Mittwoch, 15. Oktober 2008

DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst

Nun ist es schon wieder über eine Woche her, dass ich was geschrieben habe.
Ganz kurz möchte ich euch nur auf einen längeren Bericht vorbereiten, denn wir Stipendiaten vom DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) wurden nach Beijing zu einem Treffen mit anderen Stipendiaten vom DAAD aus ganz China eingeladen. Geplant war ein Begrüßungsdinner am Freitagabend, am Samstag morgen eine Vortragsreihe einschließlich Mittagessen und anschließender Bustour in die Hutongs (alte Wohngebiete) Beijings und abendlichem Empfang in der deutschen Botschaft. Sonntag bot man uns die Möglichkeit an einer Job Messe teilzunehmen, die Alin und ich auch auf jeden Fall nutzen wollten.
Zusammen mit Sebastian kauften wir am Bahnhof problemlos Zutickets für einen Z Zug. Dieser ist der zweitschnellste Zug von allen, da er nur am Endbahnhof hält und über Nacht fährt. Insgesamt hab wir für Hin und Rückfahrt aif Soft-Seat (weichen Sitzplätzen) 60 Euro bezahlt. Die Fahrtkosten und das Hotel werden allerdings gücklicher weise vom DAAD getragen. Neben dem Programm vom DAAD bot diese Reise natürlich auch die Möglichkeit unsere Zwickauer Gang mal wieder zu treffen und uns auszutauschen.
Beijing wir kommen!

Montag, 6. Oktober 2008

Die noble deutsche Gesellschaft von Shanghai

Einen schönen guten Abend!

So oder so ähnlich wurden wir heute Abend im Radison Hotel vom Deutschen Generalkonsul und seiner Gefolgschaft per Handschlag begrüßt. Der Weg dorthin gestaltete sich aber als reinste Tortur. Von der Metrostation aus, sah es auf dem Stadtplan eigentlich recht nah aus, doch der Weg entpuppte sich als 40 minütiger Marsch durch ein ganzes Stadtviertel und das in Absatzschuhen und schicker Abendkleidung, ganz zu schweigen von unseren Erlebnissen in der U-Bahn zur Rushhour-Zeiten. Wir dachten ja, nachdem wir eingestiegen waren, ist die Bahn voll, doch irgendwie wurden wir dann so eng aneinandergepresst, dass doch tatsächlich mehr als 10 Leute auf 2 m² Platz fanden. Zerzaust und mit einem etwas chinesisch angehauchten Schweißgeruch mischten wir uns unter die deutsche Gesellschaft in Shanghai.

Ursprünglich war der Plan wie folgt: Schick anziehen, nett lächeln, Small Talk führen und evtl. unsere neuen Visitenkarten unter die Leute bringen. Doch schon am Anfang bemerkten wir schnell, dass die Expat-Deutschen sich untereinander kannten und gleich Grüppchen bildeten, in denen sie auch den Rest des Abends miteinander verbrachten. Sehr schade an sich, das so der gewollte Informationsaustausch nicht von statten ging, aber so verbrachten wir den Abend mit Analysen über die Menschen die auf solche treffen gehen. Grob kann man sie unterteilen in Studenten auf Jobsuche, Praktikasuche oder Studenten mit Hunger auf deutsches Essen. Dann gibt es die einzelnen Männer mit Familie einschließlich Kindermädchen, die Politiker und die Unternehmer unter sich, die Frauen der Expatriaten (Ausdruck für deutsche Entsandte im Ausland) und die Kinder der Expats. Dann gab es noch einige Chinesinnen und Reporter. Aber allen Deutschen und nicht deutschen war gleich, dass sie sich wie hungrige Tiere auf das Büfett stürzten. (Wozu ich mich natürlich auch zähle, schließlich habe ich 5 Stück Kuchen und reichlich Brot und Brezeln verdrückt) Nachdem der Magen geschlossen war, wurde mit einigen Gläschen Alkohol die Verdauung angeregt und die Zunge gelockert.

