Mittwoch, 17. Dezember 2008

Xujiahui und Südshanghai徐汇区

Heute hab ich meine Eltern und Jens zu dem von mir schon begutachteten Longhua – Tempel龙华寺und zum Märtyrerdenkmal龙华烈士陵园nach Südshanghai geschickt. Dort bin ich dann am frühen Nachmittag zu ihnen gestoßen und die Besichtigungstour ging weiter. Wir haben uns auf den Weg ins Technologiezentrum von Shanghai gemacht, allerdings besichtigten wir dann eine alte katholische Kathedrale, die nach einem chinesischen Missionar benannt wurde. Ja auch in China versuchten die Christen ihren Glauben zu bleiben und haben es sogar bis zum damaligen Kaiserhof geschafft. Jedoch nur im Bereich der Astrologie, in denen die Europäer den Chinesen um eine Nasenlänge voraus waren. So übernahm man das Astronomische System, aber das Christentum wurde niemals zum Staatglauben erhoben.
Danach kreisten wir ungefähr 4 mal um den selben Fleck herum ohne die alte und berühmte Bibliotheca Zi-Ka-Wei徐家汇藏书楼zu sehen. Kein Wunder....Ein falsches Foto, ein Stadtplan ohne Straße und riesige neue Wolkenkratzer, die die kleine Bibliothek verschlucken. In einer Nische zwischen beiden Hochhäusern fanden wir dann ein dreistöckiges Gebäude, was die hoch gepriesene Bibliothek darstellen sollte. Leider konnten wir nur eine Gemäldeausstellung besichtigen und einen kurzen Blick auf einen der alten Lesesäle erhaschen, bevor wir vom Personal erwischt wurden und sanft wieder herausgedrängt wurden, da wir nicht im Besitz eines Mitgliedsausweises waren.
Nach diesem etwas ärgerlichen Ereignis ging es ab zum Stoffmarkt, bei dem sich unsere Wege trennten. Meine Mutti und ich streiften durch die rieseigen Stoffballen und für meine Mutti sprang dabei ein hübscher kleiner Kurzmantel heraus, den wir in der übernächsten Woche abholen, wenn wir ale wieder von unseren Reisen zurück sind. Papa und Jens sind derweilen durch die Gassen der, sich neben dem Stoffmarkt befindenden, alten Stadt gelaufen und haben Federvieh und andere Dinge beobachtet. Danach ging es ab zum Abendbrot bei einem richtig guten vietnamesischen Restaurant: Aniseed (Sternanis da hui xiang 大茴香)! Dort haben wir gespeist wie die Götter in Frankreich und auch der kleine Stau im Voraus ist dadurch wieder wettgemacht. So zartes Fleisch habe ich wirklich noch nie in meinem Leben gegessen!
Am Abend schlenderten wir nochmals durch die riesige Shoppingmall Wujiaochang in der Nähe des Hotels und ich zeigte meinen Eltern und Jens die Welt des chinesischen Konsums, in dem kleine Kinder komplett in Pinke Barbiekleider gehüllt werden können und von einem Spielzeugladen in den nächsten stürzen.

