Freitag, 19. Dezember 2008

Flamenco

Heute Abend war ich das erste mal bei einer Flamenco Tanz Aufführung. Mit 2 Franzosen und einem Deutschen ging es in ein Theater mitten im Jingan-District in der Westnanjing Rd. Dort konnten wir einer sowohl atemberaubenden als auch lustigen Aufführung spanischer Flamenco Tänzer zusehen. Eine Frau und ein Mann tanzten wie wild zu dem Geklatsche von einem anderen Mann, dem Spiel zweier Gitarristen und dem Gesange eines vollbrüstigen älteren Herren. Die Tänzer ließen sich nicht lumpen und brachten das Theater zum glühen mit ihren flinken Schritten über dem Parkett.

Sehr beeindrucken und interessant, aber der Tanz ist eindeutig dazu da um sich selbst darzustellen, was den Herren auch sehr gut gelang!

Morgen früh um 4.30 steh ich auf um nach Chongqing, der flächenmäßig größten Stadt der Welt, aufzubrechen. Dort werden Alin und ich uns zu über die Weihnachtsferien hinweg aufhalten und die Gegend um den Yangzi, die Dazu Rocks und den Leshan und Emeishan erkunden. Deshalb wünsch ich schon mal allen ein fröhliches Fest, falls ich keinen Internetzugang finde!!

Liebe Grüße an alle!!

Mittwoch der chaotischste Tag bis jetzt

Nach der Universität bin ich mit meinen Eltern zum Abschied Mittagessen gegangen beim Japaner. Es gab Nudelsuppe und Spieße, Reis und alles gut gewürzt. Nach einer recht kurzen Verabschiedung, fuhr ich dann meinen Schlüssel für die neue Wohnung abholen und meine Eltern brachen auf zu ihrer Reise von Xi'an nach Tibet.
Auf dem Weg zu der Wohnung hatte ich, wie sollte es auch anders sein in der größten Zeitnot, meinen ersten Taxiunfall hier in China. 1 Meter hat gefehlt und wir hätten gestanden, doch so stupste die Nase des Taxis leicht den Jeep und ich musste das Taxi wechseln. Es ist nichts passiert, außer das mal wieder alle um uns herum gestarrt haben. Mit meinem nächsten Taxi hatte ich dann etwas mehr Glück und kam noch halbwegs pünktlich zur Schlüsselübergabe an.
Da ich nun den Wohnort wechsle muss ich mich polizeilich ummelden. Und hierbei habe ich erstmals wissentlich korrumpiert in China. Der Amerikaner, mit dem ich den Mietvertrag geschlossen habe, kennt nämlich eine Frau in der nächstgelegenen Polizeistation und so marschierten wir an der Schlang vorbei in ein Hinterzimmerchen und innerhalb von 5 min hatte ich meine neue Aufenthaltsgenehmigung, ohne auch nur etwas anderes zeigen zu müssen, als den Reisepass. Überrascht hat mich dies, erstens weil ein Ausländer Zugang zu den internen Beziehungen der Polizei hat und zweitens hatte ich mich schon auf einen großen Papierkrieg eingestellt und war doch etwas enttäuscht aber auch erleichtert, dass mir der Vorgeschmack auf chinesische Bürokratie erspart blieb.

Zurück in der Tongji Universität begannen die Vorbereitungen für eine kleine Weihnachtsfeier für unsere Sprachpartner. Das gute Weihnachtsgebäck von Alins und meiner Mutti kam zum Einsatz, genauso wie der ebenfalls von Alin importierte Plastikweihnachtsbaum mit echten Kerzen und kleinen Kugeln! Insgesamt gab es eine Fressorgie (anders kann man es einfach nicht beschreiben) bei der wir Stollen, Plätzchen, Pfefferkuchen, deutsche Schokolade, Spekulatius und Zimtsterne verspeisten. Das ganze dauerte mindestens 3 Stunden und hinterher waren alle mindestens so kugelrunde, wie der Bauch des Weihnachtsmanns.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Xujiahui und Südshanghai徐汇区

