Freitag, 26. Dezember 2008

20.12.Chongqing 重庆

Der Hinweg

Als besonders ereignisreich gestaltete sich schon unser Hinweg zum Flughafen, denn wie nicht anders zu erwarten, hatten Alin und ich das Glück auf einen schon etwas betagten Taxifahrer zu treffen. Zur Sicherheit der Gäste war im Taxi nämlich ein Tempomat eingebaut, der immer laut piepte, wenn er über 80 km/h fuhr. Nicht nur, dass er alt war, nein auch seine Sehkraft war stark beschränkt. Da er wahrscheinlich nicht so oft zum Flughafen fährt musste er sich dauernd nach den Schildern umsehen. Selbst mit seiner 1 cm dicken Brille gelang es ihm nicht die Schilder zu lesen. So fuhren wir in einem Schneckentempo die leere Autobahn entlang, er gab Gas, es piepte nach 2 min, er sah ein Schild, bremste ab, blieb fast stehen und ca. 2 m vor dem Schild konnte er es dann lesen und gab wieder Gas. Auf diese Weise zuckelten wir 5 Uhr früh über die Autobahn in Richtung Flughafen und wurden dabei nicht nur von anderen Autos überholt, nein, selbst wirklich langsame Schwerlasttransporte rasten buchstäblich an uns vorbei. Nach einer guten Stunden kamen wir aber trotzdem an und hetzten zu unserem Flugzeug. Bei der Sicherheitskontrolle gelang es mir übrigens meine Ansammlung an Duschgel und Shampoo sowie ein Nagelscherenset mit in die Passagierkabine zu schmuggeln. Während Alin ihren kleinen Rucksack mit dem selben Inhalt aufgeben musste und sich halb nackelig machte, als sie bei der zweiten Sicherheitskontrolle zu piepen begann. Pünktlich schafften wir es zum Flugzeug, einer kleinen Maschine von Shanghai Airlines und lehnten uns in den Sitzen zurück. Kaum starteten wir, erlebten wir die erste Überraschung. Beim Ausblick aus dem Fenster konnten wir eine scharf abgeschnittene, weiße Dunstglocke über Shanghai feststellen. Dies war umso überraschender, als das wir die ganzen Tage glaubten blauen Himmel zu sehen. Diese riesige Smogwolke befindet sich höchstwahrscheinlich die ganze Zeit über Shanghai, man sagt ja auch, ein Jahr in Shanghai leben ist wie ein Jahrlang Kettenraucher zu sein. Trotzdem ist die Smogwolke nichts im Vergleich zu der Smogwolke des Molochs Chongqing, wohin es uns verschlagen sollte. Der Shanghaier Smog ist weiß, der Chongqinger Smog hat eine eher gelblich gräuliche Farbe und brennt spürbar in den Lungen. Als eine der dreckigsten Städte weltweit hat Chongqing auch schon einige Maßnahmen dagegen ergriffen. Beispielsweise fahren die Taxis und Busse alle mit Gas. So ein Taxi brachte uns dann auch wohlbehalten zu unserem Hostel, wo wir das Gepäck abstellten und unseren Trip durch die Stadt begannen.