Montag, 15. Dezember 2008

Stadtteil Hongkou 虹口

Heute hab ich meine Eltern in diesen Teil Shanghais geschickt, das ist der Abschnitt in der der unten beschriebene Luxun – Park鲁迅公园liegt. In der Literatenstraße bin ich pünktlich zum Mittagessen zu ihnen gestoßen und hab ihnen mal die kulinarischen Spezialitäten Koreas näher gebracht. Nach viel Gelächter und kaum einen Bissen von den leckeren Gerichten hab ich dann doch noch Besteck nachbeordert und dann ging das große Festessen los. Vor uns wurde live gegrillt und wir hatten einen Tisch voller scharfer saurer Speisen, dass die Beine fast barsten! Jens hat sich auch mal an das Qingdao Pijiu gewagt, das Bier, was in Qingdao nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Besonders beeindruckt waren die beiden Männer von der Größe der 0,6 Liter Falschen. Gut gestärkt ging es dann auf zu dem ehemaligen jüdischen Ghetto Shanghais mit einer bekannten Synagoge, die heute als Museum dient und nicht mehr zur Ausübung des Glaubens genutzt wird. Doch bevor wir an der Ohel Moishe Synagoge摩西会堂ankamen war es ein etwas längerer Weg... Mein Papa hatte in einem Anflug von Kühnheit dem Taxifahrer gesagt an welcher Straße er halten soll... Nun ja einige Parallelstraßen weiter befand sich unser Ziel dann auch. Bis dorthin schlenderten wir durch das in Backsteinen erbaute Viertel. In dem Museum selbst waren wir die einzigen Gäste und bekamen eine Privatführung auf einem chinesisch-englisch Mix, den ich dann versuchte halbwegs korrekt zu übersetzen. Danach erkundeten wir den Stadtteil weiter und gingen vorbei an kleinen Läden, Werkstätten, Gässchen und einem Park. Besonders begeistert hatte uns ein Markt. Typisch chinesisch war hier alles sehr frisch und lebendig, krabbelte, zappelte, wabbelte und sah ungewöhnlich anders aus. Neben den verschiedensten Gewürzen in allen Farben standen riesige Gemüsestände mit x-Arten von Zucchini und Gurke. Fleischstand reihte sich an Fleischstand und meinem Vater lief schon wieder das Wasser im mund zusammen. Auch der Anblick von Entenköpfen und lebenden Krabben und Hühnerfüßen konnten den Mund nicht trockenen. So beschlossen wir nach einem geruchsintensiven Abstecher in die Fischabteilung ein anderes Restaurant aufzusuchen.
Das Taxi spuckte uns dann in einer komplett neuen Welt aus. Am Wujiaochang, einem riesigen Platz mit 5 Shoppingmalls, an dem sich 5 Straßen treffen. Hier aßen wir in einem Restaurant typische Chinesische Küche und danach spazierten wir zurück zum Hotel.

Heute war ein Tag der vielen Eindrücke, denn neben den alten Bauten und verfallenen Häusern haben wir die überall gegenwärtige Konsumwelt Shanghais kennen gelernt. Heute haben sich Arm und Reich, Dreck und Sauberkeit, Kultur und Konsum die Klinke in die Hand gegeben und ein für Shanghai wirklich typisches Bild gezeichnet.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Meine Eltern und Jens - auf nach Shanghai