Heute hab ich meine Eltern und Jens zu dem von mir schon begutachteten Longhua – Tempel龙华寺und zum Märtyrerdenkmal龙华烈士陵园nach Südshanghai geschickt. Dort bin ich dann am frühen Nachmittag zu ihnen gestoßen und die Besichtigungstour ging weiter. Wir haben uns auf den Weg ins Technologiezentrum von Shanghai gemacht, allerdings besichtigten wir dann eine alte katholische Kathedrale, die nach einem chinesischen Missionar benannt wurde. Ja auch in China versuchten die Christen ihren Glauben zu bleiben und haben es sogar bis zum damaligen Kaiserhof geschafft. Jedoch nur im Bereich der Astrologie, in denen die Europäer den Chinesen um eine Nasenlänge voraus waren. So übernahm man das Astronomische System, aber das Christentum wurde niemals zum Staatglauben erhoben.
Danach kreisten wir ungefähr 4 mal um den selben Fleck herum ohne die alte und berühmte Bibliotheca Zi-Ka-Wei徐家汇藏书楼zu sehen. Kein Wunder....Ein falsches Foto, ein Stadtplan ohne Straße und riesige neue Wolkenkratzer, die die kleine Bibliothek verschlucken. In einer Nische zwischen beiden Hochhäusern fanden wir dann ein dreistöckiges Gebäude, was die hoch gepriesene Bibliothek darstellen sollte. Leider konnten wir nur eine Gemäldeausstellung besichtigen und einen kurzen Blick auf einen der alten Lesesäle erhaschen, bevor wir vom Personal erwischt wurden und sanft wieder herausgedrängt wurden, da wir nicht im Besitz eines Mitgliedsausweises waren.
Nach diesem etwas ärgerlichen Ereignis ging es ab zum Stoffmarkt, bei dem sich unsere Wege trennten. Meine Mutti und ich streiften durch die rieseigen Stoffballen und für meine Mutti sprang dabei ein hübscher kleiner Kurzmantel heraus, den wir in der übernächsten Woche abholen, wenn wir ale wieder von unseren Reisen zurück sind. Papa und Jens sind derweilen durch die Gassen der, sich neben dem Stoffmarkt befindenden, alten Stadt gelaufen und haben Federvieh und andere Dinge beobachtet. Danach ging es ab zum Abendbrot bei einem richtig guten vietnamesischen Restaurant: Aniseed (Sternanis da hui xiang 大茴香)! Dort haben wir gespeist wie die Götter in Frankreich und auch der kleine Stau im Voraus ist dadurch wieder wettgemacht. So zartes Fleisch habe ich wirklich noch nie in meinem Leben gegessen!
Am Abend schlenderten wir nochmals durch die riesige Shoppingmall Wujiaochang in der Nähe des Hotels und ich zeigte meinen Eltern und Jens die Welt des chinesischen Konsums, in dem kleine Kinder komplett in Pinke Barbiekleider gehüllt werden können und von einem Spielzeugladen in den nächsten stürzen.

Montag, 15. Dezember 2008

Stadtteil Hongkou 虹口

Heute hab ich meine Eltern in diesen Teil Shanghais geschickt, das ist der Abschnitt in der der unten beschriebene Luxun – Park鲁迅公园liegt. In der Literatenstraße bin ich pünktlich zum Mittagessen zu ihnen gestoßen und hab ihnen mal die kulinarischen Spezialitäten Koreas näher gebracht. Nach viel Gelächter und kaum einen Bissen von den leckeren Gerichten hab ich dann doch noch Besteck nachbeordert und dann ging das große Festessen los. Vor uns wurde live gegrillt und wir hatten einen Tisch voller scharfer saurer Speisen, dass die Beine fast barsten! Jens hat sich auch mal an das Qingdao Pijiu gewagt, das Bier, was in Qingdao nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Besonders beeindruckt waren die beiden Männer von der Größe der 0,6 Liter Falschen. Gut gestärkt ging es dann auf zu dem ehemaligen jüdischen Ghetto Shanghais mit einer bekannten Synagoge, die heute als Museum dient und nicht mehr zur Ausübung des Glaubens genutzt wird. Doch bevor wir an der Ohel Moishe Synagoge摩西会堂ankamen war es ein etwas längerer Weg... Mein Papa hatte in einem Anflug von Kühnheit dem Taxifahrer gesagt an welcher Straße er halten soll... Nun ja einige Parallelstraßen weiter befand sich unser Ziel dann auch. Bis dorthin schlenderten wir durch das in Backsteinen erbaute Viertel. In dem Museum selbst waren wir die einzigen Gäste und bekamen eine Privatführung auf einem chinesisch-englisch Mix, den ich dann versuchte halbwegs korrekt zu übersetzen. Danach erkundeten wir den Stadtteil weiter und gingen vorbei an kleinen Läden, Werkstätten, Gässchen und einem Park. Besonders begeistert hatte uns ein Markt. Typisch chinesisch war hier alles sehr frisch und lebendig, krabbelte, zappelte, wabbelte und sah ungewöhnlich anders aus. Neben den verschiedensten Gewürzen in allen Farben standen riesige Gemüsestände mit x-Arten von Zucchini und Gurke. Fleischstand reihte sich an Fleischstand und meinem Vater lief schon wieder das Wasser im mund zusammen. Auch der Anblick von Entenköpfen und lebenden Krabben und Hühnerfüßen konnten den Mund nicht trockenen. So beschlossen wir nach einem geruchsintensiven Abstecher in die Fischabteilung ein anderes Restaurant aufzusuchen.
Das Taxi spuckte uns dann in einer komplett neuen Welt aus. Am Wujiaochang, einem riesigen Platz mit 5 Shoppingmalls, an dem sich 5 Straßen treffen. Hier aßen wir in einem Restaurant typische Chinesische Küche und danach spazierten wir zurück zum Hotel.