Für uns entwickelte sich der Abend in eine Art Klassentreffen, denn wir sahen all unsere Zwickauer Studenten, die in Shanghai studieren und die Studenten, die wir von der Tongji Universität kannten.

Das Interessanteste an diesem Abend war für mich eine Bekanntschaft mit einer Engländerin, die chinesische Eltern hat und in Shanghai Restaurants testet und Kritiken darüber für Zeitschriften schreibt sowie ein Foto mit dem Generalkonsul, dass aber leider nicht ich besitze, sondern auf einer anderen Kamera verewigt wurde. Gerüchten zu Folge soll auch unser Ex-Kanzler Gerhardt Schröder da gewesen sein und es existieren wohl auch Fotos mit ihm, ich habe ihn leider nicht zu Gesicht bekommen. Aber so prominentenfixiert bin ich ja auch nicht.
Alles in allem ein wirklich schöner Abend, allerdings ohne Erfolg für meine Praktikumssuche.

Samstag, 4. Oktober 2008

Stadtplanungsmuseum und wie wir eine Parallelwelt entdeckten

Samstag 4.10. 2008
Auf zum Stadtplanungsmuseum!

Ebenfalls auf dem Renminguangchang platziert ist das Museum für die Stadtplanung Shanghais. Dieses ist deutlich weniger frequentiert besucht, als das Shanghai Museum vom Mittwoch. Dieses Gebäude besitzt 5 Stockwerke und ist total modern ausgestattet. Allerdings ist bei all dem Hightech-Schnickschnack auch sehr viel kaputt. Viel Computer funktionierten gar nicht, Flatscreens waren ausgefallen und die Animationen in den Vorführräumen waren wahrscheinlich noch von vor 2000. Zu sehen gab es sehr viel, beispielsweise alte Fotos von Shanghai im Vergleich zu den heutigen real existierenden Orten. Diese haben sich innerhalb der letzten 30 Jahre so verändert, dass man sie nie und nimmer wiedererkennen würde. Meiner Meinung nach hat sich die Architektur aber nicht gerade zum Vorteil verändert. Anstatt von typischen chinesischen Familienhäusern sind riesige Wohnkomplexe entstanden, die durch den ganzen Smog und Dreck in der Stadt schon nach wenigen Wochen eher wie graue Sozialbauten aussehen. Unter Denkmalschutz versteht man hier ja eh etwas anderes. Hier wird nicht wie bei uns versucht, jede noch zu rettende alte Substanz vor dem Verfall zu bewahren. Nein, hier wird das Alte einfach weggerissen und etwas Neues hingebaut, dass entweder gar nicht an das vorher Dagewesene erinnert oder das Alte in Richtung Kitsch umgebaut wird. Das ganze Museum war durchzogen von interessanten Stadtplänen von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Es gibt ein riesiges Modell von Shanghai, um das man herumlaufen kann. Abgebildet sind nicht nur existierende Gebäude sondern auch Gebäude, die es in Zukunft geben soll. So zum Beispiel der höchste Wolkenkratzer der Welt oder ein komplettes, wahrscheinlich unbezahlbares Stadtviertel mit Einfamilienhäusern in Pudong in nähe eines riesigen Parks.
Des weiteren wurde eine komplette Etage nur für die Expo reserviert. Hier werden alle Fortschritte im Bau dokumentiert sowie Werbefilmchen gezeigt. Die Expo wird einen geraumen Teil der Fläche östlich des Huangpos einnehmen und wird bestimmt genauso präzise gebaut, wie die Sportstätten für Peking.
Auch an der logistischen Infrastruktur, wie den Bahnhöfen, den Flugplätzen und dem Hafen wird getüftelt und entworfen, was das Zeug hält. Alles läuft auf Hochtouren und die Stadt ist im ständigen Baufieber. Vor unserer Hochschule wird auch von um 6.00 Uhr früh bis nachts um 2.00 Uhr an der Metrostation gebaute. Bislang gibt es 8 Metrolinien, es sollen aber insgesamt 15 werden. Hier trifft wieder der Spruch zu, dass Shanghai die größte Baustelle der Welt ist.
Interessant an der Ausstellung war, dass wir viel gesehen haben und trotzdem nur sehr wenige Informationen über Shanghai selbst erfahren haben. Auch die Jahre 1945 bis 1970 sind komplett aus der Stadtkonstruktionsgeschichte ausgeschlossen. Ich bin zwar mit vielen Eindrücken hinausgegangen, aber wirklich weitergebildet hat mich dieses Museum nicht. Meiner Ansicht nach ist es eher ein Prestigeobjekt der Stadtverwaltung, als für Touristen geeignet.