Juchu, meine Eltern und Jens kommen zu Besuch!!!!!
Ganz früh bin ich heute aufgestanden um noch den letzten feinschliff für den Besuch meiner Eltern vorzunehmen, also noch mal putzen, aufräumen, die Pläne ausdrucken, die auf stolze 60 Seiten kommen und mich mental auf ein Wiedersehen einstellen. Ganz ehrlich konnte ich den Tag davor kaum still halten und bin nur sehr schlecht eingeschlafen. Zum einen war ich sehr aufgekratzt vor Freude meine Lieben wieder zu sehen, zum anderen mache ich mir doch auch ein wenig Sorgen um sie in so einer riesigen, fremden Metropole ohne auch nur den hauch von Chinesischkenntnissen und nur gebrochenem Englisch!
Aber egal. Um 11.20 klingelte mein Handy und mein Papa war dran. Alle sind wohlbehalten nach einem Flug mit wenig Schlaf im Hotel angekommen und warten darauf, dass ich sie abhole! Also schnappte ich mir mein Zeug und meinen neuen (ich muss mal angeben) Backpack-Rucksack zum Bus gezogen und zum Hotel gefahren, das ca. 10 Fahrminuten entfernt liegt. Dort bog ich in die Lobby ein und sah gleich meinen Onkel auf dem Sofa sitzend und bin erst mal auf ihn zugestürmt um ihm noch sein Geburtstagsgeschenk zu geben...ein kleines Stück chinesisch Buttercreme-Torte aus einer chinesischen Konditoreikette. Dann kamen auch schon meine Eltern aus dem Fahrstuhl gestürmt und nach einer dicken Umarmung durfte ich die mitgebrachten Schätze auf dem Hotelzimmer begutachten! Darunter befinden sich z.B. selbstgebackene Plätzchen aus Schokolade von meiner Mutti, viel Weihnachtsschokolade (der Weihnachtsmann war leider etwas mitgenommen vom Flug), Lebkuchen, einen echten Dresdner Christstollen, Geschenke für die Sprachpartner, Bücher und typische Dinge, die ein Mädchen zum überleben braucht! Nicht zu vergessen das Weihnachtsgeschenk von Oma, was aber noch bis zum Festtag verschlossen bleibt – versprochen! Mit samt den ganzen Sachen ging es dann mein Studentenzimmer begutachten und abladen. Danach kam die erste Härteprüfung für meine Verwandtschaft.
Der Besuch beim Uiguren – meinem Lieblingsnudelrestaurant – entpuppte sich als sehr heimtückisch. Zum Glück saßen wir im Hinterzimmer, denn schon allein dort schafften wir es genügend Chinesen zu unterhalten. Es war das erste Mal das meine Eltern und Jens Stäbchen benutzten. Um so lustiger war es, dass sie sich extra für diesen Fall Besteck mitgenommen hatten, was nun aber alleingelassen im Hotelzimmer lag und noch auf seinen Einsatz wartet.
So versuchte ich mein Bestes mit meinen auch nicht perfekten Fähigkeiten ihnen beizubringen, wie man die Stäbchen hält, ohne einen Krampf im ganzen Arm zu bekommen. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen wie schwer es ist überhaupt erst mal zwei Stäbchen parallel in der hand zu halten und die Spitzen aufeinander zu führen.
Das Ende des Liedes war: Mein Papa, wie sollte es auch anders sein, kam ganz gut klar, wie immer wenn es ums Essen geht, Onkel Jens hat einen starken Willen besessen und es bis zur letzten Nudel versucht. Auch Mutti hat gekämpft, aber irgendwann, nachdem wir schon fast fertig waren, hat sie dann zum Suppenlöffel gegriffen um auch noch satt zu werden.
Gut genährt machten wir noch einen kurzen Spaziergang über den Campus und wurden noch mehr angestarrt als sonst, sieht ja auch lustig aus so eine deutsche Familie. Danach ging es ab zum Bund wo wir den Abend ausklingen ließen bei einem Bummel über die Promenade und einem Tee, Bier und Kaffee im Restaurant mit Blick auf Pudong.
Jetzt liegen alle friedlich in ihrem Bettchen und schnarchen hoffentlich nicht zu laut vor sich hin. Und ich.... bin total glücklich meine Eltern nach so langer Zeit wieder ärgern zu können!

Wohnungssuche

Die darauf folgende Woche verbrachte ich damit Reiseführer zu durchforsten und den Plan für meine Eltern und Onkel Jens zusammenzustellen (der eigentlich ein Überraschungsgast sein sollte, aber meine Eltern haben sich bereits vorher verplappert und so wusste ich auch, dass er mit von der Partie ist ^^). Nebenbei bin ich auf Wohnungssuche für mein Praktikum und war gestern am Samstag den 13. 12. endlich auch mal erfolgreich. Nachdem die ersten beiden Wohnungen im Zimmer nicht mal die einfachen 3 Dinge wie Kleiderschrank, Bett und Schreibtisch bieten konnten, weit weg von meiner Praktikumsfirma waren und zu dem nicht gerade billig, habe ich im Internet einen wahren Schatz gefunden.
In der besagten Wohnung wohnen auch noch Amerikaner, Inder und Deutsche(alles Männer, aber zu Beginn nächsten Jahres ziehen die Deutschen aus). Bei der Fahrt zur Besichtigung erblickte ich voller Erstaunen das Gebäude, in dem die Firma sitzt bei der im Februar zu arbeiten beginne. Keine 5 min später biegt das Taxi in einen Komplex, der mir auch bekannt vorkommt – irgendwie. Es war der Komplex, in dem die Tante meiner Sprachpartnerin wohnt. Am Eingang wurde ich dann von David, einem Amerikaner abgeholt und sofort in die Wohnung geführt. Alles sehr sauber, Parkett Boden, Wohnzimmer, Esszimmer, 2 Badezimmer, Balkon mit Grill, mehrere Schlafzimmer, Küche und das alles auf 2 Etagen. Das alles bekomme ich ab Januar ab 2300 Yuan plus 250 Yuan Nebenkosten mitten in Pudong und nur 10 Gehminuten von meinem Praktikumsbetrieb. Ein besseres Angebot habe ich bis jetzt nicht gehabt. Also machte ich gleich Nägel mit Köpfen und wickelte die Männer um den Finger, sodass ich jetzt eine Wohnung für das kommende Praxissemester sicher habe!