Heute war ein Tag der vielen Eindrücke, denn neben den alten Bauten und verfallenen Häusern haben wir die überall gegenwärtige Konsumwelt Shanghais kennen gelernt. Heute haben sich Arm und Reich, Dreck und Sauberkeit, Kultur und Konsum die Klinke in die Hand gegeben und ein für Shanghai wirklich typisches Bild gezeichnet.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Meine Eltern und Jens - auf nach Shanghai

Juchu, meine Eltern und Jens kommen zu Besuch!!!!!
Ganz früh bin ich heute aufgestanden um noch den letzten feinschliff für den Besuch meiner Eltern vorzunehmen, also noch mal putzen, aufräumen, die Pläne ausdrucken, die auf stolze 60 Seiten kommen und mich mental auf ein Wiedersehen einstellen. Ganz ehrlich konnte ich den Tag davor kaum still halten und bin nur sehr schlecht eingeschlafen. Zum einen war ich sehr aufgekratzt vor Freude meine Lieben wieder zu sehen, zum anderen mache ich mir doch auch ein wenig Sorgen um sie in so einer riesigen, fremden Metropole ohne auch nur den hauch von Chinesischkenntnissen und nur gebrochenem Englisch!
Aber egal. Um 11.20 klingelte mein Handy und mein Papa war dran. Alle sind wohlbehalten nach einem Flug mit wenig Schlaf im Hotel angekommen und warten darauf, dass ich sie abhole! Also schnappte ich mir mein Zeug und meinen neuen (ich muss mal angeben) Backpack-Rucksack zum Bus gezogen und zum Hotel gefahren, das ca. 10 Fahrminuten entfernt liegt. Dort bog ich in die Lobby ein und sah gleich meinen Onkel auf dem Sofa sitzend und bin erst mal auf ihn zugestürmt um ihm noch sein Geburtstagsgeschenk zu geben...ein kleines Stück chinesisch Buttercreme-Torte aus einer chinesischen Konditoreikette. Dann kamen auch schon meine Eltern aus dem Fahrstuhl gestürmt und nach einer dicken Umarmung durfte ich die mitgebrachten Schätze auf dem Hotelzimmer begutachten! Darunter befinden sich z.B. selbstgebackene Plätzchen aus Schokolade von meiner Mutti, viel Weihnachtsschokolade (der Weihnachtsmann war leider etwas mitgenommen vom Flug), Lebkuchen, einen echten Dresdner Christstollen, Geschenke für die Sprachpartner, Bücher und typische Dinge, die ein Mädchen zum überleben braucht! Nicht zu vergessen das Weihnachtsgeschenk von Oma, was aber noch bis zum Festtag verschlossen bleibt – versprochen! Mit samt den ganzen Sachen ging es dann mein Studentenzimmer begutachten und abladen. Danach kam die erste Härteprüfung für meine Verwandtschaft.
Der Besuch beim Uiguren – meinem Lieblingsnudelrestaurant – entpuppte sich als sehr heimtückisch. Zum Glück saßen wir im Hinterzimmer, denn schon allein dort schafften wir es genügend Chinesen zu unterhalten. Es war das erste Mal das meine Eltern und Jens Stäbchen benutzten. Um so lustiger war es, dass sie sich extra für diesen Fall Besteck mitgenommen hatten, was nun aber alleingelassen im Hotelzimmer lag und noch auf seinen Einsatz wartet.
So versuchte ich mein Bestes mit meinen auch nicht perfekten Fähigkeiten ihnen beizubringen, wie man die Stäbchen hält, ohne einen Krampf im ganzen Arm zu bekommen. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen wie schwer es ist überhaupt erst mal zwei Stäbchen parallel in der hand zu halten und die Spitzen aufeinander zu führen.
Das Ende des Liedes war: Mein Papa, wie sollte es auch anders sein, kam ganz gut klar, wie immer wenn es ums Essen geht, Onkel Jens hat einen starken Willen besessen und es bis zur letzten Nudel versucht. Auch Mutti hat gekämpft, aber irgendwann, nachdem wir schon fast fertig waren, hat sie dann zum Suppenlöffel gegriffen um auch noch satt zu werden.
Gut genährt machten wir noch einen kurzen Spaziergang über den Campus und wurden noch mehr angestarrt als sonst, sieht ja auch lustig aus so eine deutsche Familie. Danach ging es ab zum Bund wo wir den Abend ausklingen ließen bei einem Bummel über die Promenade und einem Tee, Bier und Kaffee im Restaurant mit Blick auf Pudong.
Jetzt liegen alle friedlich in ihrem Bettchen und schnarchen hoffentlich nicht zu laut vor sich hin. Und ich.... bin total glücklich meine Eltern nach so langer Zeit wieder ärgern zu können!