Mein erster Anzug!

Freitag 03.10.2008 Die Schneiderei

Da wir hier in Shanghai und bald auch in Peking auf eine turbulente Bewerbungszeit für unser Praktikum zusteuern, beschlossen wir, in den Stoffmarkt Shanghais zu fahren. Empfohlen von Freunden besuchten wir ein 4-stöckiges Schneiderhaus in der Longmenlu, einer Parallelstraße zum Bund. Nach einiger Nachforschung fanden wir auch einen Bus, der uns direkt dorthin kutschierte. Um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen, schlenderten wir durch die engen Gänge des Kaufhauses. Zu unserer Freude fanden wir im obersten Stockwerk einen Citibankautomaten. Der wird wohl auch guten Wissens um die Sucht der Westler nach maßgeschneiderten Kleidern aufgestellt worden sein. Böse Zungen behaupten sogar, man wird ab dem ersten Kleidungsstück abhängig davon. Auch für uns war die Verlockung sehr sehr groß, überall hingen wunderschöne Abendkleider, Mäntel, die man in Deutschland nicht bezahlen könnte und natürlich unser Ziel- Die Businesskleidung. Alin hat sich als erste von dem Zauber der Schneiderei einfangen lassen und bekommt nun einen af den Leib geschneiderten hellen Stoffmantel, der sehr elegant aussieht für 60 Euro. Der Winter kann kommen!
Ich persönlich habe mich danach erst getraut mir dort Kleidung machen zu lassen. In einem Geschäft wurden dann auch meine Maße genommen. Nun bekomme ich für lediglich 50 Euro einen maßgeschneiderten Blazer mit dazugehörigen Rock und Anzughose. Er sieht schwarz aus und ist durchzogen mit dunkelblauen Nadelstreifen. Die Formen konnte ich sowohl von den Ausstellungsstücken her auswählen, als auch aus mehreren Katalogen. Nach einer Anzahlung von 30 Euro und einer Quittung zu Abholung innerhalb der nächsten Woche, machten wir uns glücklich und zufrieden wieder auf den Weg nach draußen. Jetzt kann ich bestätigen, ja es macht süchtig und man läuft Gefahr sich gleich nach dem abholen ein weiteres Kleidungsstück anfertigen zu lassen! Es ist aber auch verdammt günstig...( gerade Für Leute mit komischen Körpermaßen, wie ich)

Gleich neben der Schneiderei beginnt die Altstadt Shanghais. Dort waren wir eigentlich schon mal, haben aber nur einen kleinen Teil gesehen. Diesmal erkundeten wir den Hauptteil der alten Stadt, die besonders durch die vielen kleinen Geschäfte und Essensstände sowie durch die turbulente Optik besticht. Die gesamte alte Stadt ist so groß wie ein eigener Stadtteil von Shanghai und Touristen werden von ihr auch magisch angezogen!
Da es nun schon Mittag war beschlossen wir in der Altstadt in einem uigurischen Restaurant Nudeln zu essen, die wieder mal lecker waren. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Suppen sehr heiß und teils auch sehr scharf sind. Also lief meine Nase. Und das wiederum ist ein absolutes Tabu in China. Was also tun, damit es keinem auffällt? Alin war das letzte Mal aus der Imbissbude rausgegangen um sich zu schnäuzen. Ich wählte die Variante heimlich die Serviette zu benutzen, wurde allerdings in genau diesem Moment von einem chinesischen Touristen fotografiert, für den wir wahrscheinlich das exotischste in der Altstadt waren.

