hab ich ihr dafür auch ein wenig Gemüse zukommen lassen. So war das erste Eis gebrochen und wir konnten endlich beginnen zu schlemmen....zumindest Alin und ich. Die Mongolen waren nämlich nach 3 Bissen schon wieder fertig und griffen lieber zur Zigarette und gingen nach draußen um eine zu rauchen. Der Japaner, der immer leicht verwirrt in unserem Kurs erscheint, schien gar nicht glücklich über die erlesenen Speisen. Mit unsicherem Blick und Hand vor dem Mund sah er aus, als würde er sich gleich übergeben müssen. Er hielt sich dann vornehmlich an den Reis, da kann man ja nicht viel falsch machen. Die mongolischen und koreanischen Mädchen hingegen griffen etwas beherzter zu. Eine richtige Konversation kam aber erst zum Schluss zustande, als fast alle aufgestanden waren und nur noch eine Mongolin mit am Tisch saß. Alin und wohl noch mehr ich, hatten unseren Ruf als Fresssäcke wieder mal alle Ehre gemacht, denn wir hatten zusammen wahrscheinlich mehr verspeist als der gesamte restliche Tisch.

So gut gestärkt brachen wir dann auf um uns für 2 Stunden den Westsee anzuschauen. Wer noch den früheren Bericht vor Augen hat, weiß, dass wir mindestens 8 Stunden gebraucht haben um einmal den See zu umwandern. Alin und ich ließen es dementsprechend etwas langsamer angehen und genossen das nach Tagen mal wieder schöne Wetter. Durch strahlend blauen Himmel angelockt kamen natürlich auch viele Brautpaare aus ihren Löchern gekrochen. In China ist es nämlich üblich die Hochzeitsbilder vor der Hochzeit schießen zu lassen. Diese werden dann höchstaufwändig arrangiert. Wir konnten das bei bis zu 5 Brautpaaren auf einmal beobachten. Ein wichtiges Element ist die passende Kulisse und was ist da nicht besser für geeignet als der berühmte Westsee. Ein weiteres Element ist natürlich die bis ins kleinste Detail zurechtgemachte Braut, die an diesem Tag aussieht wie eine Prinzessin und natürlich der adrette Bräutigam. Umringt vom Kamerateam und vielen Assistenten für Make Up, Kleid und Schleier, Licht und Kamera werden dann die Fotos geschossen. Ein wirklich lustiges Schauspiel für uns Ausländer und ein Prestigeobjekt für die Chinesen. Denn die Fotos werden dann als Stolz der ganzen Verwandtschaft präsentiert und wie ich finde ist es auch ein weiteres Druckmittel für das Brautpaar, die Hochzeit nicht platzen zu lassen.

Nach der kurzen Besichtigungstour fuhren wir weiter zu unserem nächsten Ausflugsziel, nämlich Qiandao 千岛. Frei übersetzt heißt es 1000 Inseln und ist die Bezeichnung für einen riesigen See aus dem hunderte kleine Inselchen emporsprießen. Im gleichnamigen Ort lag auch unser Übernachtungsdomizil. Für 50 Yuan pro Nase hätten wir natürlich mit allem gerechnet nur nicht mit dem teuersten Hotel der Stadt. Dort wurden wir aber prompt einquartiert. Für mich hieß das natürlich wieder mal eine lang ersehnte Badewanne!!!

Aber zuerst verabredeten wir uns mit ein paar Kommilitonen zum Essen gehen. Gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es viele kleine Essenstände, die uns mit einer Art dünnem Fladenbrot versorgten, dass entweder süß, salzig oder scharf war. Alle schmeckten sehr lecker. Nach dieser Stärkung gingen wir die Stadt erkunden. Zu unserer Überraschung gab es mitten auf dem Marktplatz eine riesige Fächertanzgruppe. Auf einer kleinen Erhöhung tanze eine Frau vor, was ungefähr 300 andere Chinesinnen nachahmten. Das beeindruckte mich sehr! Sowohl alt als auch jung, vereint bei einer traditionellen chinesischen Kunst und das alles so synchron....Wahnsinn. Nachdem wir uns von dem faszinierenden Anblick lösen konnten, zog es uns in ein Restaurant, dass eine Art Reistopf anbot. Zu meinem Erstaunen, war es auch das erste Restaurant, dass Hund auf seiner Speisekarte stehen hatte. Als die Wirtin unser Entsetzen bemerkte, winkte sie gleich ab, dass es das ja gar nicht geben würde...