Wohnungssuche

Die darauf folgende Woche verbrachte ich damit Reiseführer zu durchforsten und den Plan für meine Eltern und Onkel Jens zusammenzustellen (der eigentlich ein Überraschungsgast sein sollte, aber meine Eltern haben sich bereits vorher verplappert und so wusste ich auch, dass er mit von der Partie ist ^^). Nebenbei bin ich auf Wohnungssuche für mein Praktikum und war gestern am Samstag den 13. 12. endlich auch mal erfolgreich. Nachdem die ersten beiden Wohnungen im Zimmer nicht mal die einfachen 3 Dinge wie Kleiderschrank, Bett und Schreibtisch bieten konnten, weit weg von meiner Praktikumsfirma waren und zu dem nicht gerade billig, habe ich im Internet einen wahren Schatz gefunden.
In der besagten Wohnung wohnen auch noch Amerikaner, Inder und Deutsche(alles Männer, aber zu Beginn nächsten Jahres ziehen die Deutschen aus). Bei der Fahrt zur Besichtigung erblickte ich voller Erstaunen das Gebäude, in dem die Firma sitzt bei der im Februar zu arbeiten beginne. Keine 5 min später biegt das Taxi in einen Komplex, der mir auch bekannt vorkommt – irgendwie. Es war der Komplex, in dem die Tante meiner Sprachpartnerin wohnt. Am Eingang wurde ich dann von David, einem Amerikaner abgeholt und sofort in die Wohnung geführt. Alles sehr sauber, Parkett Boden, Wohnzimmer, Esszimmer, 2 Badezimmer, Balkon mit Grill, mehrere Schlafzimmer, Küche und das alles auf 2 Etagen. Das alles bekomme ich ab Januar ab 2300 Yuan plus 250 Yuan Nebenkosten mitten in Pudong und nur 10 Gehminuten von meinem Praktikumsbetrieb. Ein besseres Angebot habe ich bis jetzt nicht gehabt. Also machte ich gleich Nägel mit Köpfen und wickelte die Männer um den Finger, sodass ich jetzt eine Wohnung für das kommende Praxissemester sicher habe!

Zwar wird der Dezember jetzt ganz schön stressig mit Ummelden und einziehen und Besuch aber aufregender geht es wohl glaube ich auch nicht!

Studentenleben - International Students Festival

Also die letzten 14 Tage waren ganz schön stressig. Neben dem Lernen für das Studium haben wir hier mehrere für internationale Studenten organisierte Veranstaltungen besucht und ich bin dabei gewesen für mein Praktikum eine Wohnung zu suchen und die Reiseplanung für meine Eltern in Shanghai durchzuplanen.

Also bevor ich mich jetzt überschlage an neuen Informationen beginne ich einfach bei Freitag dem 4.12. der uns einen wirklich schönen Abend bescherte. Die ausländischen Studenten aller Fakultäten stellten ein Programm auf die Beine mit dm sie der Tongji Universität ihr Land vorstellten. So gab es ein buntes lautes Gemisch aus Tanz, Musik, Gesang und Schauspiel. Jeder Student gab sich Mühe und versuchte in traditioneller bunter Tracht gekleidet die tollsten Künste seines Landes zu repräsentieren. Wir sahen Fächertänze aus Thailand, Tänze aus Afrika, Lieder aus Frankreich und Italien, die inoffizielle europäische Hymne dirigiert von einem Japaner, ein sehr eigenes Schauspiel von – wie sollte es auch anders sein - von einem Deutschen, Duette aus Tausend und einer Nacht und chinesische Lieder gesungen von Studenten aller Nationen. Die Fotos schoss Ain, ich versuchte das letzte bisschen Strom aus meinen Akkus herauszuquetschen und einige Videos zu drehen.