Shanghai Museum 上海博物馆

Donnerstag 02.10.2008

Heute können wir von uns behaupten, dass wir wissen, was es heißt in China an einem Feiertag in Shanghai an einer der beliebtesten Touristenattraktionen Schlange zu stehen!

Pünktlich zu Eröffnung des Museums fuhren wir mit dem Bus vor und sahen schon eine mächtige Schlange um das Shanghai Museum stehen. Also stiegen wir schleunigst aus dem Bus aus und bewegten uns in Richtung Museum. Wie immer gab es zwei Eingänge, einen für die Touristengruppen mit Führung und einen für Normalsterbliche. Das war der erste Zeitpunkt, an dem ich mir wünschte, einer Touristengruppe zuzugehören, denn diese Schlange war wesentlich kürzer und wurde natürlich bevorzugt hereingelassen. Alin und ich zögerten, sollten wir wirklich 2 Stunden lang warten, ehe wir in das Museum kommen? Ist es uns das wirklich Wert? Noch war keine Entscheidung getroffen, also versuchten Alin und ich das Ende der Schlange zu finden. Die Menschen schlängelten sich die Gesamte Vorderseite entlang. Alin und ich bogen um die Ecke und die Menschenmassen standen weiter an. Insgesamt würde ich sagen, dass die Warteschlange ungefähr 500m lang war. Natürlich standen die Menschen nicht in Reih und Glied, sondern bis zu fünft nebeneinander.
Nach kurzem Hadern siegten Alins und meine Neugier auf das Museum dann doch und so reihten wir uns in den Touristenstrom mit ein.

Mit einer guten Portion schwarzen Humors und viel Geduld hielten wir es dann auch 1,5 Stunden lang aus, bis sich die goldenen Pforten auch für uns öffneten. Am meisten freuten wir uns darüber, dass die Schlange hinter uns immer länger wurde und, außerdem waren wir nicht die einzigen Westler, die so weit hinten standen. Ein hämisches Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, wenn entgeisterte weiße Gesichter versuchten das Ende der Schlange zu erkunden! Interessant zu beobachten war dabei die chinesische Anstelltechnik. Ein Mitglied der Familie wurde auserkoren, die ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen, bei glühender Sonne einen Platz in der Schlange für die anderen freizuhalten. Diese besorgten in der Zeit für den Wartenden kühle Getränke und Knabberreihen oder aber ließen ihn einfach im Stich und spielten mit den Kindern im Schatten der Grünanlage des Renminguangzhang 人民广场, dem Volksplatz.

Der Volksplatz ist eine große Grünanlage und ähnlich wie in Berlin die Museumsinsel aufgebaut. Die Gebäude sehen alle recht europäisch aus, sind neu und innen mit allem nötigen Hightechschnickschnack ausgestattet. Der Renminguangzhang liegt in Mitten von Wolkenkratzern und ist umgeben von 4-spurigen Straßen von hier aus kann man bequem zur Nanjinglu laufen. Eine Überraschung erlebt man allerdings, wenn man versucht die Straße zu überqueren, denn oberhalb der Erde funktioniert dies nicht. Also geht man durch eine Unterführung. Diese wiederum grenzt an eine riesige Shoppingmall, die sich unter dem Volksplatz verbirgt. In dieser findet man Läden für Disneyhandtaschen, Hello Kitty, Pucca, Astroboy und allen möglichen anderen Kitsch. Es gibt auch Läden, die Prinzessinnenkleider verkaufen und jede Menge Schmuck, Mützen und Schuhe.