Chongqing, die größte Stadt der Welt

Auf unserer Erkundungstour durch die flächenmäßig größte Stadt der Welt bestätigte sich ein chinesisches Sprichwort: Chongqing ist eine Stadt, in der keine Straße gerade ist, entweder geht es bergauf oder abwärts. Gelegen am Zusammenfluss des Yangzi mit dem Jialing besteht der Mittelpunkt der Stadt aus einer Tropfenförmigen Insel, deren Berge bis in den kleinsten Winkel bebaut wurden. Zunächst verschlug es uns in die ehemalige Alte Stadt Ciqikou 磁器口 in der sich Souvenirshop an Souvenirshop reihten und sich Häuser im typischen Baustil befanden. Dort begaben wir uns auf die Spuren der Treidler und stiegen die steilen Treppen hinab zum Fluss und an anderer Stelle wieder herauf. Es ist fast unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass die Männer und Frauen hier riesige Lasten Schultern und hier Schiffe umgeschlagen wurden nur mit Hilfe körperlicher Arbeit. Zum Mittagessen waren wir so kühn und bestellten ein scharfes Essen. Die Provinz Sichuan ist sowieso bekannt für ihre gute Küche und Chongqing für seine Speisen die mala 麻辣sind ma麻 steht für betäubend, was durch den chinesischen Blütenpfeffer hervorgerufen wird und la 辣 steht für scharf. Was wir als scharfes Hühnchen bestellt hatten, kam als riesige Pfanne mit roten und grünen Chilischoten zurück in der man das Fleisch suchen musste. Neben allen möglichen scharfmachenden Gewürzen kamen auch Hühnerfüßchen zum Vorschein und im Nachhinein stellten wir fest, das auf der Karte sogar Hund angeboten wurde. Tapfer aßen wir unsere Mahlzeit und waren über jeden Bissen Reis glücklich, der das Brennen in unserem Mund löschte. Mit roten Gesichtern stiegen wir in den nächsten Bus.
Bus fahren ist übrigens auch sehr sehr lustig. Man stellt sich einfach an den Straßenrand und wenn dann die Linie vorbeifährt, die man braucht, winkt man einfach dem Busfahrer und erfährt an den Rand. Dann steigt man ein und zahlt bei einer Frau das Busticket. Nach ca. 2 stündiger Fahrt durch alle möglichen Gassen Chongqings kamen wir im Zentrum an, das ein bisschen an die Nanjinglu erinnerte, denn alles war auf Hochglanz poliert, beleuchtet und riesige Kaufhäuser wechselten sich mit Restaurants ab. Im Mittelpunkt befand sich ein interessantes Türmchen, was glaube ich namengebend für die Einkaufsmeile Jiefangbei 解放碑war. Zu Fuß ging es zum Zusammentreffen der beiden Flüsse an die Spitze der Insel Chaotianmen 朝天门. Bunt beleuchtet waren hier die Gebäude und Schiffe. Ein Pause gönnten wir uns hier und schauten den Damen beim Tanzen zu und spazierten später die Promenade zurück zum Hotel.
Insgesamt versprüht Chongqing einen Charme, den ich einfach nicht wiederstehen kann. Mit seinen winzigen Straßen, Brücken und Bergen, den steil an die Felswand gebauten Häusern und den temperamentvollen Menschen hat mich Chongqing in seinen Bann gezogen. Bestätigen könne wir nun auch, das Chongqing die schönsten Frauen Chinas vorzuzeigen hat und außerdem seinem Ruf als Metropole getreu wird.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

shengdanjie kuaile 圣诞节快乐, Merry Christmas, Froehliche Weihnachten!

Wir sind in Chengdu angekommen und ich kann euch allen froehliche Weihnachten wuenschen aus dem Land der Mitte, der Provinz Sichuan und aus der Stadt Chengdu. Einen Grossteil des angekuendigten Programms haeben wir schon geschafft. So erlebten wir bespielsweise weisse Weihnachten auf dem Emeishan. Ich hoffe, ihr habt alle ein wunderschoenes Weihnachtsfest und verbringt die Zeit mit euren Liebsten!

Wenn wir wieder in Shanghai sind, gibt es ausfuehrlichere Berichte!
Bis bald

Sabrina

Freitag, 19. Dezember 2008

Chongqing

Ein kurzes Lebenszeichen. Alin und ich sind heil in Chongqing angekommen, haben ein Dach ueber dem Kopf und machen uns nun auf zur ersten Sightseein-Tour.

Flamenco

Heute Abend war ich das erste mal bei einer Flamenco Tanz Aufführung. Mit 2 Franzosen und einem Deutschen ging es in ein Theater mitten im Jingan-District in der Westnanjing Rd. Dort konnten wir einer sowohl atemberaubenden als auch lustigen Aufführung spanischer Flamenco Tänzer zusehen. Eine Frau und ein Mann tanzten wie wild zu dem Geklatsche von einem anderen Mann, dem Spiel zweier Gitarristen und dem Gesange eines vollbrüstigen älteren Herren. Die Tänzer ließen sich nicht lumpen und brachten das Theater zum glühen mit ihren flinken Schritten über dem Parkett.

Sehr beeindrucken und interessant, aber der Tanz ist eindeutig dazu da um sich selbst darzustellen, was den Herren auch sehr gut gelang!

Morgen früh um 4.30 steh ich auf um nach Chongqing, der flächenmäßig größten Stadt der Welt, aufzubrechen. Dort werden Alin und ich uns zu über die Weihnachtsferien hinweg aufhalten und die Gegend um den Yangzi, die Dazu Rocks und den Leshan und Emeishan erkunden. Deshalb wünsch ich schon mal allen ein fröhliches Fest, falls ich keinen Internetzugang finde!!

Liebe Grüße an alle!!