Zwar wird der Dezember jetzt ganz schön stressig mit Ummelden und einziehen und Besuch aber aufregender geht es wohl glaube ich auch nicht!

Studentenleben - International Students Festival

Also die letzten 14 Tage waren ganz schön stressig. Neben dem Lernen für das Studium haben wir hier mehrere für internationale Studenten organisierte Veranstaltungen besucht und ich bin dabei gewesen für mein Praktikum eine Wohnung zu suchen und die Reiseplanung für meine Eltern in Shanghai durchzuplanen.

Also bevor ich mich jetzt überschlage an neuen Informationen beginne ich einfach bei Freitag dem 4.12. der uns einen wirklich schönen Abend bescherte. Die ausländischen Studenten aller Fakultäten stellten ein Programm auf die Beine mit dm sie der Tongji Universität ihr Land vorstellten. So gab es ein buntes lautes Gemisch aus Tanz, Musik, Gesang und Schauspiel. Jeder Student gab sich Mühe und versuchte in traditioneller bunter Tracht gekleidet die tollsten Künste seines Landes zu repräsentieren. Wir sahen Fächertänze aus Thailand, Tänze aus Afrika, Lieder aus Frankreich und Italien, die inoffizielle europäische Hymne dirigiert von einem Japaner, ein sehr eigenes Schauspiel von – wie sollte es auch anders sein - von einem Deutschen, Duette aus Tausend und einer Nacht und chinesische Lieder gesungen von Studenten aller Nationen. Die Fotos schoss Ain, ich versuchte das letzte bisschen Strom aus meinen Akkus herauszuquetschen und einige Videos zu drehen.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Jazzbar House of Blues and Jazz 29.11.2008

Diesmal hatten wir gleich Erfolg bei der Suche nach dieser Bar. Diese Bar ist nämlich die gleiche, auf die wir es schon einmal abgesehen hatte, die allerdings nur noch aus einem leeren Gebäude mit abmontierten Lettern bestand. Gar nicht schwer zu finden, ist diese Bar heimlich umgezogen und befindet sich jetzt in der Nähe vom Bund. Etwas früh erschienen wir um21.30 Uhr dort. Noch standen nur die Instrumente der Band herum und überall sah man Menschen plaudern. Die Bar war im Gegensatz zu unseren letzten Ausflügen wesentlich gehobenen, was man auch an der schweren, alten Innenausstattung sehen konnte. Alles war europäisch gehalten im klassischen Kolonialstil, aber trotzdem sehr gemütlich. Wir wurden von den Kellnern begrüßt (die übrigens alle männlich und zwischen 20 un30 waren und bestimmt so gut aussahen um die Frauen in die Bar zu locken) und wollten uns an einen Tisch in einer Ecke setzen, aber sofort wurden wir zurückgepfiffen. Dieser war wohl schon reserviert und so begnügten wir uns mit den Hockern an dem Tresen mit super Sicht auf die Band. Irgendwann marschierten die vier auch ein und begannen Kontrabass, Schlagzeug, Klavier und Akustikgitarre zu spielen. Etwas zu leise meiner Ansicht nach, denn wir konnten den Sänger nicht von den hundert anderen Stimmen im Raum unterscheiden. So bestellten wir uns erst mal Getränke von der Karte und mussten schon wieder feststellen, dass es diesmal bestimmt nicht billig für uns werden würde. Da die zahl 8 Glück für Chinesen bedeutet, gab es so gut wie keine Speise ohne diese Zahl. Also waren die meisten Cocktails um die 88Yuan, was bei deren Größe, Geschmack, Zutaten und vor allem der Kellner aus Anhui vollkommen überteuert und für die Ladenbesitzerin die reinste Gelddruckmaschine war.
Nach einer Pause spielte die Band wieder auf, diesmal aber mit Bassgitarre, E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, allesamt an einem Verstärker angeschlossen und nun richtig laut. Von nun an konnte man relaxed der Musik lauschen, wären da nicht diese bösen und gemeinen Zigarren gewesen, die auf einmal rings um uns herum auftauchten. Von dem Gestank wurde uns erst mal schlecht, aber die guten Plätze wollten wir trotzdem nicht aufgeben. Nach einer weiteren Pause der Band hatten wir eine nette Begegnung mit 2 Spaniern und einem Deutschen, die den Kellnern beibrachten, dass man deutsches Bier aus großen Biergläsern trinkt und nicht aus kleinen. Der Kellner bewies auch gleich Geschick Er stülpte das Weißbierglas auf die Flasche, drehte alles um und ließ das Gebräu herauslaufen, am Ende rubbelte er die Flasche nochmals zwischen den Fingern und auch der letzte Tropfen Schaum fand seinen Weg ins Glas. Um diese Einschenk-Kunst noch zu toppen holte er später 2 Pastillen, die das Bier abermals zum schäumen brachten. Eine tolle Angeberei und sehr witzig. Mit den neuen Bekanntschaften verbrachten wir den Rest des Abends bei wahnsinnig toller Musik und versuchten nicht an das riesige Loch in unseren Geldbeuteln nachzudenken.