Soweit zu den Shoppingmöglichkeiten. Das Shanghai Museum ist ein „kleines“ Museum über die chinesische Kultur. Es besitzt 4 Etagen mit jeweils 4 Ausstellungsräumen, was für deutsche Verhältnisse doch schon recht ansehnlich ist. Ausgestellt wurden Kunststücke wie Kalligrafien, Porzellan und Töpfereikunst, chinesische Gemälde aus Tusche, Münzen, Stempel und Siegel, Stoffe, Seide und Jade, altes Mobiliar von Küchen über Betten und Sofas bis hin zu kaiserlichen Thronen, die Trachten der Minderheiten und Statuen zumeist von Buddha. Am Anfang versuchte ich noch, Fotos zu schießen, aber irgendwann gab ich es auf, weil wir sonnst nicht mehr am gleichen Abend nach hause gekommen wären. Das Museum besitzt seinen ganz eigenen Charm zwischen Moderne und Geschichte und ist auf jeden Fall die Warterei Wert gewesen!

Französische Konzession

Mittwoch 01.10.2008, Die Französische Konzession.

Am späten Vormittag zogen Alin und ich aus, die Spuren vergangener Kolonialzeiten in Shanghai zu erkunden. Neben den Amerikanern, Engländern und Deutschen, erhoben auch die Franzosen Anspruch auf Teile von China. So kann man heute noch in Shanghai die Überbleibsel Französischer Kolonialbauten sehen. Mit der U-Bahn ist das ganz leicht zu erreichen. Man wird am Anfang der Huaihai Straße rausgedrängt, einer modernen Straße mit vielen teuren Kleiderläden, Juwelieren und Uhren. Durch die Heerschar von Touristen und der unzähligen Geschäfte ist Alin und mir zunächst gar nicht aufgefallen, dass wir uns bereits in der französischen Konzession befinden. Überwältigt von den wunderschönen Brautmodengeschäften, die sich aneinander reihen und mit Ballkleidern werben, hätten wir doch fast nicht bemerkt, dass es außer Konsum in dieser Straße auch noch europäische Architektur gibt. Zwischen den unzähligen Konsummeilen schlängelte sich ein kleines Baozi und Jiaozi-Restaurant entlang. Natürlich konnten Alin und ich da nicht widerstehen und bestellten eine Art Blätterteigtasche mit Gemüsefüllung ein Baozi mit gebratener Reisfüllung, was so ähnlich wie Rissotto geschmeckt hat.

Gut gestärkt begutachteten wir die Baukunst des Viertels. Doch auch hier ist der Baustil komplett anders, als ich mir es vorgestellt habe. Von riesigen Villen mit hübschen Vorgärten ist wenig zu sehen. Biegt man in die Seitengassen, bemerkt man, dass die Villen zwar hübsch sind, doch eher an Arbeiterwohnungen erinnern. Zudem kommt, dass die meisten Gebäude gerade überholt werden. Auf dem Weg durch die französische Konzession besichtigten wir die Residenz von Sun Yatsen, der sowohl in der VR China, als auch auf Taiwan, als Gründer der Republik gefeiert wird. Zum Herrenhaus ist eigentlich nur zu sagen, dass es typisch europäisch protzig gebaut und ausgestattet wurde. Dunkle Möbel, dunkler Boden, schwere Stoffe und jede Menge Bücher. Das Museum war sehr interessant, aber etwas klein.

Nach so viel Kultur gönnten wir uns einen Ausflug in den benachbarten Fuxingpark, indem Trommler und Geiger spielten, die Männer ihre selbstgebastelten Drachen segeln lassen und sogar das Betreten vom Rasen erlaubt ist. Ein Familienparadies schlechthin, allerdings, sollte man sich etwas mehr Geld in die Tasche stecken, denn im Park haben die Kinder die Möglichkeit Autoscooter und Karussell zufahren. Gleich daneben spielen die alten Shanghaier chinesisches Schach, Majong oder Karten. Der Park ist zwar klein, aber dafür sehr gemütlich.