Mittwoch der chaotischste Tag bis jetzt

Nach der Universität bin ich mit meinen Eltern zum Abschied Mittagessen gegangen beim Japaner. Es gab Nudelsuppe und Spieße, Reis und alles gut gewürzt. Nach einer recht kurzen Verabschiedung, fuhr ich dann meinen Schlüssel für die neue Wohnung abholen und meine Eltern brachen auf zu ihrer Reise von Xi'an nach Tibet.
Auf dem Weg zu der Wohnung hatte ich, wie sollte es auch anders sein in der größten Zeitnot, meinen ersten Taxiunfall hier in China. 1 Meter hat gefehlt und wir hätten gestanden, doch so stupste die Nase des Taxis leicht den Jeep und ich musste das Taxi wechseln. Es ist nichts passiert, außer das mal wieder alle um uns herum gestarrt haben. Mit meinem nächsten Taxi hatte ich dann etwas mehr Glück und kam noch halbwegs pünktlich zur Schlüsselübergabe an.
Da ich nun den Wohnort wechsle muss ich mich polizeilich ummelden. Und hierbei habe ich erstmals wissentlich korrumpiert in China. Der Amerikaner, mit dem ich den Mietvertrag geschlossen habe, kennt nämlich eine Frau in der nächstgelegenen Polizeistation und so marschierten wir an der Schlang vorbei in ein Hinterzimmerchen und innerhalb von 5 min hatte ich meine neue Aufenthaltsgenehmigung, ohne auch nur etwas anderes zeigen zu müssen, als den Reisepass. Überrascht hat mich dies, erstens weil ein Ausländer Zugang zu den internen Beziehungen der Polizei hat und zweitens hatte ich mich schon auf einen großen Papierkrieg eingestellt und war doch etwas enttäuscht aber auch erleichtert, dass mir der Vorgeschmack auf chinesische Bürokratie erspart blieb.

Zurück in der Tongji Universität begannen die Vorbereitungen für eine kleine Weihnachtsfeier für unsere Sprachpartner. Das gute Weihnachtsgebäck von Alins und meiner Mutti kam zum Einsatz, genauso wie der ebenfalls von Alin importierte Plastikweihnachtsbaum mit echten Kerzen und kleinen Kugeln! Insgesamt gab es eine Fressorgie (anders kann man es einfach nicht beschreiben) bei der wir Stollen, Plätzchen, Pfefferkuchen, deutsche Schokolade, Spekulatius und Zimtsterne verspeisten. Das ganze dauerte mindestens 3 Stunden und hinterher waren alle mindestens so kugelrunde, wie der Bauch des Weihnachtsmanns.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Xujiahui und Südshanghai徐汇区

Heute hab ich meine Eltern und Jens zu dem von mir schon begutachteten Longhua – Tempel龙华寺und zum Märtyrerdenkmal龙华烈士陵园nach Südshanghai geschickt. Dort bin ich dann am frühen Nachmittag zu ihnen gestoßen und die Besichtigungstour ging weiter. Wir haben uns auf den Weg ins Technologiezentrum von Shanghai gemacht, allerdings besichtigten wir dann eine alte katholische Kathedrale, die nach einem chinesischen Missionar benannt wurde. Ja auch in China versuchten die Christen ihren Glauben zu bleiben und haben es sogar bis zum damaligen Kaiserhof geschafft. Jedoch nur im Bereich der Astrologie, in denen die Europäer den Chinesen um eine Nasenlänge voraus waren. So übernahm man das Astronomische System, aber das Christentum wurde niemals zum Staatglauben erhoben.
Danach kreisten wir ungefähr 4 mal um den selben Fleck herum ohne die alte und berühmte Bibliotheca Zi-Ka-Wei徐家汇藏书楼zu sehen. Kein Wunder....Ein falsches Foto, ein Stadtplan ohne Straße und riesige neue Wolkenkratzer, die die kleine Bibliothek verschlucken. In einer Nische zwischen beiden Hochhäusern fanden wir dann ein dreistöckiges Gebäude, was die hoch gepriesene Bibliothek darstellen sollte. Leider konnten wir nur eine Gemäldeausstellung besichtigen und einen kurzen Blick auf einen der alten Lesesäle erhaschen, bevor wir vom Personal erwischt wurden und sanft wieder herausgedrängt wurden, da wir nicht im Besitz eines Mitgliedsausweises waren.
Nach diesem etwas ärgerlichen Ereignis ging es ab zum Stoffmarkt, bei dem sich unsere Wege trennten. Meine Mutti und ich streiften durch die rieseigen Stoffballen und für meine Mutti sprang dabei ein hübscher kleiner Kurzmantel heraus, den wir in der übernächsten Woche abholen, wenn wir ale wieder von unseren Reisen zurück sind. Papa und Jens sind derweilen durch die Gassen der, sich neben dem Stoffmarkt befindenden, alten Stadt gelaufen und haben Federvieh und andere Dinge beobachtet. Danach ging es ab zum Abendbrot bei einem richtig guten vietnamesischen Restaurant: Aniseed (Sternanis da hui xiang 大茴香)! Dort haben wir gespeist wie die Götter in Frankreich und auch der kleine Stau im Voraus ist dadurch wieder wettgemacht. So zartes Fleisch habe ich wirklich noch nie in meinem Leben gegessen!
Am Abend schlenderten wir nochmals durch die riesige Shoppingmall Wujiaochang in der Nähe des Hotels und ich zeigte meinen Eltern und Jens die Welt des chinesischen Konsums, in dem kleine Kinder komplett in Pinke Barbiekleider gehüllt werden können und von einem Spielzeugladen in den nächsten stürzen.