Wir haben uns dann doch für scharfes Hühnchen und Chinakohl entschieden, was auch wirklich lecker war, bis auf die spitzen Knochen, die einem wieder mal den letzen Nerv raubten. Nun endgültig gesättigt machten wir uns auf den Weg in Richtung riesiger Wasserfontäne. Dort fanden wir auch den Zugang zum See. Zu klassischer chinesischer Musik, die aus den Lautsprechern schallte, wurde uns ein einmaliges Wasserspiel geboten. In allen möglichen Farben und Formen Tanzten die Wasserfontänen zur Musik, sodass wir uns gar nicht wieder losreißen konnten. Dominique beeindruckte das sogar so sehr, dass ihr ein kleines Missgeschick passierte. Die Objektivhülle ihrer Kamera fiel ihr zwischen die Stufen der Promenade. Da dieses Ding sehr teuer war, setzen wir nun alles daran, es aus dem Spalt herauszubekommen. Was könnte dazu besser geeignet sein als ein paar Essstäbchen... Alin die freundliche Spenderin der Stäbchen, und wir anderen versuchten verzweifelt mit ein wenig Licht des Handys die Abdeckung mit aus dem Schlitz zu pulen.

Könnt ihr euch vorstellen, wie das auf die Chinesen gewirkt haben muss? Ein Gruppe westlicher Mädchen, die im kreis kniend, robbend oder stehend mit zwei Essstäbchen in einem Schlitz mitten auf der Promenade herumstocherten. Wir waren natürlich die Attraktion des Abends und so eilten uns nach einer Weile auch ein paar hilfsbereite Damen mit 2 Riesenessstäbchen zur Hilfe. Nach ungefähr einer halben Stunde, war Domis Leiden beendet, denn die Chinesin bewies mehr Geschick im Umgang mit Stäbchen als wir und holte die Hülle aus dem Ritz hervor. Überglücklich dankten Wir den Chinesen und begaben uns auf den Rückweg. Den Abend ließ ich dann noch mit einem Vollbad ausklingen und kuschelte mich in das weiche Hotelbett.

Am nächsten Tag wurden wir durch einen Weckruf um 6.45 Uhr aus unseren süßen Träumen gerissen. Nach einem chinesischen Frühstück und Kaffee, der erst noch einer werden will, ging es ab in die Busse und auf zum Qiandaohu, dem „Tausend Insel See“.

Erst dachten wir, dass das Wetter uns den Tag verdirbt, aber mit zunehmender Sonne wurde es immer wärmer und der blaue Himmel kam ein weiteres Mal zum Vorschein. In unserem superschnellen Doppeldecker-Motorboot überquerten wir den See und ließen uns bei Sonnenschein den Wind um die Nasen wehen. Die erste Anlaufstele war eine kleine Insel, auf der wir ein paar Minuten spazieren gehen konnten. Dor wurden zum Vergnügen der Touristen Straußen gezüchtet und zum Entsetzen von uns, sogar ein alter, auf einem Auge blinder Strauß dazu abgerichtet, auf dem Boden zu sitzen und es sich gefallen zu lassen, dass dicke schwere Touristen sich auf seinen Rücken setzten um ein Foto mit Straußenei machen zu lassen. Soviel zum Thema Tierliebe in China...Aber darauf komme ich noch ein anders Mal zurück. Nach diesem Anblick wendeten wir uns lieber wieder der Natur zu. Nach einer weiteren Bootfahrt kamen wir auf die nächste Insel, wo uns ein Sessellift erwartete. Keine Angst, er war nicht verrostet und die höchste Erhebung war ungefähr 12 m hoch. Typisch chinesisch eben. Bloß nicht viel laufen und schon gar nicht bergauf. Auf dem „Gipfel“ erwartete uns ein herrlicher Ausblick über die Insellandschaft des Sees, sodass unsere Fotoapparate vom Knipsen glühten. Schade, dass wir dort nicht länger verweilen konnten, aber unser Mittagessen rief schon nach uns. In den booten verspeisten wir richtig leckeren Fisch und allerlei andere Gerichte. Hätte ich gewusst, wo es danach hingeht, hätte ich evtl. nicht so viel gegessen.

Die nächste Insel bezeichne ich mal als „Schlangeninsel“, denn dort wurde allerlei Schlangen-Getier gehalten. So gab es einen ganzen Käfig voll und ein Gehege, dass nur durch ein Netz gesichert war. Auch konnte an sich Schlangen um den Hals hängen lassen oder sie streichen. Zum Glück, habend diese keine Rippen, die man brechen kann. Nachdem man für 20 Yuan auch noch lebendige Mäuse in das Schlangengehege werfen konnte, war es bei mir dann völlig aus. Appetit hatte ich für den Rest des Abends keinen mehr. Kaputt und etwas geschockt stiegen wir wieder ins Boot ein und machten uns auf den Heimweg. Die ganze 6-stündige Busfahrt zurück verbrachte ich im Tiefschlaf. Deshalb bin ich jetzt hellwach und schreibe gleich mal meine Erlebnisse auf.