Auf dem Rückweg kamen wir sogar an einem richtigen kleinen Markt für Trockenobst, Tee und Getränke vorbei. Gleich mischten wir uns in das Getümmel und mussten feststellen, dass Chinesen bei Kostproben genauso beherzt zugreifen wie die Deutschen! Nach dem wir dann doch mehr Ellenbogenhiebe und Fußtritte abbekamen, gaben wir den Versuch auf etwas zu kaufen und machten uns auf den Heimweg.

Freitag, 3. Oktober 2008

Alin hat Geburtstag!!

Dienstag, ein Tag voller Überraschungen!

Heute hat Alin Geburtstag!!! Gleich am Morgen gab’s ein Ständchen von der Zwickauer Gemeinschaft im Wohnheim: 祝你生日快乐,祝你生日快乐,祝你生日快乐,祝你生日快乐。Was soviel heißt wie: Zum Geburtstag viel Glück! Danach wollte ich mit Alin den Vormittag mit ein wenig Shopping verbringen. Kaum 5 Minuten im Bus, klingelt mein Handy. Monika, die chinesische Sprachpartnerin, lädt Alin und mich ein, ihre Familie kennen zu lernen und zwar um 9.40 Uhr. Nur gut, dass es schon 9.00 Uhr war. Schnell suchten wir in der Shoppingmall noch ein geeignetes Geschenk aus und Alin bekam nach 4 wöchiger Brotentziehung endlich einmal ein Körnerbrötchen spendiert. Ihr glaub gar nicht wie gut es tut, nach so langer Zeit in ungesüßten Sauerteig zu beißen!!! In aller Eile begaben wir uns nun zurück und machten uns auf den Weg zu Monika.

Dort angekommen, eilten uns schon ihre Eltern entgegen. Auf dem ersten Blick, wusste ich, dass die beiden genauso liebe Menschen sind, wie Monika. Sehr aufmerksam, lustig und intelligent, beide um die 50 Jahre. Monika kommt aus der Provinz Anhui. Das ist eine der ärmeren Provinzen Chinas, nordwestlich von Shanghai. Von dort kommen angeblich die ganzen Kindermädchen in Shanghai. Nun dachten wir, gut bereiten wir zusammen das Mittagessen vor. Falsch gedacht. Die ganze Gruppe begab sich nun auf den Weg nach Pudong, um zu Monikas Tante zu fahren. Mit Bus und U-Bahn und ein wenig laufen, standen wir dann vor einem neuen Hochhauskomplex in einem der nobelsten Wohnviertel Shanghais.

Das die Leute dort Geld haben spürt man schon, wenn man an den gestriegelten Pförtnern vorbeischleicht, die einen gleich anhalten und ausfragen, wohin man wolle. Gleich am Eingang trafen Monikas anderen Onkel und seine junge Freundin, die gerade auf dem Weg sind, die Reservierung im Restaurant vor zu nehmen. Nachdem wir das richtige Gebäude gefunden hatten, fuhren wir mit einem Fahrstuhl in den 6. Stock um schon freudig von der gesamten Familie empfangen zu werden. Mit ganzer Familie meine ich Oma und Omas Bruder, drei Onkels und Tanten sowie ein Baby und ein Cousin. Sehr interessant war auch die Wohnung der Tante, an dieser Stelle sollte ich vielleicht auch das Wort „reich“ fallen lassen. Alles hypermodern eingerichtet und bis in kleinste Detail durchgeplant, sehr hell und freundlich, aber auch einwenig steril, so sauber wie es ist. Ok, vielleicht habe ich bereits andere Sauberkeitsvorstellung übernommen, seit ich unser Wohnheim kenne. Nachdem wir das Baby bespaßt hatten und uns vorstellten, brachen wir auch schon wieder auf zum Restaurant.