Montag, 1. Dezember 2008

南京Nanjing 21-23.11.1008

Freitag um 18.18 Uhr bestiegen wir unseren Schnellzug nach Nanjing, der uns innerhalb von 2 Stunden in die ehemalige südliche 南 “nan“ Hauptstadt 京 „jing“ Chinas bringen sollte. Kaum eingestiegen waren wir auch schon da. Zuerst kauften wir eine überteuerte Stadtkarte und danach organisierten wir uns unter mehr als dubiosen Umständen ein Hotel für 2 Nächte, was pro Person ca. 60 Yuan kostete und dessen Badezimmer aus einer gläsernen Kabine mitten im Zimmer bestand. Aber egal, wir bleiben dort ja eh nur zum Schlafen. Unseren ersten Abend kosteten wir dann noch voll aus, denn Nanjing hat wirklich ein buntes Nachtleben zu bieten. Wir zog aus in die Kneipenstraße 1912, in der sich eine schicke Kneipe an die andere reiht gepaart von vielen Diskotheken und alles mächtig auf Luxus getrimmt. Wir ließen uns wiedereinmal von der Musik leiten und setzen uns in eine Bar, die wohlbemerkt Kronleuchter als beleuchtung vorzuweisen hatte. Was gleich auffiehl war, dass wir die einzigen Westler sind. Ansonsten gab es nur noch Chinesen, die ich mal grob zur oberen Schicht zähle. Allerdings ging es hier keineswegs hochgeschlossen und steif zu, nein über all an den mächtigen Tischen saßen die Leute in weich gepolsterten Sofas und spielten ein, für uns komplett undurchschaubares, Würfelspiel. Das einzige, was wir davon herausbekamen ist, dass der Verlierer Trinken muss. Wir bestellten uns Getränke und einen kunstvoll garnierten Obstteller und genossen für den rest des Abends die chinesische Popmusik, dargeboten von einer Liveband.