Montag, 10. November 2008

Sonntag – Kulturtag

Der heutige Besuch einer Shanghaier Kunstgalerie hat mir wieder mal bewiesen, dass ich doch eher die klassische Malerei bevorzuge. Monika, meine Sprachpartnerin, hat uns ganz aufgeregt von einer Ausstellung erzählt, die mitten auf dem Renmin Guangchang in einem Museum aufgebaut wurde und nur noch bis heute geöffnet sein sollte. Schon von außen sahen wir, dass es sich um moderne Kunst handelt, denn an dem doch recht alt wirkenden Gebäude befanden sich sehr viele bunt schillernde überdimensional große Ameisen, die auf mich einen etwas abschreckenden Eindruck machten und bei meinen Begleitern (Alin und Monika) die gleiche Wirkung hinterließen. Also lieber nichts wie rein in das Gebäude und auf in die neue Kunst...
Präsentiert wurden sowohl Videos, Filme, Dokumentationen, Fotos, Gemälde, Plastiken, riesige ganze Wände bedeckende Poparts zu sowohl ernsten Themen, als auch Phantasiegebilden. Der Kreativität war keine Grenzen gesetzt. Nur leider konnten wir mit unserem beschränkten Sinn für Kunst nicht alles verstehen...
Sehr interessant war es allemal. Für 10 Yuan Eintritt kann man sich das auch leisten, denn Kunst sowie fast jede andere Art von Kultur wird besonders in Shanghai gefördert.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und so will ich nicht zu viel verraten sondern euch einfach mal die Bilder zeigen... Bei den schönsten Gemälden war dann leider die Batterie meines Fotoapparates alle, dafür habe ich jede Menge Kuriositäten gesammelt. Viel Spaß damit.

Nachdem wir es doch ganze 5 Stunden in der Galerie ausgehalten haben, mussten wir uns unbedingt stärken. Das taten wir auch gleich auf die Empfehlung von Monika hin, gingen wir in das für Shanghai wohl bekanntest und beste Dumpling-Restaurant (Jiaozi=Gefüllte Teigbällchen so ähnlich wie Tortellini) . Hier aßen wir die bis jetzt wohl saftigsten Jiaozi, die wir je verspeist hatten. Unten schön knusprig angebraten in Butter und oben mit einer feinen Kruste aus Sesam und Lauch....mmmmmhhh. Auch ich kann bestätigen, dieses Restaurant ist wirklich gut!
Diese Dumplings essen Chinesen gewöhnlich mit Essig oder scharfer Soße. Ich für meinen Teil mag sie am liebsten pur oder mit der scharfen Chilipaste. Dazu bekam jeder von uns noch eine große Schüssel Rindersuppe, die uns allen den Schweiß auf die Stirn trieb, so scharf wie wir sie würzten. Eine willkommene Aufwärmung in den kalten Herbsttagen.

Samstag, 8. November 2008

Extrem-Shopping

Heute war mal wieder Extrem-Shopping angesagt. Mittlerweile habe auch ich in den etwas südlicheren Breitengraden herbstliches Wetter. Hier regnet es ununterbrochen und es ist soooo kalt. Leider besitzt unser Zimmer nur eine Klimaanlage und die ist erstens schweinisch teuer und zweitens die Bakterienschleuder schlechthin. Aber dazu später...
Mit meinen drei Pullovern komme ich da nicht weit, abgesehen davon hat die Waschmaschine schon einen davon gefressen und mit tausenden roten Fusseln wieder ausgespuckt...grummel...
Heute ging es auf zum Wujiaochang, einem 7stöckigen Einkaufzentrum, in dem im obersten Stock verbilligte Markenklamotten angeboten werden. Für mich war leider nichts dabei, deshalb sind wir hinterher zur Caoyang Straße gefahren, die moderne chinesische Kleidung anbietet. Dort aßen wir erst mal in einem Barbecue in einem kleinen restaurant. Dort bekamen wir gegrillte Spieße (mit Rind-, Schwein- und Hähnchenfleisch, Gemüse, Toufu, Mantou, Ananas, Bananen und Pilze) für umgerechnet 1,50€ pro Person. Frisch gestärkt stürzten wir uns in die konsumierdende Menge der Chinesen und begannen zu handeln.
In einem alten Kaufhaus drängt sich ein Laden nach dem anderen und unter viel Kitsch und Klimbim findet man dann auch mal einen oder zwei Pullover ohne Glitzer oder Hello Kitty Druck.
Glücklich und zufrieden ging es am Abend nach Hause, wo Romana und ich das erste mal ihren Heizlüfter ausprobierten, weil uns so kalt war.