Der Onkel, wie sollte es auch anders sein, fuhr natürlich eine riesige schwarze Limousine der in China beliebten Marke Audi. Zum Glück bat Audi große Autos, denn wir quetschten uns zu 4 hinten auf die Rückbank und stürzten in den Verkehr der Großstadt. Unser Ziel, das Restaurant stellte sich auch bald als Luxusdelikatessenrestaurant heraus. Den ersten Schock bekamen wir schon beim hineingehen. Wir ließen uns, in der extra für uns reservierte VIP – Lounge, nieder, einem abgetrennten Raum vom Rest des Restaurants mit riesigem runden Tisch. Im Nachhinein, war es wahrscheinlich gut, dass wir so abgeschottet vom Rest der Welt dasaßen (unsere Stäbchenkünste lassen nämlich noch zu wünschen übrig). Wenn man die schweren Samtvorhänge vor dem extra abgedunkelten Fenster hochhob, sah man direkt den Huangpu-Fluss. Alles war sehr klassisch chinesisch gehalten mit schweren Möbeln und Dunklen Farben. Auf dem Tisch erspähten wir goldene Löffelchen und verschiedenste Schüsselchen, Stäbchen und alles perfekt protzig, wie es das chinesische Statusverständnis vorschreibt.

Für uns Kulturstudenten war vor allem interessant zu sehen, wie die Platzverteilung einherging. Denn in China spielen Rang, Alter und Position der Personen bei der Platzwahl eine wesentlich höhere Bedeutung als in Deutschland. Das Familienoberhaupt, also die Oma, und der Gastgeber, die Tante, saßen am runden Tisch gegenüber des Einganges, damit sie immer beobachten konnten, wer wann wo wie hinausgeht. Die Kinder setzten sich dem Alter entsprechend zur Rechten und Linken der beiden. Wir Gäste saßen auch links. Den unbeliebtesten Platz, der der am wenigsten bedeutenden Persönlichkeit, erhielt die Freundin des jüngsten Onkels. Sie saß mit dem Rücken zum Eingang. Bis alles zur Zufriedenheit arrangiert war, setzten sich alle bestimmt 3 mal um.

Dann ging es aber ans schlemmen, und wie wir schlemmten!!! Es gab Rindfleisch, Garnelen, verschiedene Sojagerichte, verschiedenes Gemüse, von dem selbst die Gastgeber nicht wussten was es war, Fischsuppe, Nudelsuppe, Scharfes, Süßes, Saures und als i-Tüpfelchen, probierte ich das erste mal in meinem Leben Froschschenkel. Jetzt kann ich sagen, sie schmecken sehr lecker, wie ein Mischung aus fisch und Fleisch und sehr zart.

Da ich mit einem kleinen Wink mit dem ZaunsPfahl Monika daraufhingewiesen habe, dass Alin Geburtstag hatte, bekam Alin zum Nachtische eine riesige Schokoladentorte als Geschenk von Monikas Eltern. Diese war so groß, dass die gesamte Familie daran mithalf, sie zu verputzen, aber trotzdem viel übrig blieb. Die Tort hatte sogar Alins deutschen und chinesischen Namen eingraviert. Nach dem auspusten der Kerzen sangen alle noch mal gemeinsam für Alin Happy Birthday to you. So ging das Fest mit einer Überraschung für das Geburtstagskind zu Ende.

Am Abend ging es auch gleich weiter mit dem feiern. Mit Karolin und Romana ging es dann zum Bund. Dort bewunderten wir die Skyline von Pudong in einem kleinen Restaurant, dass mehrere Stöcke und eine Terrasse besaß. Der einzige Haken an dem Restaurant- es hatte westliche Preise, so zahlten wir für 2 Getränke und einen kleinen Snack im Durchschnitt 14 Euro pro Person. Für euch mag dass jetzt vielleicht billig erscheinen, aber für Essen ist das in China schon fast unverschämt teuer. Aber egal, den schönen Tag ließen wir mit einem schönen Weiberabend ausklingen und schmiedeten schon Pläne für die nächste Woche.