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen und fertig machen. Am Tag davor hatten wir nämlic noch eine Gruppenreise mit Chinesen gebucht und der Bus sollte gleich kommen. Wir also aufgesprungen, uns fertig gemacht, schnell och ein bisschen Frühstück und Getränke eingekauft und losgehetzt. In einem Kleinbus nahmen wir auch Platz und von da an ging es eigentlich nur noch kreuz und quer durch die Stadt. Zunächst sammelten wir die restlichen Touristen ein, wobei wir feststellten, dass unsere Kaschemme im Gegensatz zu den Behausungen der anderen Gäste noch wesentlich besser abschnitt.
Unser erster Ausflugspunkt hieß Yangzi. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einem speziellen Eierkuchenstand an, dessen Besitzer Wahrscheinlich mit dem Busfahrer verwandt ist, um typische Nanjinger Eierkuchen zu essen, die billiger und besser gewürzt sind als die Shanghaier. Am Fuße der einzigen Brücke, die die beiden Stadtteile von Nanjing miteinander verbindet stiegen wir aus und erklimmten die Brückenpfeiler mit....einem Fahrstuhl. Die Brücke ist eine Doppeldeckerbrücke, so konstruiert, dass unten die Bahn fährt und sich oben der Straßenverkehr abspielt. Wie wir feststellten war die Sicht nicht allzu gut, was an dem bekannten Nanjinger Nebel lag gemischt mit reichlich Smog. Trotzdem war der Ausblick überwältigend. So beeindruckt versuchten wir wenigstens die Mitte der Brücke zu erreichen, allerdings unterschätzen wir die Weite und mussten vorzeitig umkehren. Trotzdem die geballten Wassermassen bleiben mir in Erinnerung, genauso wie die alte Frau mit gebunden Füßen, die stolz ihre Hosenbeine lüftete, damit wir sie besser fotografieren konnten!
Unser nächster Anlaufpunkt war am anderen Ende der Stadt, sodass wir ungefähr 2 Stunden im Stau steckten und dann nur noch schnell durch das Konfuziusmuseum huschten. Trotz allem, zwang uns die Reiseleitung an einer Verkaufssession teilzunehmen...Wir sollte Gurkenschäler und scharfe Messer kaufen, die es wohl nur an diesem Ort gibt und die an die Formen zu Konfuzius’ Zeiten angelehnt sind. Glücklicher Weise entkamen wir der Verkaufattacke und erhaschten noch einen kurzen Blick auf eine konfuzianische Zeremonie. Hier stieß ich auch das erste Mal mit Wachleuten zusammen, als ich nur mal einen Blick in die Halle dahinter werfen wollte. Sofort schrillte ein Pfiff und ich musste zurückgehen.
Danach ging es ab in den Mouchou Gongyuan, einem weitläufigen Park mit kleinen Pavillons und großem See, der wie gegossen in das Stadtbild von Nanjing passt. Dort hielten wir uns auch ganze 30 min auf, erholten uns von den Busstrapazen (mittlerweile waren so viele Leute im Bus, dass der Kampf um die guten Plätze losging. Ich saß am Ende auf einem Platz, den man eigentlich mehr als Radkasten bezeichnen kann, zum Schluss eroberten wir dann aber doch noch mal bequemere Positionen!). Zum Mouchou See gibt es auch noch eine traurige Geschichte. Und zwar soll es einst ein Mädchen namens Mouchou gegeben haben, die auf den Wunsch ihres Vaters einen reichen Mann in Nanjing heiratete. Mit diesem neuem Leben war sie so unglücklich, dass sie keinen anderen Ausweg sah, als sich mit einem Sprung in den See das Leben zu nehmen.
Weiter ging es zum Yuhuatai Märtyrer Gedenkpark. Von der Gedenkstätte sahen wir allerdings nur den Eingang, denn wir hatten ja nicht so viel Zeit. Der Park besteht aus dichtem Wald, Pavillons, kleinen Gehwegen, den Grabstätten zum Gedenken der Märtyrer und allem was sich Chinesen so zur Erholung wünschen. Trotz unseres Zeitproblems fuhren wir aber zu einem Jadeverkauf auf dem Gelände. Die Ausstellungsstück waren auch wirklich graziös gemeißelt und wunderbar gefertigt, doch Alin und ich besaßen leider keine 160000 Yuan um einen riesigen Brunnen aus Jade zu kaufen.
Danach ging es ab in eine Siegelausstellung, die sich wiederum als perfekt angelegter Garten herausstellte und eigentlich bekannt ist für eine berühmte Kalligraphie. Viel bekamen wir von der Führung allerdings nicht mit, das diese wiederum in einem rasanten Chinesisch abgehalten wurde wie der Rest der Führung auch. Dann wurden wir von unserem quälenden Hunger erlöst und aßen in einem etwas überteuerten Restaurant zu Mittag. Frisch gestärkt unternahmen wir einen Ausflug zu einem buddhistischen Tempel inmitten eines Parks, der lustiger Weise lauter Miniaturbauten von berühmten Gebäuden in China beinhaltet. Im Tempel hielten wir uns ziemlich lange auf, was uns darin bestätigte, dass es in China im allgemeinen mehr Buddhisten gibt. Sogleich wohnten wir einer kleinen Zeremonie bei und konnten unsere Touristengruppe beim Beten zuschauen. Sehr interessant, aber man sollte sich davor hüten hier zu fotografieren...
Nun war es schon später Nachmittag und wir machten uns noch auf den Weg zum Purple Mountain, einem Berg, der zum Nationalpark erklärt wurde und mehrere Sehenswürdigkeiten besitzt, wie z.B. das Sun Yat-sen Mausoleum, den buddhistischen Linggu Tempel und kleine Ming Tombs, in denen Tierskulpturen zu finden sind. Von alldem sahen wir wieder nur den Eingang, was uns entgültig zu dem Entschluss brachte, dass wir von nun an wieder als Individualtouristen unterwegs sein werden.
Am Abend trudelten wir in unserem Gasthaus ein und verabredeten uns mit Dirk einem Kommilitonen aus Zwickau, der in Nanjing studiert. Mit ihm testeten wir Nanjings Cuisin, die eine spezielle salzige Ente als Spezialität zu bieten hatte. Nach einem kräftigen Mahl, setzten wir uns in ein Cafe und plauderten über die Erlebnisse in China. Dort hatten wir eine ganz eigene Erfahrung, denn Alin machte uns auf eine Ratte aufmerksam, die soeben die Wand senkrecht nach oben gelaufen war und deren nackter Schwanz nun aus dem Gitterost in der Decke heraus hing. Auch so etwas kann in einem etwas nobleren Cafe geschehen... das ist nun mal China so wie wir es kennen.