Montag, 15. Dezember 2008

Stadtteil Hongkou 虹口

Heute hab ich meine Eltern in diesen Teil Shanghais geschickt, das ist der Abschnitt in der der unten beschriebene Luxun – Park鲁迅公园liegt. In der Literatenstraße bin ich pünktlich zum Mittagessen zu ihnen gestoßen und hab ihnen mal die kulinarischen Spezialitäten Koreas näher gebracht. Nach viel Gelächter und kaum einen Bissen von den leckeren Gerichten hab ich dann doch noch Besteck nachbeordert und dann ging das große Festessen los. Vor uns wurde live gegrillt und wir hatten einen Tisch voller scharfer saurer Speisen, dass die Beine fast barsten! Jens hat sich auch mal an das Qingdao Pijiu gewagt, das Bier, was in Qingdao nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Besonders beeindruckt waren die beiden Männer von der Größe der 0,6 Liter Falschen. Gut gestärkt ging es dann auf zu dem ehemaligen jüdischen Ghetto Shanghais mit einer bekannten Synagoge, die heute als Museum dient und nicht mehr zur Ausübung des Glaubens genutzt wird. Doch bevor wir an der Ohel Moishe Synagoge摩西会堂ankamen war es ein etwas längerer Weg... Mein Papa hatte in einem Anflug von Kühnheit dem Taxifahrer gesagt an welcher Straße er halten soll... Nun ja einige Parallelstraßen weiter befand sich unser Ziel dann auch. Bis dorthin schlenderten wir durch das in Backsteinen erbaute Viertel. In dem Museum selbst waren wir die einzigen Gäste und bekamen eine Privatführung auf einem chinesisch-englisch Mix, den ich dann versuchte halbwegs korrekt zu übersetzen. Danach erkundeten wir den Stadtteil weiter und gingen vorbei an kleinen Läden, Werkstätten, Gässchen und einem Park. Besonders begeistert hatte uns ein Markt. Typisch chinesisch war hier alles sehr frisch und lebendig, krabbelte, zappelte, wabbelte und sah ungewöhnlich anders aus. Neben den verschiedensten Gewürzen in allen Farben standen riesige Gemüsestände mit x-Arten von Zucchini und Gurke. Fleischstand reihte sich an Fleischstand und meinem Vater lief schon wieder das Wasser im mund zusammen. Auch der Anblick von Entenköpfen und lebenden Krabben und Hühnerfüßen konnten den Mund nicht trockenen. So beschlossen wir nach einem geruchsintensiven Abstecher in die Fischabteilung ein anderes Restaurant aufzusuchen.
Das Taxi spuckte uns dann in einer komplett neuen Welt aus. Am Wujiaochang, einem riesigen Platz mit 5 Shoppingmalls, an dem sich 5 Straßen treffen. Hier aßen wir in einem Restaurant typische Chinesische Küche und danach spazierten wir zurück zum Hotel.

Heute war ein Tag der vielen Eindrücke, denn neben den alten Bauten und verfallenen Häusern haben wir die überall gegenwärtige Konsumwelt Shanghais kennen gelernt. Heute haben sich Arm und Reich, Dreck und Sauberkeit, Kultur und Konsum die Klinke in die Hand gegeben und ein für Shanghai wirklich typisches Bild gezeichnet.