Am Sonntag sprangen Alin und ich ins Taxi und fuhren nochmals zum Purple Mountain. Wir konnten es uns einfach nicht nehmen lassen diesen Nationalpark zu besichtigen, dessen Eintrittpreise sich allerdings auch sehen lassen können für 80 Yuan marschierten wir straff an riesigen lauten chinesischen Touristengruppen vorbei mitten in eine Gedenkhalle für die beim Nanjing Massaker gestorbenen Soldaten. Wir legten noch einen Zahn zu, denn wir wollten nicht schon wieder als Fotoopfer missbraucht werden und noch ein bisschen von der morgendlichen Ruhe des Waldes genießen. So besichtigten wir den Lingu Tempel kurzer Hand uns wanderten dann ein bisschen durch das Gelände des in wunderschönen Herbsttönen getünchten Waldes. Unseren nächsten Stopp machten wir an einer Pagode, die ich auch gleich erklimmte um die Aussicht über dieses Schutzgebiet zu genießen. Ach es tat mal wieder richtig gut aus dem städtischen Muff herauszukommen und „Berge“ zu sehen. Nach diesem Streifzug stiegen wir in eine winzige Tschu-Tschu-Bahn ein, die uns auf einer schmalen Straße zum Sun Yat-sen Mausoleum kutschierte. Dort waren wir erst mal ziemlich beeindruckt von der Höhe es Mausoleums, denn 397 Treppen führten zu seiner Grabstätte. Gleich erklimmten wir auch diesen Hügel und gesellten uns prustend und schnaubend zu den anderen tausenden chinesischen und ausländischen Touristen. Das Mausoleum wurde eigens für den Begründer der Republik angelegt und soll im Ganzen die Form einer Glocke haben, die wiederum mit der Aura des Staatsmannes harmonisiert! Egal, wie diese Form auch ist, der Ausblick vom Berg war fantastisch und so verweilten wir hier noch ein bisschen. Eigentlich wollten wir uns nun noch die Ming Tombs anschauen, dafür hätten wir aber nochmals extra Geld bezahlen müssen und so beschlossen wir mit dem Taxi zurück zufahren und gemütlich eine Runde um den städtischen See dem Schwarzer-Drachen-See Xuánwǔhú 玄武湖zu spazieren. Auch hier bestiegen wir fauler Weise ein kleines Auto, was uns einmal am nebeligen Ufer entlang fuhr. Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein superleckeres Essen in einer japanischen Nudelrestaurant und machten uns auf dem Heimweg.